Von Redaktion, Foto: TUM
Die Bewerbungsphase für ein ungewöhnliches Experiment zwischen Hochschule und Wirtschaft hat begonnen. Bis Ende November können sich Unternehmen und Studierende für die dritte Auflage der 1000+ Projektwoche der Technischen Universität München bewerben. Eine Woche lang lösen internationale Talente reale Unternehmensherausforderungen – mit erstaunlichen Ergebnissen.
Der Aufwand klingt überschaubar, der potenzielle Gewinn enorm: Eine Woche lang beherbergt ein Unternehmen bis zu fünf internationale Masterstudierende der TUM, die gemeinsam eine reale Unternehmensherausforderung bearbeiten. Kein abstraktes Planspiel, sondern ein konkretes Problem, für das die akademischen Frischlinge eine Lösung entwickeln.
Die TUM 1000+ Projektwoche, die vom 20. bis 24. April 2026 stattfinden wird, hat sich seit ihrem Start zu einer Art Speeddating zwischen Unternehmen und hochqualifizierten Talenten entwickelt. „Challenge-basiertes Lernen in interdisziplinären Teams vor Ort dient sowohl als Berufsvorbereitungsmaßnahme als auch als Marketinginstrument für Unternehmen“, beschreibt Prof. Oliver Hayden, Initiator des Projekts, die Win-win-Situation.
Auch der TUM Campus Heilbronn ist seit der ersten Stunde dabei. Bei der letzten Ausgabe im Januar 2025 öffneten bereits sechs regionale Unternehmen ihre Türen für insgesamt 17 Studierende: Bachert & Partner Unternehmensberatung, Bechtle, Blanc & Fischer Corporate Services, Blanco, Münzing Chemie und Schwarz IT. Eine beachtliche Quote für den noch jungen Heilbronner Campus – und eine, die weiter wachsen soll.
Die interdisziplinären Teams setzen sich aus Studierenden aller TUM-Fakultäten zusammen, von München bis Singapur. Die vergangene Runde vereinte junge Menschen aus verschiedensten Nationen, die in 40 Teams bei 35 Unternehmen hospitierten – von IT über Medizintechnik bis hin zu Banken und Versicherungen.
„Die beiden TUM-Studenten haben uns eine gute Infrastruktur geliefert, die wir nun ausbauen und tatsächlich nutzen können“, berichtet Business Consultant Inna Wallbaum, die das Projekt bei Schwarz IT betreute. Die Unternehmen profitieren nicht nur von frischen Ideen, sondern erhalten auch Zugang zu potentiellen künftigen Mitarbeitern – in Zeiten des Fachkräftemangels ein entscheidender Vorteil.
Auch auf Studierendenseite überwiegt die Begeisterung. „Dieses Programm war eine unglaubliche Gelegenheit, exklusive Einblicke in ein Chemieunternehmen zu gewinnen, ohne meinen vollen Universitätsalltag zu unterbrechen oder mich für ein sechsmonatiges Praktikum verpflichten zu müssen“, schildert Natalie Schürmann, Masterstudentin an der TUM School of Natural Sciences, ihre Erfahrungen bei Münzing Chemie. Neben technischem Fachwissen habe sie vor allem Soft Skills entwickelt – von Teamarbeit über Kommunikation bis zur Leitung produktiver Diskussionen.
Das langfristige Ziel des Programms ist ehrgeizig: 1000 TUM-Talente sollen an 200 Unternehmen vermittelt werden. Doch schon jetzt verbinden sich Wissenschaft und Wirtschaft auf eine erfrischend unkomplizierte Weise. Zur Abschlusspräsentation stellen die Studierenden ihre Lösung vor, während das Unternehmen seine eigene Herangehensweise offenlegt – ein Dialog auf Augenhöhe, von dem beide Seiten profitieren.
Unternehmen der Region, die beim nächsten Durchlauf dabei sein möchten, können sich noch bis Ende November bewerben. Eine Investition von einer Woche, die sich in Form von frischen Ideen, potentiellen Nachwuchskräften und einem privilegierten Zugang zum TUM-Netzwerk auszahlen könnte.