Mobilitätsdaten im Fokus: Studie zeigt Vertrauensvorsprung für öffentliche Institutionen

Von Redaktion, Foto:Fraunhofer ISI

Eine Forschungsstudie des Fraunhofer ISI in Heilbronn untersuchte, unter welchen Bedingungen Bürgerinnen und Bürger bereit sind, ihre Mobilitätsdaten zu teilen. Die Ergebnisse zeigen: Öffentliche Institutionen genießen bei diesem sensiblen Thema einen bemerkenswerten Vertrauensvorsprung gegenüber privaten Unternehmen.

Digitale Mobilitätsdienste sind auf zahlreiche Daten angewiesen – Standorte, Verkehrsströme, Nutzungshäufigkeiten bestimmter Angebote. Das neue Landesmobilitätsgesetz von Baden-Württemberg, seit dem 29. März 2025 in Kraft, macht deutlich, dass solche Daten eine zentrale Rolle spielen, wenn es darum geht, Verkehr smarter und klimafreundlicher zu gestalten.

Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI hat mit seinem Joint Innovation Hub in Heilbronn zwischen Juli 2023 und Mai 2025 ein umfassendes Forschungsprojekt durchgeführt. Im Auftrag der Stabsstelle für Zivilgesellschaft und Bürgerbeteiligung des Staatsministeriums Baden-Württemberg und mit Unterstützung von e-mobil BW untersuchten die Forscher, wie Bürgerinnen und Bürger über die Weitergabe ihrer Mobilitätsdaten denken.

Das Projekt bestand aus zwei Phasen: Zuerst fanden Workshops mit zufällig ausgewählten Bürgerinnen und Bürgern statt, um deren Erwartungen, Bedenken und Wünsche zu erfassen. Anschließend wurden die qualitativen Erkenntnisse durch eine repräsentative Umfrage mit 1.377 Teilnehmenden empirisch überprüft.

Die Ergebnisse zeigen, dass Vertrauen und zugeschriebene Kompetenz entscheidend für die Bereitschaft sind, Mobilitätsdaten zu teilen. Kommunen und Landesbehörden genießen dabei ein hohes Maß an Vertrauen – mehr als 40 Prozent der Befragten haben in Bezug auf den Datenschutz ein hohes Vertrauen in die öffentliche Hand. Im Vergleich dazu schneiden private Unternehmen mit 28,5 Prozent und Datentreuhänder mit 31 Prozent deutlich schlechter ab.

Bei der Einschätzung der fachlichen Kompetenz zeigten sich interessante Unterschiede: In den Workshops sahen die Teilnehmenden die Datenkompetenz eher bei Unternehmen, in der repräsentativen Umfrage wurde sie hingegen vorrangig den öffentlichen Stellen zugeordnet. 39 Prozent der Befragten bewerteten die Kompetenz staatlicher Stellen als „hoch“ oder „sehr hoch“, während 32 Prozent der Befragten private Unternehmen für wenig oder gar nicht kompetent hielten.

Die Studie betont, dass der unmittelbare Nutzen für die Bürgerinnen und Bürger sichtbar und nachvollziehbar sein muss. Direkte Vorteile wie besserer Verkehrsfluss, kürzere Reisezeiten oder bessere Verbindungen in ländlichen Gebieten sind für viele Menschen greifbarer als abstrakte Ziele wie CO₂-Einsparungen.

Für den öffentlichen Sektor bieten diese Ergebnisse wichtige Erkenntnisse: Das vorhandene Vertrauen könnte als Basis für die Entwicklung digitaler Mobilitätslösungen dienen, etwa für eine integrierte Mobilitäts-App, die verschiedene Verkehrsmittel intelligent verknüpft und individuelle Routen optimiert.

Das Projekt unterstreicht zudem den Wert partizipativer Formate für die Gestaltung einer nachhaltigen und zukunftsorientierten Mobilität. Der direkte Austausch mit den Bürgerinnen und Bürgern kann die Grundlage für Lösungen schaffen, die tragfähig, sozial ausgewogen und gesellschaftlich akzeptiert sind.

Der vollständige Abschlussbericht zum Projekt „Bürgerdialog Mobilitätsdaten“ ist auf der Website des Fraunhofer ISI verfügbar.

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