Von Redaktion, Foto: Stadt Heilbronn/Klöppel
Eine Wasserorgel aus Flaschen, ein blau getauchter Unterwasserraum und ein Scanner für den eigenen Konsum: Die H2Oho!-Ausstellung im Museum im Deutschhof macht Wasser erfahrbar. Bis zum 14. März 2027 verbindet sie die Geschichte der Heilbronner Wasserversorgung mit Fragen der Zukunft. Passend dazu trägt Heilbronn 2027 den Titel Grüne Hauptstadt Europas.
Wasser begleitet den Alltag ständig. Aufmerksamkeit bekommt es meist erst, wenn es zum Problem wird. Genau dort setzt eine neue Ausstellung in Heilbronn an.
Seit dem 29. Juli ist im Museum im Deutschhof die Schau »H2Oho!« zu sehen. Sie fragt, wie wertvoll die Ressource ist, welche Kraft sie entwickeln kann und wie ein nachhaltiger Umgang aussehen könnte. Dabei verbindet sie globale Zusammenhänge mit der Geschichte der Stadt. Auch der Grüne-Hauptstadt-Pokal steht im Museum.

Von der Holzleitung zur Schwammstadt
Gerade in Heilbronn lässt sich nachvollziehen, wie eng Wasser und Stadtentwicklung zusammenhängen. Die Ausstellung zeichnet die Entwicklung der örtlichen Wasserversorgung nach, von den ersten hölzernen Leitungen im 16. Jahrhundert bis zur heutigen Trinkwasserversorgung. Zugleich richtet sie den Blick nach vorn. Wie können Städte mit den Folgen des Klimawandels umgehen? Welche Rolle spielt Wasser dabei? Und was steckt hinter Konzepten wie der Schwammstadt?
Der Ton bleibt dabei bewusst offen. »Wir wollen keine apokalyptischen Zukunftsszenarien an die Wand werfen«, sagt Birgit Hummel, stellvertretende Leiterin der Städtischen Museen Heilbronn. Vielmehr gehe es darum, Herausforderungen sichtbar zu machen und Wasser aus unterschiedlichen Perspektiven neu zu entdecken.
Zwischen Naturgewalt und Wasserorgel
Das beginnt mit der Kraft des Elements. Großformatige Videosequenzen zeigen Sturmfluten und Hochwasser, daneben beinahe meditative Wasserlandschaften. Von dort führt der Weg in Neptuns Wasserwelt. Ein vollständig in Blau gestalteter Raum lässt eine Unterwasserlandschaft entstehen und nähert sich dem Thema über Geschichten, Hörstationen und spielerische Elemente.
Zu den ungewöhnlichsten Stationen zählt eine Wasserorgel. Unterschiedlich geformte Flaschen mit farbiger Flüssigkeit werden dabei zu Instrumenten. In der richtigen Kombination lässt sich sogar die Melodie des Kinderlieds »Fünf kleine Fische« spielen.
Solche Mitmachangebote ziehen sich durch die gesamte Schau. Besucherinnen und Besucher erfahren unter anderem, warum Meerwasser salzig ist, wie Wolken und Wellen entstehen und welche Eigenschaften Wasser besitzt. Der Bogen reicht von Wassergottheiten und Seeungeheuern über Naturphänomene bis zum Weg des Trinkwassers vom Wasserwerk über den heimischen Hahn ins Klärwerk.

Wie viel Wasser in einer Jeans steckt
Unmittelbar wird das Thema beim eigenen Konsum. An einer Station lassen sich Alltagsprodukte scannen. Sichtbar wird dabei, dass der persönliche Verbrauch nicht beim Duschen, Kochen oder Zähneputzen endet. Auch für Lebensmittel, Kleidung und andere Produkte wird Wasser benötigt, häufig weit entfernt vom späteren Verkaufsort. Eine Jeans oder Mandeln zum Backen bekommen so eine zweite, zunächst unsichtbare Dimension. Die Ausstellung will damit für bewusstere Konsumentscheidungen sensibilisieren und regionale Produkte stärker in den Blick rücken.
Trotz der ernsten Fragen bleibt die Schau eine zum Ausprobieren. Eine immersive Gestaltung, multimediale Inszenierungen und zahlreiche Mitmachstationen sollen Wasser nicht nur erklären, sondern erlebbar machen. Die Städtischen Museen setzen damit ihre Reihe interaktiver Ausstellungen zu gesellschaftlich relevanten Themen fort.
Ideen aus der Stadtgesellschaft und ein Begleitprogramm
Wissen vermitteln ist dabei nur die eine Seite. Unter dem Motto »So geht Wasser gut« können Gäste eigene Erfahrungen und Ideen einbringen. Vereine, Initiativen sowie städtische und kulturelle Akteure beteiligen sich ebenfalls. So entsteht ein Forum für unterschiedliche Perspektiven.
Auch außerhalb der Ausstellungsräume geht es weiter. Zum Begleitprogramm gehören eine öffentliche Besichtigung der Heilbronner Schleuse am 23. August und eine Modenschau der Akademie für Kommunikation bei der Langen Nacht der Kultur am 10. Oktober. Am 10. November spricht Stadtwerke-Geschäftsführer Erik Mai über aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen der regionalen Wasserversorgung.
Die Ausstellung auf einen Blick
Zu sehen ist »H2Oho!« im Museum im Deutschhof, Deutschhofstraße 6 in Heilbronn, noch bis zum 14. März 2027. Geöffnet ist dienstags von 10 bis 19 Uhr sowie mittwochs bis sonntags und an Feiertagen von 10 bis 17 Uhr, montags bleibt das Haus geschlossen. Der Eintritt kostet 6 Euro, ermäßigt 4 Euro, die Familienkarte 12 Euro. Kinder bis einschließlich sechs Jahre kommen kostenfrei hinein.