European Green Capital 2027: Heilbronns Baubürgermeister erklärt den Studierenden die Stadt der Zukunft

Von Redaktion, Fotos: DHBW Heilbronn

Sind wir Wilhelm oder Bertha? Mit dieser Frage eröffnete Baubürgermeister Andreas Ringle seinen Vortrag an der DHBW Heilbronn. Gemeint war nicht weniger als die Haltung einer ganzen Stadt. Und die Antwort fiel ziemlich eindeutig aus.

Bertha Benz setzte sich 1888 ans Steuer und fuhr einfach los. Kaiser Wilhelm II. blieb beim Pferd. Diese beiden Figuren stellte Baubürgermeister Andreas Ringle den Erstsemestern beim Studium Generale an der DHBW Heilbronn gegenüber, als Bilder für zwei grundverschiedene Haltungen zum Wandel. „Bertha Benz steht für Mut, Weitblick und die Bereitschaft, Neues tatsächlich auszuprobieren“, sagte Ringle laut Pressemitteilung der DHBW Heilbronn. „Heilbronn will genau diese Haltung einnehmen: nicht abwarten, sondern gestalten.“

„Wandel gehört zur DNA Heilbronns“, betonte Ringle beim Studium Generale.

Anlass für den Vortrag war Heilbronns Auszeichnung als European Green Capital 2027. Nach Hamburg und Essen ist Heilbronn die dritte deutsche Stadt, die diesen Titel erhält. Der Titel richte sich ausdrücklich an Städte im Wandel, so Ringle. Heilbronn passe genau in dieses Profil.

Seilbahn, autofreier KI-Stadtteil und Bildungscampus am Neckar

Ringle, seit 2022 Baubürgermeister, skizzierte die konkreten Projekte, mit denen Heilbronn sich für die kommenden Jahre aufstellt. Im Norden der Stadt entsteht rund um den Innovation Park Artificial Intelligence (IPAI) ein weitgehend autofreier Stadtteil, in dem Forschung und Mittelstand zusammenkommen sollen. Nur rund 30 Prozent der künftigen Beschäftigten sollen laut Planung mit dem Auto anreisen.

Verbunden werden soll das Areal durch eine Seilbahn, die den IPAI, den Bildungscampus und den Hauptbahnhof verknüpft. Laut Ringle wäre sie das erste derartige Verkehrsmittel im öffentlichen Nahverkehr in Deutschland.

Am Neckarufer wiederum wächst der Bildungscampus weiter. Vier neue Gebäude sollen Raum zum Forschen, Lernen und Wohnen bieten. Geplant ist auch eine Schwimmhalle mit Sportzentrum, das in Randzeiten der Öffentlichkeit offenstehen soll. Die Neckartreppen werden erweitert, um den Zugang zum Fluss zu verbessern. Stadtleben und Hochschulleben rücken so näher zusammen.

Drei Prozent Grün und eine Stadt, die sich neu erfindet

Im Anschluss an den Vortrag stellten Studierende Fragen zur Begrünung der Innenstadt. Ringle erläuterte laut DHBW-Pressemitteilung, dass Heilbronn zu den heißeren Städten Deutschlands zähle und in der Innenstadt derzeit nur etwa drei Prozent Grünflächen vorhanden seien. Nach dem Krieg sei die Stadt zunächst autoorientiert wiederaufgebaut worden. Die ursprüngliche Planung einer Gartenstadt sei dabei verloren gegangen.

Studierende wollen sich an der Stadtentwicklung beteiligen.

Auch Wohnen war Thema. Für Studierende sind laut Ringle zwei neue Wohnheime in der Nähe der Alten Reederei und an der Rosenbergbrücke geplant. Dazu bestehe der Wunsch, das Wollhaus künftig stärker zu beleben.

„Wandel gehört zur DNA Heilbronns“, sagte Ringle. „Vom Bahnareal zur Bundesgartenschau, von der zerbombten Stadt zum Industriezentrum, vom Neckarbogen bis zur European Green Capital.“

DHBW-Studierende gestalten mit

Rektorin Nicole Graf lenkte den Blick zum Abschluss auf die Rolle der Hochschule. Studierende des Studiengangs Dienstleistungsmanagement arbeiten bereits an einem Beschilderungssystem für die European Green Capital 2027 und an verschiedenen Touren durch Heilbronn. Außerdem lud Graf zu weiteren Ideen ein, etwa für ein neues „Heilbronner Leibgericht“, das die regionale Tradition von Bubenspätzle und Maultaschen mit modernen ernährungswissenschaftlichen Erkenntnissen verbindet.

Rektorin Prof. Dr. Nicole Graf und Baubürgermeister Andreas Ringle vor dem Studium Generale.

„Wir haben heute viel Lust auf die Zukunft bekommen“, zog Graf laut DHBW-Pressemitteilung das Fazit. „Wenn Stadt und Hochschule gemeinsam an Projekten arbeiten, entsteht genau die positive Energie, die wir für eine nachhaltige, lebenswerte Stadt brauchen.“

Für Heilbronn ist der Titel European Green Capital 2027 dabei mehr als ein Etikett. Er ist, wenn man Ringle zuhört, der nächste logische Schritt einer Stadt, die sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten vom Industriestandort zur Wissensstadt entwickelt hat. Und die jetzt, ganz offenbar, lieber Bertha sein will als Wilhelm.

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