Der wiedergewählte Rektor Oliver Lenzen über die Ausrichtung der Hochschule Heilbronn

Oliver Lenzen startet in eine zweite sechsjährige Amtszeit: Im Interview spricht der 62-Jährige über sinkende Bewerberzahlen, vom positiven Nebeneffekt des Cyberangriffs und darüber, welche Rolle Künstliche Intelligenz an der HHN spielt.

Von Lisa Könnecke, Foto: Nico Kurth

Oliver Lenzen startet in eine zweite sechsjährige Amtszeit: Bei der Wahl des Rektors für die Hochschule Heilbronn (HHN) Ende April setzte er sich gegen eine weitere Mitbewerberin durch und gewann bereits im ersten Wahlgang mit absoluter Mehrheit. Im Interview erklärt der 62-Jährige, wie er sinkenden Bewerberzahlen entgegensteuern will, welchen positiven Nebeneffekt der Cyberangriff hatte und welche Rolle Künstliche Intelligenz an der HHN spielt.

Erstmal herzlichen Glückwunsch zur Wiederwahl. Wurde gefeiert?

Oliver Lenzen: Vielen Dank. Und nein. Ich hatte noch im Wahlgremium gesagt: Jetzt fangen wir wieder an zu arbeiten. Ich halte das immer für das Beste, dass man einfach weitermacht.

Haben Sie in den vergangenen sechs Jahren ein Highlight, auf das Sie zurückblicken?

Lenzen: Es gab eine ganze Reihe von Highlights. Zum Beispiel hatten wir vor dem Cyberangriff vergangenen Oktober eine Professur für Cybersicherheit ausgeschrieben. Die Stelle wurde mit Professor Andreas Kurtz besetzt und wenige Tage später gab es den Angriff. Das heißt, er konnte sofort damit beginnen, seine Expertise in die Hochschule einzubringen. Das hat uns sehr geholfen

Ist normales Arbeiten an der HHN wieder möglich?

Lenzen: Ja, auch Homeoffice ist seit einigen Wochen wieder möglich. Im Nachhinein muss man sagen, dass der Vorfall gar nicht so schlecht war. Natürlich wünscht man sich so etwas nicht, aber dadurch hat es nochmal einen Ruck gegeben. Wir machen alles, was wir sowieso vorhatten, nur schneller. Zum Beispiel haben wir eine Multi-Faktor-Authentifizierung eingeführt. Aber: Wir wollen nicht Fort Knox sein (Anmerkung der Redaktion: Fort Knox ist ein Lager für die Goldreserve des Schatzamtes der Vereinigten Staaten). Wir sind eine öffentliche Einrichtung, können und möchten auch niemanden aussperren. Deshalb ist das Infektionsrisiko mit Viren auch größer als anderswo.

Auf Digitalisierung und Internationalisierung wollen Sie künftig Ihren Fokus legen. Können Sie das weiter erläutern?

Lenzen: Um Digitalisierung kämpfen wir alle – wir versuchen, die Prozesse digitaler zu gestalten. Zum Beispiel Bewerbungsverfahren zu vereinfachen. Und zur Internationalisierung haben wir schon immer eine gute, lange Tradition. Wir haben Studierende aus über 90 Nationen hier. Das wollen wir halten und forcieren. Wo wir den Regler noch hochdrehen wollen, ist die Anzahl der Studierenden. 

Wie will die HHN künftig zurückgehenden Bewerberzahlen entgegensteuern?

Lenzen: Das ist ein großes Problem, nicht nur in Baden-Württemberg, auch deutschlandweit. Es geht ja insbesondere um die Schülerinnen und Schüler, die wir erreichen wollen. Dazu gibt es an der HHN viele Veranstaltungen wie unsere Schüleruni oder den Techday. Außerdem wollen wir weiter auf Internationalisierung setzen. So wie es Firmen machen. Wir heißen Fachkräfte aus dem In- und Ausland herzlich willkommen. Und wir wollen die Attraktivität, die wir als größte Hochschule in Baden-Württemberg zweifelsohne haben, ausbauen. Zum Beispiel werden wir jeden unserer rund 60 Studiengänge untersuchen. Wie sie ankommen, wo wir nachsteuern oder Synergien bilden müssen.

Welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz in der HHN?

Lenzen: Wir haben die Forschung zur KI in die Region gebracht, jetzt wollen wir die Künstliche Intelligenz noch mehr in die Lehre bringen. Zum Beispiel werden wir einen Bachelor- und Masterstudiengang rund um KI in die Welt setzen. Außerdem ist eine Professur ausgeschrieben, die ethische Fragestellungen behandeln wird. Auch die Gründung einer Ethikkommission steht im Raum. Das braucht man nicht nur rund um KI-Themen, sondern sobald man am Menschen forscht: Jede Umfrage hat eine ethische Relevanz.

Wo sehen Sie derzeit die größte Herausforderung in der HHN?

Lenzen: Ich will es mal positiv formulieren: Wir sind als kulturelle Einrichtung dazu da, rechtzeitig die richtigen Weichen zu stellen und die Studierenden auf die Zukunft vorzubereiten. Die andere Herausforderung ist, als Arbeitgeber zu wirken. Wir haben 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, 200 Professorinnen und Professoren, 300 Lehrbeauftragte, also gut 1000 Menschen, denen wir Lohn und Brot geben. Ich spüre als Einrichtungsleiter eine Verantwortung, die HHN zukunftssicher zu gestalten.

Akademische Laufbahn

Seit 2007 ist Oliver Lenzen Professor für Konstruktion und Maschinenelemente an der Hochschule Heilbronn (HHN), davon war er sechs Jahre Dekan der Fakultät Mechanik und Elektronik. Im Frühjahr 2016 wurde er Prorektor für Forschung und Transfer, anschließend ist er im Juni 2017 zum Rektor der HHN gewählt worden.

Zuletzt hatte es Spannungen in der Fakultät International Business gegeben. Die Hälfte der Fakultät schaue sich anderweitig nach Stellen um, hieß es gegenüber unserer Zeitung. Oliver Lenzen dagegen betont, dass man an der Hochschule eine lebendige Diskussionskultur schaffen wolle und es wichtig sei, nicht übereinander, sondern miteinander zu reden.

Mit freundlicher Genehmigung der Stimme Mediengruppe & der Heilronner Stimme