Von Redaktion, Foto: Ideogram/Robert Mucha
Der Juni 2025 war der heißeste in Europa seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Sarah Kaltenegger vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) analysiert in ihrem Blogbeitrag, wie zwischen Asphalt und Beton „Hitzeinseln“ entstehen und welche Konzepte Städte dagegen entwickeln.
Die Zahlen sind alarmierend: Mehr als 12 Millionen Menschen in deutschen Städten leben ohne ausreichenden Schutz vor Hitze. Dies geht aus dem aktuellen Hitze-Check der Deutschen Umwelthilfe (DUH) hervor, der die mangelnde Vorbereitung vieler Kommunen auf extreme Hitzeperioden kritisiert. Dabei sind die gesundheitlichen Risiken erheblich – besonders für ältere Menschen, Kinder und Menschen mit Vorerkrankungen.
In Städten verschärft sich die Problematik durch den sogenannten Hitzeinsel-Effekt. Asphaltierte Flächen und Betonbauten speichern die Wärme und geben sie nur langsam wieder ab. Die Folge: deutlich höhere Temperaturen als im Umland, oft auch in den Nachtstunden. Dies kann zu Hitzeschlägen, Kreislaufproblemen und einer Zunahme von Atemwegserkrankungen führen.
„Die Sommer werden heißer, das ist Fakt“, schreibt Sarah Kaltenegger vom Forschungsbereich „Stadtsystemgestaltung“ am Fraunhofer IAO in ihrem Blogbeitrag. Als Forscherin für urbane Resilienz verbindet sie technologische Innovation mit sozialer Verantwortung, um Städte widerstandsfähiger zu machen.
Das Fraunhofer IAO beobachtet, dass immer mehr Städte Strategien erarbeiten, um sich besser auf Hitzeextreme vorzubereiten. Ein zentrales Werkzeug sind kommunale Hitzeaktionspläne. Stuttgart geht mit gutem Beispiel voran. Der im Sommer 2025 veröffentlichte Hitzeaktionsplan bündelt rund 50 Maßnahmen, die die Stadt widerstandsfähiger gegen extreme Hitze machen sollen. Dazu gehören digitale Hitzekarten, Echtzeit-Warnsysteme und mobile Hitzeschutzangebote wie der Hitzebus des Roten Kreuzes. Über 115 öffentliche Trinkbrunnen und eine interaktive Karte mit „Kühlen Orten“ unterstützen die Bevölkerung an heißen Tagen.
In ihrer Analyse am Fraunhofer IAO hebt Kaltenegger auch die Rolle digitaler Technologien hervor. Im Rahmen von Smart-City-Strategien setzen viele Städte auf datenbasierte Entscheidungsgrundlagen, digitale Bürgerbeteiligung und smarte Infrastrukturen, um der Hitze entgegenzuwirken.
Eine langfristig wirksame Hitzevorsorge braucht jedoch mehr als nur einzelne Maßnahmen – sie muss strukturell in der Stadtverwaltung verankert werden. Die Fraunhofer-Expertin verweist auf internationale Vorbilder: Städte wie Los Angeles oder Athen haben bereits spezielle Zuständigkeiten wie „Chief Heat Officers“ geschaffen, um das Thema ressortübergreifend zu integrieren. Auch Stuttgart setzt auf klare Zuständigkeiten und interne Steuerungsprozesse.
Das Fraunhofer IAO unterstützt Städte mit konkreten Werkzeugen wie der „Urban Governance Toolbox“ aus dem Projekt „SMARTilienceGoesLive“, die zeigt, wie kommunaler Klimaschutz und kommunale Klimaanpassung wissenschaftlich fundiert gestaltet werden können.
Die Herausforderung bleibt bestehen, doch mit integrierten Konzepten, der Nutzung digitaler Möglichkeiten und einer klaren strukturellen Verankerung können Städte auch bei steigenden Temperaturen lebenswerte Orte bleiben – eine Überzeugung, die Sarah Kaltenegger und das Fraunhofer IAO mit ihrer Forschung zur urbanen Resilienz aktiv vorantreiben.