Stadt Heilbronn: 36 Projekte für das Titeljahr als Grüne Hauptstadt Europas 2027

Von Redaktion, Fotos: Stadt Heilbronn

Vom Rooftop-Walk auf dem Wollhaus über einen Fahrradring rund um die Innenstadt bis zum europäischen Weinbau-Symposium an der Hochschule Heilbronn: Die Stadtverwaltung hat das Programm für die Grüne Hauptstadt Europas 2027 vorgelegt. Am Donnerstag, 30. April, entscheidet der Gemeinderat öffentlich über das Paket aus 36 Projekten. Mehrere Vorhaben berühren direkt den Bildungscampus und das Wissensstadt-Ökosystem.

Wer den Entwurf für das Wollhaus-Dach betrachtet, sieht eine bekannte Handschrift, wie die rote Treppe, die kantigen Volumen, der bewusst gesetzte Kontrast zwischen Bestand und Aufbau: Das niederländische Architekturbüro MVRDV hat den Rooftop-Walk entworfen. Dasselbe Büro, das auch den IPAI Campus im Norden Heilbronns plant. Dass Heilbronn für sein Schaufensterprojekt im Titeljahr dieselbe Handschrift wählt wie für den künftigen KI-Standort, ist kein Zufall. Es ist die Klammer eines Programms, das die Stadt jetzt offiziell vorgelegt hat.

Ein Rooftop-Walk soll auf dem Heilbronner Wollhaus entstehen. Der Rooftop-Walk soll vier bis sechs Wochen lang Fläche für Ausstellungen zum Thema Klimaschutz und Dachnutzungen sowie Raum für Begegnung bieten und zeigen, wie Flachdächer genutzt werden können.

36 Projekte, ein Titeljahr

Die Verwaltung präsentierte das Konzept am 23. April der Öffentlichkeit. Eröffnet wird das Titeljahr am 15. Januar 2027 mit einem Festakt im Stadttheater und einer Live-Übertragung auf den Marktplatz, wo vom 14. bis 17. Januar ein viertägiger Wintermarkt stattfindet. Über das Jahr verteilt sind unter anderem geplant: der Rooftop-Walk auf dem Wollhaus, der das Gebäude im Mai und Juni 2027 für vier bis sechs Wochen in einen begehbaren Dachgarten verwandelt (900.000 Euro); ein Fahrradring rund um die Innenstadt (635.000 Euro); die Umgestaltung der Bleichinselbrücke (621.700 Euro); ein Verkehrsversuch auf der Friedrich-Ebert-Brücke; eine Wassershow am Hagenbuchersee, die an die Bundesgartenschau 2019 anknüpft; ein Licht-Kunst-Festival im Februar mit über 100.000 erwarteten Besuchern; sowie ein dreitägiges »Vegan Days«-Format parallel zum Triathlon-Wochenende. Im Oktober kommt die Preisverleihung zur European Green Capital 2029 nach Heilbronn.

Die Wassershow am Hagenbuchersee soll an Buga-Zeiten erinnern. 

Was direkt zur Wissensstadt führt

Mehrere Projekte verzahnen sich eng mit Bildungscampus und Hochschullandschaft. Die Bleichinselbrücke als schnellste Verbindung zwischen Hauptbahnhof und Bildungscampus wird umgestaltet, mit dauerhafter Begrünung und durchgängigen Radfahrstreifen in beide Richtungen. Im Sommer 2027 richtet die Hochschule Heilbronn ein europäisches Symposium zur Zukunft des Weinbaus aus, ergänzt durch Reallabore in den Heilbronner Weinbergen und einen Erlebnispfad nahe dem Gaffenberg. In allen 115 Heilbronner Kitas mit rund 6.000 Kindern wird Bildung für nachhaltige Entwicklung als Jahresprogramm umgesetzt. Mit dem »BildungsNetz Heilbronn« entsteht eine zentrale Online-Datenbank für nachhaltige Bildungsangebote in Schulen. Jugendliche ab Klasse 8 können sich als »Nachhaltigkeitslotsen Heilbronn« (NaLos) qualifizieren und mit eigenem Budget Projekte an ihren Schulen umsetzen. Hinzu kommt ein dichtes Programm an Fachkongressen, darunter der RadKONGRESS Baden-Württemberg, der Bürgerenergiekonvent Deutschland, das Cities Forum der Europäischen Kommission sowie die genannte Fachkonferenz an der HHN.

So könnte es den Visualisierungen der Stadt zufolge rund um den Bollwerksturm aussehen.

Sechs Millionen zusätzlich, sechzig Millionen insgesamt

Die Stadt veranschlagt für 2027 zusätzliche Kosten von rund sechs Millionen Euro für das Aktionsprogramm. Rechnet man Projekte hinzu, die bereits im Haushalt eingeplant sind, etwa die Eichgasse oder die Turmstraße, kommt nach internen Schätzungen ein zweistelliger Millionenbetrag zusammen. Die Stadt selbst spricht von 60 Millionen Euro an investiven Mitteln im Aktionsjahr. Oberbürgermeister Harry Mergel zeigte sich gegenüber der Presse überzeugt, dass die zusätzlichen Kosten durch Drittmittel deutlich reduziert werden könnten.

Erste Stimmen aus dem Gemeinderat

Im Vorfeld der Abstimmung haben mehrere Fraktionen Stellung bezogen. Thomas Randecker, Fraktionsvorsitzender der CDU, ordnet das Programm so ein: »Nachhaltig und dauerhaft die Stadtentwicklung an sich verändernden Umwelt- und Klimabedingungen anpassen.« Holger Kimmerle, Fraktionsvorsitzender der GRÜNEN, betont die Beteiligung: »Entscheidend ist jetzt, die gesamte Stadtgesellschaft mitzunehmen.« Tanja Sagasser-Beil von der SPD mahnt zur Disziplin bei den Prioritäten: »Keine Schulsanierung, kein Spielplatzbau darf wegen Green Capital zurückgestellt oder gestrichen werden.« Auch FDP, FWGHN, UfHN und DIE LINKE äußerten sich grundsätzlich zustimmend, mit unterschiedlichen Akzenten zwischen Investitionsbereitschaft und Mahnungen zur dauerhaften Wirkung.

In einem Kommentar in der Heilbronner Stimme verwies die Autorin Tanja Ochs auf die Frage, wie sich eine nur vierwöchige Öffnung des Wollhaus-Daches mit dem Prinzip der Nachhaltigkeit verträgt. Die Projektsteckbriefe der Stadt antworten darauf mit dem Hinweis auf die Wiederverwendung von Gerüst und Materialien sowie auf die spätere Weiterpflanzung der Begrünung. Heilbronn ist nach Hamburg und Essen die dritte deutsche Stadt, die den Titel European Green Capital trägt.

Im nächsten Jahr darf Heilbronn den Titel „Grüne Hauptstadt Europas“ tragen. Jetzt steht das Programm für 2027, über das am Donnerstag der Gemeinderat entscheidet: (von links) Baubürgermeister Andreas Ringle, Erster Bürgermeister Martin Diepgen, Stadtrat Nico Weinmann (FDP), Stadtrat Thomas Randecker (CDU), Sozialbürgermeisterin Agnes Christner, Oberbürgermeister Harry Mergel, Projektleiterin Dr. Julia Hufnagel, Geschäftsführer HMG Steffen Schoch, Stadtrat Holger Kimmerle, Stadträtin Marianne Kugler-Wendt, Stadtrat Herbert Burkhardt, Stadtrat Dr. Raphael Benner. 

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