Von Redaktion, Foto: WoMent
Das Cross-Mentoring-Programm feiert Jubiläum und startet mit dem FutureFemHub in eine neue Dimension – Unternehmerin Tijen Onaran gibt 120 Frauen klare Botschaften mit
Der Satz zieht sich wie ein roter Faden durch die digitalen Nachberichte: „Dimme niemals dein Licht.“ Tijen Onaran, Unternehmerin und aus der TV-Show „Die Höhle der Löwen“ bekannt, hat beim WoMent-Jubiläum am vergangenen Samstag offenbar einen Nerv getroffen. Das Cross-Mentoring-Programm der Wissensstadt Heilbronn feierte sein fünfjähriges Bestehen – und startete gleichzeitig etwas Neues: den FutureFemHub.
„Wenn DU dich bewegst, bewegt sich etwas“, notierte Isabell Dörr-Nill, Projektleiterin des KI Salon, nach der Veranstaltung. Ihre Zusammenfassung von Onarans Kernbotschaften: „Selbstvertrauen ist das größte Kapital. Sichtbarkeit braucht Haltung, keine Lautstärke. Netzwerke leben von Echtheit und gegenseitiger Unterstützung.“
Über 100 Frauen kamen in den Räumen der Hochschule Heilbronn zusammen – Mentorinnen, Mentees, Alumni und Vertreterinnen der Partnerorganisationen. WoMent-Projektleiterin Katharina Rust und Prof. Ruth Fleuchaus, Prorektorin für Internationales und Diversität an der HHN, eröffneten die Veranstaltung. Dr. Miriam Biller von der Dieter Schwarz Stiftung sprach in ihrem Grußwort über die Bedeutung von Diversität für Innovation – und griff dabei zur Schuh-Metapher, die im Gedächtnis bleiben sollte.

Wenn der Schuh zu groß erscheint
„Die Schuhe passen dir perfekt und sie sehen verdammt gut aus!“ – diese Metapher durchzog die gesamte Veranstaltung. Die DHBW Heilbronn verwendete sie, um zu beschreiben, worum es bei WoMent geht: „dass junge Frauen das Selbstverständnis haben, auch in großen Schuhen unterwegs zu sein und sich Führung zu trauen.“
Dr. Miriam Biller machte es persönlich: Auch sie habe sich gefragt, „ob die Schuhe nicht doch ein paar Nummern zu groß für mich sind“. Durch Mentoring habe sie festgestellt, „dass sie richtig gut passen und auch noch richtig gut aussehen.“
Nataliia Özmü vom Deep Tech Collective fasste Onarans Botschaft über Netzwerke prägnant zusammen: „Wahres Netzwerken misst sich nicht an der Quantität, sondern baut auf Qualität, Vertrauen, Authentizität und gegenseitiger Unterstützung auf.“ Die anschließende Paneldiskussion über Future Skills habe deutlich gemacht, dass die wertvollsten Kompetenzen der Zukunft „zutiefst menschlich“ seien: „Empathie, Reflexion und emotionale Intelligenz.“
Praktische Tipps statt Plattitüden
Onaran lieferte konkrete Handlungsanweisungen, die die DHBW Heilbronn dokumentierte:
- „Auf die Qualität kommt es an: Was ist mein Ziel, welches Netzwerk passt dazu?“
- „Das Netzwerk aktiv nutzen und um Unterstützung bitten“
- „Raus aus der Komfortzone und selbst auf andere zugehen“
- „Wenn man an ein Projekt glaubt, hartnäckig bleiben“
- „Jeder bringt etwas in eine Netzwerkbeziehung ein – auch du“
Und der vielleicht bodenständigste Rat, den Onaran von ihren Eltern übernommen hat: „Einfach machen!“
Sarah Schwab-Jung von der TUM Campus Heilbronn brachte es auf eine simple Formel: „Wenn du nicht fragst, ist die Antwort immer Nein.“ Die TUM war mit dem Projekt „SeeHerTech“ vertreten, das sich für mehr Sichtbarkeit innovativer Frauen einsetzt.
Der FutureFemHub als Verstärker
Mit dem FutureFemHub geht WoMent in die nächste Phase. Die neue Plattform soll regionale Partner und Aktivitäten bündeln, eine Expert*innen-Datenbank aufbauen und Studium-Generale-Veranstaltungen organisieren. Die Dieter Schwarz Stiftung fördert auch dieses Folgeprojekt – ein Zeichen dafür, dass Frauenförderung hier nicht als Lippenbekenntnis verstanden wird.
Mahsa Fischer, Professorin für Human-Centered Software Development an der Hochschule Heilbronn, verkörpert den Erfolg des Programms. Sie begleitet als Mentorin Masterstudentinnen auf dem Weg zur Promotion in KI und Informatik. „Meine Mentee aus der letzten Kohorte hat inzwischen eine Stelle als Doktorandin gefunden“, berichtet sie – ein konkreter Erfolg in einem Feld, in dem Frauen noch immer unterrepräsentiert sind.
Von der Idee zum Netzwerk
Die Geschichte von WoMent reicht weiter zurück als fünf Jahre. Nicola Marsden, heute Professorin für Social Informatics an der HHN, hatte das Programm vor über zwölf Jahren als damalige Gleichstellungsbeauftragte erdacht und beantragt. „Dass es ein so großes und lebendiges Netzwerk geworden ist, erfüllt mich mit Stolz und Dankbarkeit“, schrieb sie – aus der Ferne, denn zur Feier konnte sie nicht kommen. Symbolträchtig trank sie ihren Morgenkaffee aus dem WoMent-Becher der ersten Stunde.
Die Entwicklung ist beeindruckend: Was als Programm der Hochschule Heilbronn begann, vereint heute auch die DHBW, das DHBW Center for Advanced Studies, die TUM Campus Heilbronn und die Programmierschule 42. Das Team um Katharina Rust hat dabei auch Krisen gemeistert. 2020, mitten in der Pandemie, musste alles digital werden, „obwohl keiner wusste, was eine Break-out-Session war und die Technik nicht immer mitspielte“, erinnert sich die DHBW.
Mehr als Karriereförderung
Anna Dogic, Masterstudentin, beschreibt ihre Erwartungen: Ein Jahr lang eine persönliche Mentorin aus der Wirtschaft, Workshops zur Persönlichkeitsentwicklung, Netzwerkaufbau. Aber WoMent scheint mehr zu bieten als das übliche Mentoring-Paket.
Amina Mohamed von der ZEAG Energie AG, ehemalige Mentee und jetzt Alumna, traf ihre frühere Mentorin Melanie Steinbacher wieder: „Auch eben dafür steht WoMent: Verbindungen, die bleiben, auch über die Zeit des Mentoring hinaus.“
Ricarda Lawrence, selbst WoMent-Alumna und Panelteilnehmerin, fasste ihre Learnings zusammen: „Frag nach dem, was du willst, Schweigen ist immer ein ‚Nein‘. Lass dein Licht niemals dimmen, setze dir Ziele und bleibe resilient. Sichtbarkeit bedeutet nicht Lautstärke, sondern Haltung und Mut.“
Die unbequeme Wahrheit
Christiane Englert zitierte Onaran mit einem Bild, das nachdenklich macht: „Wenn ich auf dem Wasser laufen könnte, würde es heißen: Warum kann sie nicht schwimmen?“ Sichtbarkeit macht angreifbar – eine Wahrheit, die viele Frauen in Führungspositionen kennen.
Die Führungsfrauen Raum Heilbronn nutzten die Gelegenheit zum direkten Austausch mit Onaran. Margareta Jäger und Cornelia Hildebrandt sprachen mit ihr über „Sichtbarkeit, Netzwerke und den Mut, neue Wege zu gehen.“
Die Botschaft des Tages war klar: In einer Stadt, die sich als Wissenschafts- und KI-Standort neu erfindet, ist Frauenförderung kein Nice-to-have, sondern Notwendigkeit. WoMent hat in fünf Jahren bewiesen, dass es funktioniert. Mit dem FutureFemHub soll diese Erfolgsgeschichte weitergehen – als regionale Plattform, die verschiedene Initiativen bündelt und verstärkt.
„Dimme niemals dein Licht“ – Onarans Botschaft hallt nach. In Heilbronn hat man verstanden: Wer die Zukunft gestalten will, kann auf die Hälfte des Potenzials nicht verzichten.