Von Redaktion, Fotos: Spitzensport-Stipendium & privat
Morgens um sechs die Laufschuhe, tagsüber der Bildungscampus, abends nochmal eine Einheit. Annika Müller studiert im ersten Semester Sportmanagement an der DHBW Heilbronn, trainiert für nationale Wettkämpfe und arbeitet in ihrer Praxisphase beim Deutschen Alpenverein. Ein Jahr lang hatte sie mit einem Sportstipendium in den USA studiert. Dann entschied sie sich für Heilbronn.
Wer Annika Müller nach ihrem Tagesablauf fragt, bekommt keinen Stundenplan, sondern ein Puzzle. Die Theoriephasen an der DHBW seien intensiv, das Tempo hoch, erzählt die Läuferin im Interview mit der DHBW Heilbronn. Und weil sich der Vorlesungsrhythmus nicht nach Trainingszeiten richtet, muss sie flexibel sein. „Viele Trainingsbestandteile kann ich je nach Tagesplan jederzeit einbauen, egal, ob um 6 Uhr morgens oder um 20 Uhr abends“, sagt sie im Interview.
Als Individualsportlerin brauche sie im Grunde nur ihre Laufschuhe, kein aufwendiges Equipment, keine Teamabsprachen. Seit über sieben Jahren arbeitet sie mit Trainerin Tanja Hellmann zusammen, bei der LG Rülzheim in der Pfalz, wo sie herkommt.

Von Missouri nach Heilbronn
Bevor Müller an die DHBW kam, hatte sie ein Jahr lang mit einem Sportstipendium an der Missouri Western State University in St. Joseph studiert. Die Bedingungen dort beschreibt sie im Interview als professionell: eigene Sportstätten, Physiotherapie, Kraftraum, Trainer direkt auf dem Campus. Trainiert wurde teils zweimal täglich, mit nur einem Ruhetag pro Woche. Wettkämpfe fanden praktisch das ganze Jahr über statt, von Cross über Halle bis zur Outdoor-Saison.
Was sie mitgenommen hat: die Erfahrung, dass sich Laufen immer wieder neu entdecken lässt. Die Herausforderungen lagen eher im Persönlichen, sagt sie. Die Umstellung auf eine andere Sprache, eine neue Kultur. Und Phasen von Heimweh.

Danach die bewusste Entscheidung für ein duales Studium in Heilbronn. „Schnell war mir klar, dass es eine besondere Herausforderung sein würde, Studium, Beruf und meine Entwicklung als Leistungssportlerin erfolgreich zu vereinen“, sagt sie laut DHBW-Pressemitteilung.
Praxisphase beim Alpenverein
Ihre Praxisphase absolviert Müller bei der DAV-Sektion Heilbronn, einer der größten Sektionen in Deutschland mit rund 19.000 Mitgliedern. In der Geschäftsstelle übernimmt sie redaktionelle Aufgaben für die Vereinszeitung „Heilbronner Weg“, unterstützt bei Finanzierungsanträgen und arbeitet im Mitgliedermanagement. Dazu ist sie regelmäßig in der Kletterarena im selben Gebäude unterwegs.
Dass es funktioniert, liegt auch am dualen Partner. Die Arbeitszeiten seien flexibel und gut mit ihren Trainingszeiten vereinbar, sagt sie im Interview. „Ohne diese Rücksichtnahme wäre die Kombination aus Spitzensport und Studium deutlich schwieriger.“
Platz zehn bei den Deutschen Hochschulmeisterschaften
Müller startet über 3.000, 5.000 und 10.000 Meter, dazu im Crosslauf, auf der Straße und bei Berglaufmeisterschaften. Ihr größtes Potenzial sieht sie aktuell auf der 5-Kilometer-Distanz. Persönliche Bestzeit: 19 Minuten und 10 Sekunden.

Bei den Deutschen Hochschulmeisterschaften Mitte Februar in Erfurt belegte sie über 3.000 Meter Platz zehn in 11:05 Minuten. „Dass ich als DHBW-Studentin an solchen Meisterschaften teilnehmen kann, ist für mich eine besondere Motivation“, sagt sie.
Was Erfolg für sie bedeutet? Mehr als eine Zeit oder eine Platzierung, sagt Müller. „Besonders wertvoll sind gute Rennen nach längeren Pausen, zum Beispiel nach Verletzungen.“ Dann wieder an der Startlinie zu stehen und eine gute Leistung abzurufen, fühle sich wie ein doppelter Erfolg an.
„Gesundheit ist ein großes Gut“
Zwei Brüder hat sie, 15 und 18, beide ebenfalls Läufer. Die Familie unterstützt sie seit der Kindheit, mit sechs Jahren hat sie angefangen. Am wichtigsten aber, sagt Müller zum Schluss des Interviews, sei es, gesund zu bleiben. „Spitzensport ist ein langfristiges Projekt. Nur wenn man gut auf sich achtet, kann man über viele Jahre leistungsfähig bleiben.“ Auf den Körper hören, Erholungsphasen ernst nehmen, nicht dauerhaft im Defizit leben. Es ist ein Satz, der über den Sport hinaus gilt.