Von Redaktion, Fotos: HHN
Beim SportsTalk@HHN auf dem Bildungscampus sprach der ehemalige Geschäftsführer des 1. FC Köln über insolvente Drittligisten, emotionale Fans und die Frage, warum gute Geschäftszahlen im Fußball niemanden interessieren, wenn das Ergebnis nicht stimmt. Mehr als 100 Studierende kamen.
Ein Fußballmanager, der zuerst als Unternehmensberater gearbeitet hat. Der einen insolventen Drittligisten finanziell sanierte und danach im Aufsichtsrat der Deutschen Fußball Liga saß. Dr. Christian Keller hat einen Lebenslauf, der so gar nicht nach Kabine und Stollenschuhen klingt. Beim SportsTalk@HHN auf dem Bildungscampus in Heilbronn erzählte er mehr als 100 Studierenden, wie sein Arbeitsalltag als Fußballfunktionär tatsächlich aussah. Moderiert wurde der Abend von Prof. Dr. Fabian Brugger, Professor für Wirtschaftsrecht an der Hochschule Heilbronn und Initiator der Veranstaltungsreihe.

Vom Berater zum Clubchef
Keller studierte Außenwirtschaft an der Hochschule Reutlingen und beschäftigte sich bereits während des Studiums mit der wirtschaftlichen Funktionsweise von Fußballvereinen. Nach seiner Promotion an der Universität Tübingen begann er als Unternehmensberater, über diese Tätigkeit ergaben sich erste Kontakte in die Branche. Als ihm 2013 der Drittligist SSV Jahn Regensburg die Geschäftsführung und die sportliche Leitung anbot, zögerte er nicht. Der Club war zu diesem Zeitpunkt insolvent und vom Abstieg bedroht. Keller gelang es, den Verein finanziell zu stabilisieren und eine erfolgreiche Mannschaft aufzubauen. Der SSV Jahn stieg in der Folge wieder in die 2. Bundesliga auf, Keller leitete den Club bis 2021. Von 2022 bis 2025 arbeitete er als Geschäftsführer Sport beim 1. FC Köln und war parallel im Aufsichtsrat der DFL tätig.
Wenn Emotionen die Bilanz schlagen
Diesen Erfahrungsschatz teilte Keller laut einem Bericht der Hochschule Heilbronn auf unterhaltsame und anschauliche Weise mit dem Publikum. Neben der wirtschaftlichen Verantwortung für ein Unternehmen mit mehreren hundert Beschäftigten sei vor allem der emotionale Charakter des Fußballgeschäfts eine ständige Herausforderung gewesen. Oft habe es gegolten, sich nicht von den starken Emotionen der Fans oder der Mannschaft leiten zu lassen, sondern besonnen im Sinne des Vereins zu handeln. Kellers Fazit brachte das auf den Punkt: »Im Fußball zählt nur das sportliche Ergebnis. Wenn du ein wichtiges Spiel verlierst, interessiert sich niemand für gute Geschäftszahlen.«
Im Gespräch mit Professor Brugger verband er seinen Werdegang mit Anekdoten aus dem Fußball und praktischen Ratschlägen für die Studierenden. Seine solide betriebswirtschaftliche Ausbildung und sein Finanzwissen seien eine wichtige Grundlage gewesen, um erfolgreich einen Fußballclub zu managen, so Keller laut der Hochschule.
Messi oder Ronaldo?
In der anschließenden Diskussionsrunde ging Keller auf die Fragen des Publikums ein: Tipps zum Berufseinstieg im Sportbusiness, Buchempfehlungen und natürlich die ewige Streitfrage, ob Messi oder Ronaldo der bessere Fußballer ist. Bei Snacks und Getränken klang der Abend anschließend aus. Für die Hochschule Heilbronn war es ein weiterer Beleg dafür, dass der SportsTalk@HHN auf dem Bildungscampus längst mehr ist als eine Vortragsreihe: ein Format, das Praxis und Wissenschaft zusammenbringt und Studierenden zeigt, was hinter den Kulissen des Profisports tatsächlich passiert.