Heilbronner Fraunhofer-Studie zeigt Weg zur Workforce 2035: Wie Unternehmen den Wandel strategisch gestalten können

Von Redaktion, Foto: Ideogram/Robert Mucha

In einem aktuellen Blogbeitrag erläutert Nicole Caroline Gladilov vom Fraunhofer IAO am Bildungscampus Heilbronn die Kernerkenntnisse der Studie „Workforce 2035“. Die Analyse bietet konkrete Handlungsempfehlungen, wie besonders kleine und mittlere Unternehmen den notwendigen Wandel Schritt für Schritt angehen können.

Umsatzflauten, Insolvenzen, Massenentlassungen und Anlagenstilllegungen prägen derzeit das Bild in vielen Branchen der deutschen Wirtschaft. Die Notwendigkeit für Veränderung zeichnet sich bereits seit längerem ab. Während Transformation, Digitalisierung und Produktivitätssteigerung als Lösungsansätze oft genannt werden, fehlt es gerade kleinen und mittleren Unternehmen häufig an konkreten Strategien zur Umsetzung.

Eine Antwort bietet das Konzept „Workforce 2035“, das am Forschungs- und Innovationszentrums Kognitive Dienstleistungssysteme KODIS, einem Standort des Fraunhofer IAO am Bildungscampus in Heilbronn, entwickelt wurde. Der Ansatz setzt nicht nur auf technologische Innovation, sondern fordert auch einen umfassenden Kulturwandel in Unternehmen.

Die Studie identifiziert drei Schlüsselbereiche für die erfolgreiche Transformation: Kooperation, Kulturwandel und Weiterbildung.

Im Bereich der Kooperation empfiehlt die Studie den systematischen Austausch von Best Practices und die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, Intermediären und Forschungseinrichtungen. „Durch gemeinsame Projekte, etwa im Bereich KI und Robotik, können Unternehmen innovative Lösungen entwickeln, die sowohl den technologischen Fortschritt als auch die Bedürfnisse der Mitarbeitenden berücksichtigen“, heißt es in der Analyse.

Konkret wird die Einrichtung von Reallaboren und „Sandboxes“ vorgeschlagen, um neue Technologien unter realen Bedingungen zu testen. Auch Formate wie „Fuck-up Nights“ werden empfohlen, um Erfahrungen auszutauschen und gemeinsam zu lernen.

Der zweite Schlüsselbereich betrifft den Kulturwandel in Unternehmen. Angesichts des Fachkräftemangels rät die Studie zu einer offenen Unternehmenskultur, die flexible Arbeitsmodelle integriert und eine Balance zwischen den Anforderungen der Mitarbeitenden und den wirtschaftlichen Notwendigkeiten schafft. Agile Führungsansätze und partizipative Strukturen sollen Mitarbeitende aktiv in Entscheidungsprozesse einbeziehen und ihre Eigenverantwortung stärken.

Als dritten Faktor identifiziert die Studie die kontinuierliche Weiterbildung der Belegschaft. Unternehmen sollten personalisierte Lernangebote entwickeln und die Zusammenarbeit mit regionalen Bildungseinrichtungen intensivieren. KI-gestützte Systeme können dabei helfen, individuelle Lernbedarfe zu identifizieren und passende Schulungsinhalte bereitzustellen.

Die vollständige Studie „Workforce 2035 – Regionales Zielbild für produzierende Unternehmen der Automotive-Branche in der Wirtschaftsregion Heilbronn-Franken“ bietet detaillierte Informationen zu den Veränderungen einzelner Jobprofile sowohl auf Mitarbeiter- als auch auf Führungsebene. Zudem enthält sie Analysen zu relevanten Technologien und deren Handlungsbedarf, um frühzeitig Kompetenzlücken durch Weiterbildungsmaßnahmen schließen zu können.

Nicole Caroline Gladilov, wissenschaftliche Mitarbeiterin am KODIS in Heilbronn und Autorin des Blogbeitrags, beschäftigt sich mit der Entwicklung und Evaluation von datengestützten Geschäftsmodellinnovationen und der Analyse von Transformationsprozessen. Ihr besonderes Interesse gilt dem Thema Technologieakzeptanz.

Die Studie unterstreicht die Rolle Heilbronns als wichtigen Standort für anwendungsorientierte Forschung und bestätigt die enge Verzahnung von Wissenschaft und regionaler Wirtschaft in der Wissensstadt.

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