Von Redaktion, Foto: experimenta
Stratosphärenballons, Biogasanlagen und Wasserstoff-Projekte – bei der vierten Auflage des NExt-Kongresses in der experimenta zeigten Schülerinnen und Schüler aus Baden-Württemberg, dass wissenschaftliche Innovationen nicht nur in den Laboren der Großen entstehen. Eine Bestandsaufnahme des wissenschaftlichen Nachwuchses.
Wer durch die imposante Glaskonstruktion der experimenta schlendert, könnte für einen Moment vergessen, dass hier eigentlich ein Kongress für Schülerinnen und Schüler stattfindet. Die Poster, Modelle und Exponate, die am 17. und 18. Juli präsentiert wurden, zeugen von einem wissenschaftlichen Ernst, der so manches Universitätsseminar in den Schatten stellt.
NExt – diese vier Buchstaben stehen für das Unterrichtsfach „Naturwissenschaftliches Experimentieren“, das mittlerweile an über 60 Beruflichen Gymnasien in Baden-Württemberg angeboten wird. Hier lernen Jugendliche nicht nur theoretisches Wissen, sondern entwickeln eigene Forschungsprojekte – vom ersten Gedanken bis zur praktischen Umsetzung. Das Kultusministerium Baden-Württemberg nutzt den jährlichen NExt-Kongress, um die besten dieser Projekte zu präsentieren und zu würdigen.
Dass die Wahl des Veranstaltungsortes auf die experimenta in Heilbronn fiel, ist kein Zufall. Das größte Science Center Deutschlands verkörpert genau jenen Geist der Entdeckung und des Ausprobierens, den auch das NExt-Programm vermitteln will. Es ist ein Ort, an dem Wissenschaft nicht hinter verschlossenen Labortüren stattfindet, sondern zum Anfassen und Erleben einlädt.
Staatssekretärin Sandra Boser MdL fand in ihrem Grußwort deutliche Worte für die Bedeutung solcher Initiativen: „Die Beruflichen Gymnasien in Baden-Württemberg zeigen mit dem Unterrichtsfach NExt, wie moderne Bildung aussieht. Hier werden nicht nur Inhalte aus allen MINT-Bereichen vermittelt, hier entstehen Ideen, es wird Forschung im Klassenzimmer betrieben. Das ist Bildung im besten Sinne, Bildung, die inspiriert und die haften bleibt.“
An 28 Ständen präsentierten Jugendliche von zwölf Beruflichen Gymnasien ihre Projektarbeiten. Die Bandbreite der Themen war beeindruckend: Von Mikroplastikfiltern über innovative Energiekonzepte bis hin zu komplexen Messgeräten für Umweltparameter. Drei dieser Projekte wurden am Ende des Kongresses mit dem NExt-Preis ausgezeichnet, der mit jeweils 300 Euro dotiert ist.
Der Sonderpreis des Kultusministeriums ging an ein Team der Ehrhart-Schott-Schule aus Schwetzingen für ihr „Projekt Wasserstoff: Evolyt“. Die Schüler Benedikt Zimmermann, Tim Müller und Bastian Löhlein haben sich einer der drängendsten Fragen der Energiewende gewidmet: Wie lässt sich Wasserstoff effizient als Energieträger nutzen? Ihr Ansatz könnte einen kleinen, aber wichtigen Baustein für die Energieversorgung der Zukunft liefern.
Die Verbände der Chemie- und Pharmaindustrie Baden-Württemberg (ChemieBW) zeichneten ein Projekt der Käthe-Kollwitz-Schule aus Bruchsal aus. Maxima Frech, Annika Stricker und Chiara Vallarelli entwickelten eine funktionierende Biogasanlage im Kleinformat – ein anschauliches Modell für eine nachhaltige Energiegewinnung, das zeigt, wie organische Abfälle in wertvolle Energie umgewandelt werden können.
Besonders spektakulär war das Projekt, das den Sonderpreis der experimenta erhielt: Eric Krauth und Jannis Brüggemann von der Hans-Freudenberg-Schule in Weinheim konstruierten einen Stratosphärenballon mit Live-Bildübertragung auf dem 70cm-Band. Mit ihrem Ballon konnten sie bis in Höhen von mehreren Kilometern vordringen und dabei Bilder zurück zur Erde senden – eine technische Leistung, die noch vor wenigen Jahren professionellen Forschungseinrichtungen vorbehalten war.
Was alle diese Projekte verbindet, ist der Mut zum praktischen Experiment. Hier wird nicht nur gelesen und diskutiert, sondern gebaut, getestet und verbessert. Es ist ein handlungsorientierter Ansatz, der die natürliche Neugier junger Menschen aufgreift und in konstruktive Bahnen lenkt.
Für die experimenta ist der NExt-Kongress eine willkommene Ergänzung zum eigenen Bildungsangebot. Als größtes Science Center Deutschlands bietet sie auf 25.000 Quadratmetern über 270 Mitmachstationen, neun hochwertige Labore, eine Sternwarte und den Science Dome – eine weltweit einzigartige Kombination aus Planetarium und Theater. Es ist ein Ort, der vom Kindergarten- bis zum Seniorenalter vielfältige Formen der Wissensvermittlung bietet und zu den innovativsten Einrichtungen dieser Art in Europa zählt.
Der NExt-Kongress zeigt exemplarisch, was Heilbronn als Wissensstadt ausmacht: Die Verbindung von Theorie und Praxis, von akademischem Wissen und handwerklichem Können, von tradiertem Wissen und frischen Ideen. Es ist diese Mischung, die den Bildungsstandort Heilbronn auszeichnet und ihn zu einem Magneten für junge Menschen macht, die mehr wollen als nur auswendig lernen.
Wenn die Schülerinnen und Schüler ihre Projekte nach zwei intensiven Kongresstagen wieder abbauen, nehmen sie mehr mit als nur die Erinnerung an eine gelungene Präsentation. Sie haben erfahren, wie es sich anfühlt, Teil einer wissenschaftlichen Gemeinschaft zu sein, Ideen auszutauschen und konstruktive Kritik zu erhalten. Für manche mag es der erste Schritt auf einem Weg sein, der sie später an eine der Hochschulen oder Forschungseinrichtungen in Heilbronn führt.
Und wer weiß – vielleicht wird eines der hier vorgestellten Projekte eines Tages zu einer Innovation, die unseren Alltag verändert. Die Geschichte der Wissenschaft ist voll von großen Entdeckungen, die mit kleinen, neugierigen Fragen begannen. Genau solche Fragen stehen im Mittelpunkt des NExt-Programms – und finden in der experimenta den idealen Resonanzraum.