Von Redaktion, Foto: experimenta
Am 12. August schiebt sich der Mond vor die Sonne. Von Heilbronn aus sind knapp 90 Prozent der Sonnenscheibe verdeckt. Zur Sonnenfinsternis in Heilbronn öffnet die experimenta ihre Teleskope und beteiligt sich an der langen Nacht der Astronomie. In derselben Nacht folgt mit den Perseiden das nächste Himmelsereignis.
Wer die letzte totale Sonnenfinsternis über Deutschland gesehen hat, war 1999 dabei. Die nächste kommt am 3. September 2081. Dazwischen liegen mehr als zwei Generationen. Umso mehr Aufmerksamkeit bekommt der 12. August 2026.
An diesem Tag steht der Neumond exakt auf einer Linie zwischen Erde und Sonne. Sein Schatten trifft die Erde, die sich darunter hinwegdreht. In Teilen Europas ist dadurch erstmals seit 27 Jahren wieder eine totale Sonnenfinsternis zu beobachten, erklärt Stephan Fichtner von der experimenta-Sternwarte. Von Heilbronn aus sind es knapp 90 Prozent der verdeckten Sonnenscheibe.

Warum es hier nur für eine partielle Sonnenfinsternis reicht
Verantwortlich dafür ist der Kernschatten des Mondes. Er ist nach Fichtners Angaben nur rund 200 bis 300 Kilometer breit und trifft am 12. August unter anderem Spanien und Teile Islands. Deutschland liegt diesmal im Halbschatten. Deshalb erleben wir hier eine partielle Sonnenfinsternis.
Statistisch findet alle 18 Monate irgendwo auf der Erde eine totale Sonnenfinsternis statt. Am selben Ort dauert es im Schnitt 375 Jahre bis zur nächsten. Der Wert ist rein rechnerisch, betont Fichtner. Manche Orte erlebten binnen eines Jahres zwei Finsternisse, andere warteten über 1.000 Jahre. Er selbst reist in diesem Jahr nach Spanien. Dort gibt es auch im kommenden Jahr wieder eine totale Sonnenfinsternis, 2028 ist dann Australien an der Reihe.
Worauf es bei der Beobachtung ankommt
Die Finsternis findet am Abend statt. Die Sonne steht dann schon tief im Westen, in Heilbronn endet das Ereignis mit dem Sonnenuntergang. Fichtner empfiehlt deshalb einen möglichst hoch gelegenen Standort mit freiem Blick zum Westhorizont.
Beim Augenschutz wird der Fachmann deutlich. »Auch wenn die Sonne zu 90 Prozent verfinstert ist, hat sie noch enorme Kraft und kann die Augen unheilbar schädigen«, sagt er. Nötig sei zwingend eine spezielle Sonnenfinsternisbrille. Wer fotografieren möchte, braucht ebenfalls einen professionellen Filter oder eine Sonnenfinsternisfolie vor dem Objektiv, erhältlich bei Optikern oder in Teleskopläden. Fichtner rät zu Testaufnahmen mit langer Brennweite im Vorfeld. So lassen sich Belichtungszeit und Blende in Ruhe einstellen.
Nach der Finsternis kommen die Perseiden
Der Abend endet damit nicht. In derselben Nacht sind die Perseiden zu sehen, der bekannte Sternschnuppenschauer im August. Weil Neumond herrscht, stört kein Mondlicht. An sehr dunklen Orten werden bis zu 100 Sternschnuppen pro Stunde erwartet, am aufgehellten Nachthimmel Mitteleuropas immer noch 30 bis 50. Besonders lohnt der Blick nach oben in der zweiten Nachthälfte.
Bei den Perseiden handelt es sich um Relikte eines Kometen, der Staubteilchen auf seiner Bahn verstreut hat. Jedes Jahr Mitte August fliegt die Erde durch diesen Staubgürtel. Fichtner vergleicht das mit einer Autofahrt durch einen Schneeschauer: Im Fernlicht sieht man die Flocken auf die Windschutzscheibe zufliegen. Sichtbar werden die Teilchen, wenn sie auf die Atmosphäre treffen und die Luft dort stark komprimieren und erhitzen. Zum Fotografieren empfiehlt er Stativ, weit geöffnete Blende und lange Belichtungszeiten von mindestens 30 Sekunden, ausgerichtet nach Nordosten.
Das Programm der experimenta am 12. August
Bundesweit findet an diesem Abend die lange Nacht der Astronomie statt. Die experimenta beteiligt sich mit eigenem Programm. Bei gutem Wetter lässt sich die partielle Sonnenfinsternis direkt an den Teleskopen des Science Centers beobachten. Sie sind mit speziellen Filtern ausgestattet, der Blick Richtung Sonne ist dadurch gefahrlos möglich. Sonnenfinsternisbrillen für die Beobachtung mit bloßem Auge stehen ebenfalls bereit.
Dazu kommen Vorträge über das Weltall, Shows im Science Dome und Bastelangebote, ausdrücklich nicht nur für Kinder. Zieht Bewölkung auf, überträgt die experimenta die Finsternis per Livestream. Die Veranstaltung ist kostenlos. Weil mit vielen Gästen gerechnet wird, empfiehlt das Haus eine Anmeldung über die eigene Website.