Dr. Viola Hoffmann – Pionierin der Nachhaltigkeit und Wissenschaftskommunikation bei der experimenta“

Treffen Sie Dr. Viola Hoffmann, die Nachhaltigkeitskoordinatorin bei der experimenta in Heilbronn. Mit ihrem Fokus auf Wissenschaftskommunikation und nachhaltige Entwicklung verändert sie die Perspektive der Stadt auf die Zukunft.

Von Robert Mucha, Foto: Privat

Steckbrief:

Name: Viola Hoffmann

Alter: 33

Akademischer Grad: Dr.

Aktuelle berufliche Position: Nachhaltigkeitskoordinatorin

Branche oder Fachbereich: experimenta/Wissenschaftskommunikation

Arbeitserfahrung (insgesamt und in der aktuellen Position): 7 Jahre, aktuell 4 Jahre

Veröffentlichungen und Forschungsschwerpunkte: Zu finden unter https://www.linkedin.com/in/drviolahoffmann/ oder bei “ResearchGate“: https://www.researchgate.net/profile/Viola-Hoffmann-3

Auszeichnungen und Preise:  Stipendium der Landesgraduiertenförderung Baden-Württemberg für die Promotion

Familiärer Hintergrund (verheiratet, Kinder): Mein Partner und ich haben zwei Kinder

Freizeitinteressen: Klettern, Yoga, Reisen, Zeit mit der Familie und Freunden

Lieblingsbuch: Immer mal wechselnd. Aktuell: „Die Geschichte der Bienen“ von Maja Lunde

Buchempfehlung: Rob Hopkins mit dem Titel „From What Is to What If: Unleashing the Power of Imagination to Create the Future We Want“

Lieblingsfilm oder -serie: Der Gesang der Flusskrebse

Musikalischer Geschmack: Indie Folk, Ska, Rock, Cumbia, Salsa, Champeta, Electronic, Reggae (je nach Stimmung)

Lieblingsort oder -stadt: Da kann ich mich nicht festlegen, viele Orte

Lieblingsgericht oder -restaurant: Indische Küche und Sushi

Inspirierende Personen oder Vorbilder: Maja Göpel

Ein Zitat fürs Leben: „Lächle und die Welt verändert sich“

Meine Vision für die Wissensstadt Heilbronn: Heilbronn hat unglaublich viel Potenzial als Wissens- und Bildungsstadt – ich denke, in einigen Jahren wird der Name Heilbronn bundes- und weltweit mit Innovation, Wissenschaft und Bildung auf höchstem Niveau und Zukunftsfähigkeit verknüpft sein.

Fragebogen: 

Bitte beschreibe dich kurz in eigenen Worten.

Ambitioniert, energiegeladen, empathisch.

Was ist dein akademischer/beruflicher Hintergrund?

Umweltingenieurwesen (Master) und Bioökonomie (Promotion)

Was hat dich motiviert, dich für eine Karriere in der Wissenschaft/Forschung/Wirtschaft/Bildung zu entscheiden?

Mir hat das Studium und das wissenschaftliche Arbeiten immer sehr viel Spaß gemacht und ich habe nach meinem Masterabschluss gezielt nach einer Möglichkeit gesucht, noch eine Weile an der Uni zu bleiben. Das Thema meiner Promotion war ausgeschrieben und passte sehr gut zu meinem Thema in der Masterarbeit. Generell hat es mich immer begeistert, wie viele Freiheiten man an der Uni hat, an Themen zu arbeiten, die einen wirklich interessieren. Außerdem gibt es viele Möglichkeiten, ins Ausland zu gehen und mir hat auch das internationale Umfeld an der Uni immer sehr gefallen.

Wie hast du die Gleichstellung von Frauen in deinem Fachbereich erlebt?

In meinem Fachbereich gibt es immer noch wenig Frauen. Meine Erfahrung ist, dass bisher das Geschlecht eigentlich keine Rolle spielte.

Wurden dir aufgrund deines Geschlechts Hindernisse oder Herausforderungen in deiner Karriere gestellt?

Nein.

Was ist dein größter Karriere-Erfolg bisher?

Der Abschluss meiner Promotion und die Organisation der Wild Spaces, des ersten Nachhaltigkeitsfestivals der experimenta im vergangenen Jahr.

Wie gehst du mit den gängigen Karriereklischees zwischen Männern und Frauen um?

Mir sind tatsächlich nicht so viele begegnet, vielleicht habe ich sie aber auch ausgeblendet.

Welche Rolle spielt die Work-Life-Balance in deiner Karriere?

Eine sehr große Rolle. Mir ist es wichtig, Prioritäten zu setzen. Ich denke, je ausgeglichener man ist, umso besser und effizienter kann man auch seine Arbeit erledigen. Dafür sollte man sich zwischendurch auch Zeit zum Auftanken der Kräfte nehmen.

Welche Tipps hast du für junge Frauen, die eine Karriere in der Wissenschaft/Forschung/Wirtschaft/Bildung anstreben?

Lasst euch nicht entmutigen! Die Grenzen der anderen sind nicht eure Grenzen. Mir wurde oft der Eindruck vermittelt, Studium und Promotion mit Kind wären nicht machbar. Doch, es geht. Oder oft wird man mit Meinungen konfrontiert wie „Eine Promotion lohnt sich nicht“. Meiner Meinung nach sollte man die Dinge sowieso nie tun, weil sie sich lohnen könnten oder nicht, sondern weil man ein intrinsisch motiviertes Interesse oder eine Begeisterung für ein Thema oder eine Sache hat. Alles andere ergibt sich dann schon.

Welche Hürden musstest du überwinden, um deine aktuelle Position zu erreichen?

Das schließt sich ein bisschen an die vorherige Frage an. Wenn die Arbeit Spaß macht, sind es so gesehen gar keine Hürden.

Wie hast du dich gegen diskriminierende Verhaltensweisen und sexistische Bemerkungen gewehrt?

Damit habe ich bisher keine Erfahrungen gemacht.

Was sind deine Zukunftspläne für deine Karriere?

Das Nachhaltigkeitsmanagement der experimenta voranzubringen und die Wild Spaces in den kommenden Jahren als DAS Nachhaltigkeitsfestival zu etablieren.

Was würdest du ändern, wenn du die Chance hättest, die Geschichte der Frauen in der Wissenschaft/Forschung/Wirtschaft/Bildung neu zu schreiben?

Auf jeden Fall hätte ich als Allererstes Frauen von Anfang an den Zugang zu Forschungseinrichtungen und Hochschulen ermöglicht. Dies ist leider in einigen Teilen der Welt selbst heute noch nicht gegeben.

Was inspiriert dich, in deinem Fachbereich zu bleiben und weiterzumachen?

Die Freude an der Arbeit, die netten KollegInnen, das vielfältige Team und vor allem das Gefühl, einer für die Gesellschaft sinnvollen Tätigkeit nachzugehen.

Wie schätzt du die Zukunft für Frauen in der Wissenschaft/Forschung/Wirtschaft/Bildung ein?

Besser als vor 100 Jahren, aber noch nicht gut genug. Sobald Frauen Mütter werden, ist es in der Wissenschaft nach wie vor sehr schwer dranzubleiben. Allerdings aufgrund struktureller Gegebenheiten, und nicht aufgrund der Unfähigkeit der Mütter weiter wissenschaftlich zu arbeiten.

Welche Projekte hast du in der Pipeline und welchen Impact sollen sie haben?

Die beiden größten Projekte sind das Nachhaltigkeitsmanagement der experimenta auf- und auszubauen sowie die Organisation des Nachhaltigkeitsfestivals Wild Spaces im Juli 2024. Mit dem Festival möchten wir viele neue Denkanstöße und Inspiration für eine nachhaltigere Zukunft geben und neue Netzwerke spannen.

Wie wichtig ist es für dich, als Vorbild für junge Frauen zu fungieren?

Ich hätte mir selbst manchmal mehr „Role Models“ gewünscht, die meinen Weg vorgegangen sind. Also insofern ist es mir schon wichtig, junge Frauen zu bestärken und eventuell Vorbild zu sein.

Was ist dein Rat an Frauen, die mit dem Gedanken spielen, eine Karriere in der Wissenschaft/Wirtschaft zu beginnen?

Lasst euch nicht entmutigen, und einfach „Machen!“. Wenn euch Forschung und ein Thema begeistern, ist es der richtige Weg. Alle externen und strukturellen Hürden lassen sich lösen.

Was würdest du gerne anderen Frauen mit auf den Weg geben, die sich in der gleichen Situation befinden wie du?

Wir müssen noch mehr einfordern, die Gesellschaft und Arbeitswelt so zu gestalten, dass wir als Frauen unser volles Potenzial ausschöpfen können. Und wir sollten uns mehr vernetzen – oft neigen wir dazu, alles allein schaffen zu wollen. Wenn wir uns vernetzen und unterstützen, ist vieles einfacher möglich.

Welche Fähigkeiten sind für dich besonders wichtig in deiner Karriere?

Durchhaltevermögen, Flexibilität, Multi-Tasking und effizientes Arbeiten.

Wie hast du dich weitergebildet und dich auf neue Herausforderungen vorbereitet?

Neben der Promotion war ich Teil eines Graduiertenprogrammes, in dem es Workshops und Trainings zu unterschiedlichen Themen wie Soft Skills und Kommunikation gab. Das war echt super.

Hast du in deiner Karriere eine Mentorin oder jemanden, der dich unterstützt hat?

Immer mal wieder verschiedene Personen, ob privat oder im beruflichen Umfeld.

Wie hast du dich gegenüber Konkurrenten behauptet, insbesondere gegenüber männlichen Kollegen?

Ich denke, da spielt das Geschlecht nicht unbedingt eine Rolle, aber generell kann man sich in der Wissenschaft und in der Forschung recht schnell und einfach behaupten, wenn man einfach fakten- und datenbasiert argumentiert. Allerdings ist es wichtig, sich nicht zurückzuhalten. Männer tendieren eventuell aufgrund von vorgelebten Rollenbildern eher dazu, schneller und forscher das Wort zu ergreifen, auch wenn sie sich nicht hundertprozentig sicher sind. Davon sollte man sich nicht einschüchtern lassen und sich vor allem nicht zurückhalten, sondern genauso schnell und forsch mitreden.

Gibt es ein Ereignis in deinem Leben, das deine Karriere oder deine Sichtweise auf deine Arbeit maßgeblich verändert hat?

Die Geburt meiner Kinder. Die Verantwortung, die damit einhergeht, relativiert so manche Herausforderung im Job.

Welches war das lustigste/seltsamste Vorurteil oder Klischee, dem du während deiner Karriere begegnet bist?

Es ist immer wieder spannend, wie sehr sich tradierte Rollenbilder noch immer halten und Frauen fast immer ein Jahr Elternzeit nehmen, während die Väter die obligatorischen zwei Monate zu Hause bleiben. Oftmals wird argumentiert, dass nur die Mutter sich richtig um den Nachwuchs kümmern kann. Das stimmt nicht. Mein Partner und ich haben es bei beiden Kindern ausprobiert und es funktioniert auch anders. Allerdings müssen das natürlich beide Partner wollen, und man muss die Vorurteile ignorieren – da begegnen die Väter ja häufig noch viel Druck und Vorurteilen, wenn sie sich entscheiden, länger aus dem Job auszuscheiden, um für die Familie da zu sein.

Wie fühlst du dich, wenn du als “weiblicher Wissenschaftler/Forscher/Wirtschaftsführer/Pädagoge” bezeichnet wirst, anstatt einfach nur als “Wissenschaftler/Forscher/Wirtschaftsführer/Pädagoge”?

Gegenfrage an alle „männlichen Forscher/Wissenschaftler/Pädagogen“. Wie fühlt ihr euch, wenn wir euch ab jetzt immer mit Wissenschaftlerin, Forscherin, Wirtschaftsführerin/Pädagogin bezeichnen? Wandel fängt bei der Sprache an und es ist längst überfällig, eine gendergerechte Sprache zu etablieren, die alle abholt und nicht 50 Prozent der Gesellschaft vergisst.

Was möchtest du jungen Frauen sagen, die sich Sorgen machen, dass eine Karriere in der Wissenschaft/Forschung/Wirtschaft/Bildung ihr persönliches Leben beeinträchtigen könnte?

Natürlich wird eine Karriere in der Wissenschaft mit Einbußen im persönlichen Leben einhergehen, aber das tut eine Karriere ja meistens. Das Wichtigste ist meiner Meinung nach ein Partner mit dem man sich alles – also auch Sorgearbeit und die Belastung, die durch das Organisieren von Alltagsaufgaben entsteht – teilt. Und ein großes Netzwerk aus Familie, Freunden und Fremdbetreuung. Dann ist alles möglich.

Was ist eine Fähigkeit oder Eigenschaft, die du erst spät in deiner Karriere erkannt hast und die du für wichtig hältst?

Tatsächlich die Fähigkeit, sich selbst und die eigene Leistung ordentlich zu würdigen. Häufig unterschätzt man sein eigenes Potenzial, gerade als Frau.

Stand: Juli 2023