Von Redaktion, Foto:Fraunhofer IAO
Die Hitze der Klimakrise bedroht die tausendjährige Weinbautradition Heilbronns. Doch während die Temperaturen steigen, wächst im Schatten der Rebstöcke ein Netzwerk aus Sensoren heran. Im aktuellen Magazin „Thinking Data“ zeigt das Fraunhofer IAO, wie Tradition und Technologie in der ältesten Weinstadt Baden-Württembergs eine ungewöhnliche Allianz eingehen.
Zwischen den sanften Hügeln rund um Heilbronn gedeihen seit mehr als 1.200 Jahren aromatische Weine. Doch was passiert, wenn die Klimakrise die Temperaturen weiter in die Höhe treibt? Diese Frage treibt nicht nur die Winzer um, sondern auch die Forscher des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) in Heilbronn.
Im Projekt „wAInbau 4.0″ haben sich Winzer und Wissenschaftler zusammengetan, um den Weinberg der Zukunft zu vermessen. Mithilfe von Sensoren wollen sie herausfinden, wie der Klimawandel die Hanglagen verändert und was die Reben künftig brauchen, um hier glücklich zu sein. Wie genau das funktioniert, können Leser im Beitrag „Riesling trifft Rechner“ im aktuellen Jahresmagazin „Thinking Data“ des Forschungs- und Innovationszentrums Kognitive Dienstleistungssysteme KODIS nachlesen.
Aber nicht nur dem Wein widmen sich die Fraunhofer-Forscher. Im Herzen der Heilbronner Innenstadt steht ein anderes Traditionsstück vor einer digitalen Transformation: Krauss Elektronik, ein Fachhandel, der in diesem Jahr sein 100-jähriges Jubiläum feiert. Weit über die Stadtgrenzen hinaus ist der Familienbetrieb bei Handwerksleuten und Bastel-Begeisterten eine Legende – ein analoger Schatz in einer zunehmend digitalen Welt.
Gemeinsam mit den KODIS-Forschenden und dem Urban Innovation Hub arbeitet Krauss nun an Strategien, um dem qualifizierten Fachhandel trotz wachsender Online-Konkurrenz eine Zukunft zu geben. Die Reportage „Der Herr der Dinge“ erzählt diese Geschichte eines Traditionsunternehmens im digitalen Wandel.
Es sind solche Verbindungen zwischen Tradition und Innovation, die das Forschungszentrum KODIS seit seiner Gründung im Jahr 2019 prägen. Ob im Projekt „SOW“, das Unternehmen bei der Entwicklung neuer Produkte oder Geschäftsmodelle unterstützt, oder in den KI-gestützten Projekten „aideation“ und „SPIDERWISE“, die die Innovationskraft von Unternehmen stärken sollen – stets geht es darum, Bewährtes nicht zu verwerfen, sondern zukunftsfähig zu machen.
Für Unternehmen, die bei diesem Wandel Unterstützung suchen, gibt es bereits heute das Kompetenzzentrum Smart Services als Anlaufstelle. Und es soll nicht dabei bleiben: „Insgesamt sieben weitere Forschungs- und Innovationszentren wird die Fraunhofer-Gesellschaft innerhalb der kommenden Jahre auf dem Bildungscampus in Heilbronn auf den Weg bringen“, kündigen die KODIS-Leiter Bernd Bienzeisler und Jens Neuhüttler an.
Es ist eine bemerkenswerte Entwicklung für eine Stadt, die viele noch immer primär mit Wein und Industrie verbinden. „Die Chancen stehen also gut, dass eine der ältesten Weinbauregionen Deutschlands wieder einmal mit Innovationen Geschichte schreibt“, meinen die Forschungsleiter.
Das Magazin „Thinking Data 2025″ gibt es sowohl digital als auch als Printausgabe. Wer ein gedrucktes Exemplar erhalten möchte, kann sich per E-Mail an kodis@iao.fraunhofer.de wenden und so einen tieferen Einblick in jene Forschung gewinnen, die Heilbronn schrittweise in einen Hotspot für angewandte Wissenschaft verwandelt.
Während andernorts noch über die digitale Transformation debattiert wird, werden in Heilbronn bereits Sensoren in Weinberge gepflanzt und hundertjährige Familienunternehmen neu erfunden. Es ist ein stiller, aber tiefgreifender Wandel, der hier stattfindet – und vielleicht schmeckt man ihn eines Tages sogar im Wein.