Von Redaktion, Fotos: Experimenta
Die Vortragsreihe der experimenta bringt im Mai und Juni 2026 zwei Wissenschaftler nach Heilbronn, deren Forschungsfelder unterschiedlicher kaum sein könnten. Am 12. Mai spricht Tiefsee-Vulkanologe Dr. Tom Kwasnitschka über digitale Technologien am Ozeanboden, am 9. Juni geht es mit dem Heidelberger Psychologen Prof. Dr. Bastian Schiller um Empathie in Gesprächen mit Chatbots. Beide Abende beginnen um 19:30 Uhr im Science Dome.
Der Science Dome der experimenta ist eine Kuppel, die mehr kann als nur Sternenhimmel projizieren. Wenn dort die Robert Mayer Lecture stattfindet, wird sie zur Bühne für Wissenschaft, die ihre eigenen Bilder mitbringt. Im Mai und Juni stehen zwei Vorträge auf dem Programm, die thematisch weit auseinanderliegen und doch ein gemeinsames Motiv haben. Beide befassen sich mit Bereichen, die unseren Sinnen normalerweise verschlossen bleiben. Die Tiefsee, in die kein Mensch ohne Roboter gelangt. Und die Innenwelt der Künstlichen Intelligenz, deren Funktionsweise sich der direkten Wahrnehmung entzieht.

Spaziergang auf dem Meeresgrund
Den Auftakt macht am Dienstag, 12. Mai, Dr. Tom Kwasnitschka vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. Der Geowissenschaftler und Tiefsee-Vulkanologe hat seinen Vortrag »Ein Spaziergang auf dem Meeresgrund: Wie uns digitale Technologien in die Tiefsee bringen« betitelt. Was er mitbringt, sind 360-Grad-Filmaufnahmen einer Forschungsexpedition und der Einsatz eines Tauchroboters. Was er nutzt, ist die Kuppel des Science Dome, in der sich aktuelle Forschungsdatensätze live und in Echtzeit darstellen lassen. Daraus entsteht eine doppelte Präsenz: Der Forscher steht im Saal, das Publikum sitzt zugleich am Meeresgrund. Kwasnitschka zeigt, wie mit Weltraumsatelliten, Tauchrobotern und unbemannten Sonden Daten über die Meerestiefen gesammelt werden. Über die »visuelle Datenexploration«, so die Mitteilung der experimenta, werden Naturphänomene erfahrbar, die wegen ihrer Tiefe oder ihrer Ausdehnung sonst nicht greifbar sind.

Wenn der Chatbot tröstet
Vier Wochen später, am Dienstag, 9. Juni, wechselt die Lecture das Feld komplett. Prof. Dr. Bastian Schiller forscht am Psychologischen Institut der Universität Heidelberg zu einer Frage, die mit der Verbreitung generativer KI an Brisanz gewonnen hat: Wovon hängt es ab, ob wir ein Gespräch als empathisch und nah erleben? Vom Inhalt der Antworten oder davon, wen wir als Gegenüber wahrnehmen? Schillers erste Forschungsergebnisse, so die experimenta, deuten darauf hin, dass KI in Gesprächen Reaktionen hervorrufen kann, die sich überraschend menschlich anfühlen. Sobald wir aber wissen, dass am anderen Ende der Leitung kein Mensch sitzt, verändert sich das Erleben deutlich. In Heilbronn will Schiller diskutieren, ob eine »sozial angereicherte« digitale Kommunikation, die etwa Blickkontakt oder Berührung einbezieht, daran etwas ändern kann. Und welche Rolle KI in Pflege, Bildung oder Psychotherapie spielen darf.
Format und Tickets
Beide Vorträge dauern inklusive Fragerunde rund 90 Minuten. Im Anschluss gibt es im Foyer die Möglichkeit zum Austausch bei einem Getränk und einem kleinen Imbiss. Der Eintritt kostet 9 Euro, ermäßigt 5 Euro. Tickets sind im Onlineshop der experimenta sowie während der regulären Öffnungszeiten an der Kasse erhältlich.
Die Robert Mayer Lecture trägt den Namen eines der prominentesten Heilbronner Wissenschaftler. Julius Robert Mayer, 1814 in Heilbronn geboren und 1878 dort gestorben, war Arzt und einer der Pioniere, die im 19. Jahrhundert die Grundlage für den Energieerhaltungssatz legten. Sein Denkmal steht am Heilbronner Marktplatz. Dass eine Vortragsreihe, die seinen Namen trägt, im Mai von der Tiefsee und im Juni von Chatbots handelt, hätte ihn vermutlich amüsiert.