Von Redaktion, Foto: HHN
Ministerialdirektor Reiter überreicht Prädikat „Gleichstellungsstarke Hochschule“ – die HHN will den Frauenanteil in Spitzenpositionen deutlich steigern
Die Rechnung ist schnell gemacht: Setzt die Hochschule Heilbronn ihren aktuellen Trend fort, könnte sie bis 2050 eine paritätische Besetzung ihrer Professuren erreichen. 25 Jahre noch bis zur Geschlechterparität – was nach ferner Zukunft klingt, ist für deutsche Hochschulverhältnisse durchaus ambitioniert. Am 18. September bekam die HHN für ihre bisherigen Anstrengungen offiziell bestätigt, dass sie auf dem richtigen Weg ist.
Ministerialdirektor Hans J. Reiter überreichte in der Aula am Bildungscampus die Plakette zum Prädikat „Gleichstellungsstarke Hochschule“. Die Auszeichnung im Rahmen des Professorinnenprogramms 2030 kam nicht von ungefähr: Die HHN hatte sich bereits in den drei vorangegangenen Runden des Programms durchgesetzt. Der Zeitpunkt der Verleihung war symbolträchtig gewählt – sie erfolgte während der Jahrestagung der Bundeskonferenz der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten an Hochschulen, die vom 17. bis 19. September am Bildungscampus tagte.
„Die Prädikatsauszeichnung ‚Gleichstellungsstarke Hochschule‘ für die Hochschule Heilbronn ist verdienter Lohn und Anerkennung für das hier geleistete langjährige Engagement für Gleichstellung in der Wissenschaft und Forschung“, sagte Reiter laut Mitteilung der Hochschule. Der Ministerialdirektor formulierte auch eine Erwartung: „Möge die Auszeichnung zugleich Ansporn sowohl für die weiteren eigenen Ziele der Hochschule sein, aber auch für andere Hochschulen.“
Was bedeutet die Auszeichnung konkret? Die HHN kann nun eine zusätzliche Nachwuchswissenschaftlerin fördern: Meriem Al Ahmadi Hammou, die sich mit ihrer Promotion im Bereich technische Mechanik für eine HAW-Professur qualifiziert. Dazu kommen Förderungen für drei Professorinnen – eine Vorgriffs- und zwei Regelprofessuren. Handfeste Unterstützung also, die über Symbolpolitik hinausgeht.
Ruth Fleuchaus, Prorektorin für Internationales und Diversität, betonte in ihrem Grußwort: „Diese Auszeichnung zeigt, dass unsere Gleichstellungsarbeit Wirkung zeigt und anerkannt wird. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, weiterhin strukturelle Barrieren abzubauen und Chancengerechtigkeit für alle zu schaffen.“
Die Zahlen sprechen für sich: Die HHN hat in den vergangenen Jahren spürbare Fortschritte erzielt, wie die Hochschule mitteilt. Dennoch bleibt die Parität in Lehre und Forschung eine Herausforderung. Maren Haag, Leiterin des Referats für Gleichstellung und Diversität an der HHN, zeigt sich in der Pressemitteilung optimistisch, aber ungeduldig: „Setzen wir diesen Trend fort, kann die HHN bis 2050 eine paritätische Besetzung von Professuren erreichen. Mein Wunsch ist, dass wir dieses Ziel noch schneller erreichen und allen Menschen an der HHN Chancengleichheit bieten.“
Die Hochschule nutzte die Auszeichnung für eine kleine Leistungsschau ihrer Gleichstellungsarbeit: Ein neuer Imagefilm mit dem Titel „Gleichstellungsstarke Hochschule“ wurde präsentiert, entstanden im Rahmen des Professorinnenprogramms III. Parallel dazu läuft im Foyer des Gebäudes 17/S am Bildungscampus die Poster-Ausstellung „Frauen in der Wissenschaft“, die Wissenschaftlerinnen der HHN porträtiert – konzipiert als Wanderausstellung für alle vier Standorte der Hochschule.
Für die Wissensstadt Heilbronn ist die Auszeichnung mehr als nur eine Plakette an der Wand. In einer Zeit, in der der Kampf um die besten Köpfe härter wird und Diversität zunehmend als Innovationstreiber gilt, positioniert sich die HHN als moderne, offene Hochschule. Während auf dem Bildungscampus internationale Spitzenuniversitäten wie die TU München und die ETH Zürich Dependancen eröffnen, zeigt die heimische Hochschule: Exzellenz bedeutet heute auch, allen Talenten gleiche Chancen zu bieten – unabhängig vom Geschlecht.
Die Auszeichnung ist damit auch ein Signal nach außen: Heilbronn will nicht nur bei der Technologie, sondern auch bei der Gleichstellung zur Spitze gehören. Ob das Ziel der Parität tatsächlich erst 2050 oder vielleicht doch schneller erreicht wird, werden die kommenden Jahre zeigen. Die Richtung stimmt jedenfalls.