Von Redaktion, Foto: Ideogram / Robert Mucha
Mit „FeelGood@HHN“ will die HHN Studierende in schwierigen Phasen auffangen – ein anonymes Online-Tool, das zwischen Selbstreflexion und konkreter Hilfe vermittelt
15 Minuten für eine Standortbestimmung. So lange dauert es, die Fragen von FeelGood@HHN zu beantworten, dem neuen Reflexionstool der Hochschule Heilbronn. Es sind Fragen, die ans Eingemachte gehen: Wie steht es um die Selbstwirksamkeit? Klappt die Studienorganisation? Was sind die persönlichen Stärken?
Die Hochschule weiß, warum sie dieses Tool entwickelt hat. „Gerade in den ersten Semestern ist vieles neu, manchmal auch herausfordernd“, wird Ulrich Brecht, Prorektor für Studium und Lehre, in der HHN-Mitteilung zitiert. „Mit FeelGood möchten wir Studierenden ein Tool an die Hand geben, das dabei hilft die eigene Studiensituation zu reflektieren und passende Unterstützungsangebote der Hochschule zu finden.“
Es ist der Versuch, eine Brücke zu bauen zwischen denen, die Hilfe brauchen, und denen, die sie anbieten. Anonym und kostenlos, niedrigschwellig und digital. Vier Themenblöcke strukturieren die Selbstbefragung: Check-In, Selbsteinschätzung zum Studienstart, aktuelle Studiensituation, persönliche Ressourcen. Am Ende steht laut HHN „eine strukturierte, fundierte Rückmeldung mit Hinweisen zu Beratungsangeboten“.
Die unausgesprochene Wahrheit
Zwischen den Zeilen der Mitteilung steht eine unbequeme Wahrheit: Viele Studierende denken über Abbruch nach. Die Hochschule formuliert es vorsichtig – sie möchte „ein Angebot für all jene bieten, die sich mit dem Gedanken eines Studienabbruchs beschäftigen“. Dann der tröstende Nachsatz: „Kein Studium läuft reibungslos.“
Das ist mehr als PR-Sprache. Es ist die Anerkennung einer Realität, die lange verschwiegen wurde. Der neue Lebensabschnitt, von dem die HHN-Mitteilung spricht – „viele aufregende Möglichkeiten und Eindrücke, aber auch Herausforderungen“ – kann überwältigen. Allein in einer neuen Stadt, überfordert von der Stofffülle, unsicher über die eigene Zukunft.
Die Hochschule hat ein ganzes Arsenal an Unterstützungsangeboten: zentrale Studienberatung, Beratung zur Studienfinanzierung, Hilfe bei „herausfordernden Lebenslagen“. Es gibt spezielle Angebote für Studierende mit Pflegeverantwortung, mit Beeinträchtigung, für junge Eltern. Aber wie erreicht man die, die sich nicht trauen zu fragen?
Die digitale Beichte
FeelGood@HHN ist der Versuch einer Antwort. Ein digitaler Beichtstuhl, in dem man sich selbst gegenübersitzt. Keine Person, die einen bewertet, kein Amt, das einen registriert. Nur Fragen und die eigenen Antworten darauf.
Die Anonymität ist dabei kein Detail, sondern zentral. Wer gibt schon gern zu, dass er überfordert ist? Wer outet sich freiwillig als jemand, der Hilfe braucht? In einer Leistungsgesellschaft, in der Scheitern als persönliches Versagen gilt, ist die Hemmschwelle hoch.
Das Tool senkt diese Schwelle. Es macht aus der Krise einen technischen Vorgang: Fragen beantworten, Auswertung erhalten, Hilfsangebote finden. Keine Scham, kein Gesichtsverlust, keine peinlichen Gespräche.
Was fehlt
Ob das reicht? Die HHN betont, dass „an der HHN die Studierenden nicht alleine“ sind. Aber ein Online-Tool ist kein Mensch. Es kann nicht trösten, nicht motivieren, nicht wirklich zuhören. Es ist ein Wegweiser, mehr nicht.
Vielleicht ist das aber genau richtig für eine Generation, die mit digitalen Tools aufgewachsen ist. Die lieber googelt als fragt, lieber chattet als spricht. FeelGood@HHN trifft die Studierenden dort, wo sie sind: online, allein vor dem Bildschirm, auf der Suche nach Orientierung.
15 Minuten für eine Standortbestimmung. Das ist nicht viel. Aber manchmal reicht ein kleiner Anstoß, um den richtigen Weg zu finden. Oder zumindest zu erkennen, dass man nicht allein ist mit seinen Zweifeln. Auch wenn es nur ein Algorithmus ist, der das sagt.