Longboard-Labor der Hochschule Heilbronn: Spitzensport-Forscher aus Leipzig zu Besuch

Von Redaktion, Fotos: HHN

Die Leitung des Instituts für Angewandte Trainingswissenschaft Leipzig hat das Reallabor für Longboarding und Skateboarding besucht. Das Longboard-Labor der Hochschule Heilbronn erforscht die Sportart seit fünf Jahren. Eine internationale Verletzungsstudie liegt inzwischen vor. Zudem arbeitet das Team an einer KI-gestützten Trickerkennung.

Viele Sportarten sind gut vermessen. Für Longboard Dancing & Freestyle galt das bislang nicht. Wissenschaftlich blieb die Disziplin weitgehend unerforschtes Terrain.

Genau diese Lücke bearbeitet das Team um Professor Wendelin Schramm. Sein Reallabor für Longboarding und Skateboarding gehört zum GECKO-Institut für Medizin, Informatik und Ökonomie der Hochschule Heilbronn (HHN).

Longboard-Labor der Hochschule Heilbronn: fünf Jahre Reallabor

Seit fünf Jahren wird dort trainiert, geforscht und entwickelt. Dazu gehören eigens gebaute Longboards. Außerdem entstand eine umfangreiche Videodatenbank mit mehr als 2.900 Aufnahmen.

Diese Aufnahmen dienen als Trainingsmaterial. Ebenso nutzt das Team sie zur Validierung von KI-Modellen. Der Ort dafür ist kein Labor im klassischen Sinn.

Das Reallabor befindet sich im Karl-Heinz-Losch-Rollsportstadion des Rollschuh- und Eislaufvereins Heilbronn. Forschung und Trainingsalltag liegen dort also direkt nebeneinander.

Besuch aus Leipzig

Auf diese Arbeit ist nun das Institut für Angewandte Trainingswissenschaft (IAT) Leipzig aufmerksam geworden. Die Institutsleitung reiste nach Heilbronn und besuchte das Reallabor vor Ort.

Zur Delegation gehörten Dr. Marc-Oliver Löw, Dr. Ingo Sandau und Dr. Niklas Noth. Sie informierten sich über die Forschung, über die KI-gestützte Trickerkennung und über weitere Entwicklungsmöglichkeiten. Im Austausch waren zudem HHN-Professor Wendelin Schramm und David Buchmann.

Verletzungsstudie mit 84 Teilnehmenden aus 29 Nationen

Ein zentraler Meilenstein ist die abgeschlossene internationale Verletzungsstudie von Professor Schramm. Die Longboarding Injury Surveillance Study lief über ein Jahr. In dieser Zeit dokumentierten 84 Teilnehmende aus 29 Nationen insgesamt 3.640 Einheiten im Longboard Dancing & Freestyle.

Erste ausgewertete Ergebnisse zeigen ein überraschendes Bild. Demnach erscheint die Sportart weniger verletzungsanfällig als etwa Fußball. Damit liegen erstmals systematische Erkenntnisse zu Verletzungen in dieser Disziplin vor.

»Unsere Ergebnisse schaffen eine wichtige wissenschaftliche Grundlage für die weitere Entwicklung von Longboard Dancing & Freestyle«, erklärte Professor Schramm. Das gelte für das Training, für die Prävention und für die öffentliche Wahrnehmung der Sportart.

KI erkennt Tricks und Bewegungen

Ein weiterer Schwerpunkt des Besuchs war die KI-Forschung. Auf Basis der mehr als 2.900 Videoaufnahmen arbeitet das Team an einer KI-gestützten Erkennung von Skateboard-Tricks. Ebenso geht es um die Analyse ganzer Bewegungsabläufe.

Für das IAT ist besonders interessant, wie sich diese Daten für die Trainingswissenschaft nutzen lassen. Denn dort geht es um messbare Fortschritte im Leistungssport. Ein Datensatz aus dem realen Trainingsbetrieb ist dafür wertvoll.

»Die Verbindung aus einem realen Trainingsort, wissenschaftlicher Forschung und KI-gestützter Bewegungsanalyse ist faszinierend und vielversprechend«, sagte Dr. Marc-Oliver Löw, Leiter des IAT Leipzig. Das vorhandene Videomaterial biete eine Grundlage, um gemeinsam über neue Anwendungen für Training und Leistungssport nachzudenken.

Was aus dem Austausch werden kann

Der Besuch markiert laut HHN einen wichtigen Schritt für die weitere Vernetzung. Gemeint ist die Verbindung der Heilbronner Forschung mit dem deutschen Spitzen- und Nachwuchsleistungssport.

Im Mittelpunkt standen mögliche Kooperationen. Außerdem ging es um den Transfer der Forschung in die Trainingspraxis. Schließlich sprachen beide Seiten über die Weiterentwicklung der KI-basierten Bewegungsanalyse.

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