Freispiel in der Kita: Warum selbstbestimmtes Spielen mehr ist als Zeitvertreib

Von Redaktion, Fotos: aim

Kita-Leitung Barbara Weber-Eisenmann schreibt als Gastautorin für die aimBlicke der aim. Ihr Thema ist das Freispiel in der Kita und dessen Bedeutung für die kindliche Entwicklung. Sie beschreibt, welche Kompetenzen Kinder dabei erwerben. Außerdem nennt sie drei Bedingungen für gelingendes Freispiel.

»Kinder spielen ja nur den ganzen Tag.« Diesen Satz hört Barbara Weber-Eisenmann offenbar häufig. Sie setzt ein Fragezeichen hinter das Wort »nur«.

Weber-Eisenmann leitet eine Kita, schreibt Bücher und hat selbst eine Tochter im Kindergartenalter. Für die aimBlicke der aim hat sie einen Gastbeitrag über das Freispiel verfasst.

Spielen ist ein Kinderrecht

Viele Erwachsene unterschätzten das Spiel als bloße Freizeitbeschäftigung, schreibt die Autorin. Tatsächlich sei es weit mehr als das. Denn die UN-Kinderrechtskonvention hält Spielen als fundamentales Kinderrecht fest.

»Spielen ist quasi die Arbeit der Kinder«, formuliert Weber-Eisenmann in ihrem Beitrag. Das Freispiel sei dabei ein zentrales Element der kindlichen Entwicklung.

Freispiel in der Kita: selbst entscheiden, womit und wie lange

Freispiel bedeutet, dass Kinder selbstbestimmt entscheiden. Sie wählen, womit sie sich beschäftigen, mit wem und wie lange. Dabei folgen sie ihren eigenen Interessen und erproben ihre Fähigkeiten.

Im Freispiel erkunden Kinder eigenständig ihre Welt. Sie lernen, diese Welt zu gestalten und zu verstehen. Genau daraus entsteht laut der Autorin ein ganzes Bündel an Kompetenzen.

Was Kinder dabei lernen

Freispiel fördere die Kreativität, schreibt Weber-Eisenmann. Kinder entwickelten eigene Spielideen, erkundeten Räume und Materialien und fänden Lösungsstrategien bei Herausforderungen.

Zugleich stärke es soziale Kompetenzen. Im freien Spiel mit anderen lernten Kinder, Konflikte zu lösen und Kompromisse einzugehen. Ebenso lernten sie, sich innerhalb einer Gruppe zu behaupten.

Hinzu kommt die Eigenverantwortung. Kinder erlebten, dass sie selbstwirksam seien und Entscheidungen treffen könnten. In der Interaktion mit anderen übernähmen sie außerdem Verantwortung für ihr Handeln.

Das Freispiel biete darüber hinaus Raum zur Stressreduktion in einem oft durchgetakteten Alltag. Es trage zur emotionalen Stabilität bei, weil Kinder Erlebnisse und Gefühle spielerisch verarbeiten könnten. Besonders im Außenbereich unterstütze es zudem die Bewegungsfreude.

Drei Bedingungen für den Kita-Alltag

Damit das gelingt, braucht es laut Weber-Eisenmann bewusst gestaltete Rahmenbedingungen. Drei Punkte nennt sie konkret.

Erstens brauche es feste Zeitfenster im Tagesablauf, die ausdrücklich für das Freispiel reserviert sind. Diese Phasen sollten lang genug sein, damit Kinder tief in ihr Spiel eintauchen können. Übergangszeiten beim Ankommen oder nach dem Mittagessen eigneten sich dafür gut.

Zweitens gehe es um die Räume. Themenecken wie ein Bau- und Konstruktionsbereich, eine Leseecke oder ein Bereich für Rollenspiele sprächen unterschiedliche Interessen an. Eine abwechslungsreiche Materialvielfalt lade zusätzlich zum Umfunktionieren ein, besonders natürliche Materialien wie Holz, Tücher oder Alltagsgegenstände.

Drittens gehe es um die Haltung der Erwachsenen. Fachkräfte sollten sich während des Freispiels bewusst zurückhalten und den Kindern Raum für eigene Entscheidungen geben. Eingreifen sollten sie nur, wenn es erforderlich wird oder wenn Kinder sie ausdrücklich zum Mitspielen einladen.

Auch die Fachkräfte profitieren

Der Nutzen liegt nach Darstellung der Autorin nicht nur bei den Kindern. Fachkräfte gewännen im Freispiel wertvolle Beobachtungen und verstünden Interessen, Bedürfnisse und soziale Interaktionen besser.

Zugleich entstehe Zeit für andere Aufgaben, etwa für gezielte Förderung. Auch die Beziehung zwischen Kindern und Fachkräften werde gestärkt, wenn Kinder sich im Freispiel angenommen fühlten.

Freispiel sei damit ein wesentlicher Baustein für die gesunde Entwicklung von Kindern, schließt Weber-Eisenmann. Das »nur« aus dem Anfangssatz erledigt sich damit von selbst.

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