Von Redaktion, Foto: Joint Innovation Hub
Bei der ExperimentierMahlZeit in Heilbronn zeigen Experten, was passiert, wenn künstliche Intelligenz eigenständig Entscheidungen trifft – „AI that Does“ statt „AI that Helps“
Es ist ein feiner, aber entscheidender Unterschied: KI, die hilft, und KI, die handelt. Maternus Herold vom TransferLab des appliedAI Institute for Europe brachte es bei der ExperimentierMahlZeit des Joint Innovation Hub (JIH) auf eine Formel: der Übergang von „AI that Helps“ zu „AI that Does“, wie der JIH in seiner Mitteilung zitiert.
Am 14. Oktober trafen sich Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft am Bildungscampus Heilbronn – und virtuell via Teams –, um über agentische KI zu diskutieren. Das sind laut JIH-Mitteilung „KI-Systeme, die eigenständig Ziele verfolgen, Entscheidungen treffen und Aktionen ausführen können, um Ziele in einer spezifischen Umgebung zu erreichen, oft unter Nutzung anderer KI-Dienste oder digitaler Werkzeuge.“
Steffen Staab von der Universität Stuttgart war dabei, Daniel Höfs und Maximilian Barghoorn von der GEMÜ Gebrüder Müller Apparatebau GmbH auch. Sie beleuchteten laut JIH „die gegenwärtigen Möglichkeiten wie auch die künftigen Chancen und Herausforderungen“ dieser neuen KI-Generation.
Die praktischen Fragen
In der Diskussion ging es konkret zu: Einsatzbeispiele in der betrieblichen Praxis, Nutzungsszenarien in der universitären Forschung, Erwartungen für die nähere Zukunft. „Insbesondere die erforderlichen Anpassungen digitaler Schnittstellen und die bestehenden Abhängigkeiten von Anbietern großer Sprachmodelle wurden dabei adressiert“, heißt es in der Mitteilung.
Es sind die Fragen, die sich stellen, wenn KI nicht mehr nur Vorschläge macht, sondern selbst aktiv wird: Wer trägt die Verantwortung? Wie viel Autonomie ist gewünscht? Welche Schnittstellen braucht es?
„Welchen Mehrwert der Einsatz agentischer KI schon heute bieten kann, wurde mehr als deutlich“, schreibt der JIH. Die „Diskussionsfreude der vor Ort und virtuell Teilnehmenden“ habe unter Beweis gestellt, „dass das Thema Agentische KI für Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft von größter Aktualität ist“.
Heilbronn als Experimentierfeld
Die ExperimentierMahlZeit – der Name ist Programm. Es geht ums Ausprobieren, ums Testen, ums gemeinsame Nachdenken über das, was kommt. Der Joint Innovation Hub, eine Kooperation des Fraunhofer ISI mit regionalen Partnern, bringt dafür regelmäßig Akteure zusammen.
Dass das Thema „für den Joint Innovation Hub und dessen Partner und Kunden zunehmend relevant sein wird“, wie es in der Mitteilung heißt, überrascht nicht. Heilbronn mit seinem IPAI, mit KODIS, mit den vielen KI-Aktivitäten auf dem Bildungscampus ist prädestiniert für diese Diskussionen.
Auf dem Foto zur Veranstaltung ist auch Klaus Angerer zu sehen – er leitet das Heilbronn-Büro des Fraunhofer ISI. Mit Bhavesh Jain, Malte Busch und den anderen Referenten diskutierte er über die Zukunft einer Technologie, die gerade den Sprung vom Assistenten zum Akteur macht.
Es ist ein Sprung, der Fragen aufwirft. Technische, ethische, gesellschaftliche. Die ExperimentierMahlZeit zeigt: Heilbronn stellt sich diesen Fragen. Nicht abstrakt in Grundsatzpapieren, sondern konkret im Dialog zwischen Forschung und Praxis. Zwischen denen, die die Technologie entwickeln, und denen, die sie anwenden sollen. Zwischen „AI that Helps“ und „AI that Does“.