Von Redaktion, Foto: RocketTutor
TUM-Alumni bringen ihre KI-gestützte Lernplattform an den Campus – Carsten Maschmeyer ist dabei, und die Geschichte eines Mitgründers zeigt, warum persönliche Förderung so wichtig ist
Die Geschichte von Yue Zhang könnte kitschig klingen, wäre sie nicht wahr: Als Kind zog er mit seiner Familie von Deutschland nach China, sprach kein Wort Chinesisch. Seine Großmutter, eine pensionierte Lehrerin, wurde seine persönliche Tutorin. Die Noten explodierten förmlich nach oben. Jahre später ist Zhang Mitgründer von RocketTutor – einer Plattform, die jedem Studierenden seinen eigenen KI-Tutor zur Seite stellt.
Am TUM Campus Heilbronn ist RocketTutor jetzt aktiv. Die Erstsemester im Bachelor Management & Data Science und im Master in Management bekommen einen Code und einen Link. Damit haben sie Zugang zu einem System, das rund um die Uhr verfügbar ist, Fragen in mehreren Sprachen beantwortet und individuelle Schwächen erkennt.
Der Investor aus dem Fernsehen
Den Durchbruch schafften die TUM-Alumni Yue Wu und Lionel Rühlemann in der „Höhle der Löwen“. Carsten Maschmeyer biss an – nicht nur finanziell, sondern laut TUM-Mitteilung auch als „erfahrener Berater und Inputgeber“. Mit im Gründerteam: Komaldeep Chahal, der in Indien bereits ein EdTech-Startup mit über 100.000 Nutzern aufgebaut hatte.
David Wuttke, Professor für Supply Chain Management am TUM Campus Heilbronn, hat die Implementierung vorangetrieben. „Diese neuartige KI-basierte Lerninnovation wird Bachelor-Studierenden im Bereich Management dabei helfen, ihre mathematischen Fähigkeiten zu stärken“, wird er in der Mitteilung zitiert.
In München läuft das Projekt parallel. Patricia Popp, Managerin der Abteilung für den Einsatz von KI, erklärt den Gedanken dahinter: „Wir haben uns überlegt, wie wir die bereits sehr gute Vorbereitung durch den Vorkurs in Mathematik sinnvoll ergänzen können. Mit der Lernplattform sind wir auf das perfekte Tool gestoßen.“ Die Professoren Jürgen Ernstberger und Martin Grunow sind mit an Bord.
Nachhilfe im eigenen Tempo
Was RocketTutor von klassischer Nachhilfe unterscheidet? Die Studierenden können in ihrem eigenen Tempo lernen – parallel zum Mathematik-Vorkurs oder danach. „So haben sie die Möglichkeit, ihre Kenntnisse in ihrem eigenen Tempo zu vertiefen“, betont Wuttke laut TUM.
Die Plattform ist kein Ersatz für menschliche Tutoren, das stellt die TUM klar. Es ist eine zusätzliche Lernmöglichkeit. Eine, die immer da ist, wenn man sie braucht. Die nachts um drei auf Chinesisch erklärt, warum eine Ableitung so funktioniert, wie sie funktioniert. Die nicht müde wird, wenn man zum zehnten Mal dieselbe Frage stellt.
Heilbronn positioniert sich mit solchen Projekten weiter als Bildungsstandort der Zukunft. Während nebenan der IPAI-Campus entsteht und der KI-Campus seine Lernangebote ausbaut, zeigt RocketTutor: KI in der Bildung muss nicht abstrakt sein. Manchmal ist es einfach eine Großmutter, die einem Chinesisch beibringt – nur eben digital und für alle.