Von Redaktion, Fotos: HHN
In der vorlesungsfreien Pfingstwoche führte eine Exkursion ans CERN 40 Studierende und acht Dozierende der Hochschule Heilbronn nach Genf. Zwei Tage lang erkundete die Informatik-Fakultät die weltweit führende Forschungseinrichtung für Teilchenphysik. Im Mittelpunkt stand dabei nicht die Physik allein, sondern die Rolle der Informatik. Denn ohne sie läuft am CERN wenig.
Das CERN kennt man für Teilchenphysik. Für 40 Informatikstudierende der Hochschule Heilbronn rückte vor Ort jedoch etwas anderes in den Mittelpunkt. Denn die weltweit führende Einrichtung für Teilchenphysik läuft vor allem dank Rechnern, Software und Ingenieurskunst. Genau dort, am europäischen Kernforschungszentrum bei Genf, wurde außerdem das World Wide Web erfunden.

Die Exkursion ans CERN: 40 Studierende, acht Dozierende
Möglich machte das die vorlesungsfreie Pfingstwoche. 40 Studierende und acht Dozierende der Informatik-Fakultät stiegen in den Reisebus und fuhren in die Schweiz. Ziel war das CERN bei Genf, die weltweit führende Forschungseinrichtung für Teilchenphysik. Dort untersuchen Fachleute einige der komplexesten Experimente überhaupt. Sie wollen verstehen, woraus Materie besteht und wie das Universum entstanden ist.

Science Gateway: Physik zum Anfassen
Den Auftakt bildete das ›CERN Science Gateway‹. In den markanten, futuristischen Röhrenbauten erkundeten die Studierenden interaktive Ausstellungen auf eigene Faust. In der Schau ›Discover CERN‹ ließen sich physikalische Phänomene direkt ausprobieren. Eine manuelle Wärmepumpe gehörte dazu, ebenso der Blick auf einen Querschnitt des Teilchenbeschleunigers aus dem ATLAS-Experiment.
Weitere Stationen vertieften den Besuch. Ein Miniatur-Teilchenbeschleuniger zeigte, wie sich Protonen kontrolliert bewegen lassen. An anderer Stelle machte eine immersive Installation die Quantenphysik greifbar. Dort wurden die Besucher gewissermaßen selbst zum Quantum und konnten Zustände zugleich erleben und beeinflussen.
Warum die Informatik das CERN am Laufen hält
Einen eigenen Schwerpunkt setzte die Führung mit Markus Joos. Der Ingenieur arbeitet am CERN und zeigte der Gruppe ausgewählte Exponate. In seinem Vortrag ›Computing am CERN‹ machte er die Rolle von Informatik und Ingenieurwesen deutlich. Tatsächlich stellen IT-Fachkräfte und Ingenieure den größten Teil der Belegschaft. Sie halten die komplexe Infrastruktur überhaupt erst am Laufen.

Joos stellte zudem Projekte vor, die am CERN entstanden oder mitentwickelt wurden. Das bekannteste ist das World Wide Web. Dazu kommen verbreitete Open-Source-Programme. Bekannt sind etwa die Lernplattform Moodle und das ECAD-Werkzeug KiCad, mit dem sich Leiterplatten entwerfen lassen.
Hinter den Kulissen: Antimaterie und ein Exabyte
Der zweite Tag gehörte dem offiziellen Besucherprogramm. In Kleingruppen kamen die Studierenden in hochsensible Bereiche, darunter die Antimaterie-Fabrik und eines der großen Rechenzentren. Hier zeigten sich die Dimensionen der Forschung besonders deutlich.
Supraleitende Magnete beschleunigen die Teilchen nahezu auf Lichtgeschwindigkeit. Aufwendige Vakuumsysteme speichern die Antimaterie. Und die Dateninfrastruktur fasst mehr als ein Exabyte, also über eine Million Terabyte. Dazu vermittelten die Gastgeber, wie Daten zwischen dem CERN und zehntausenden Forschenden weltweit fließen. Bei den angehenden Informatikern blieb das sichtlich hängen.

Einen symbolischen Schlusspunkt setzte ein Blick auf ein Schlüsseldokument der Informatikgeschichte. Es ist das Originalpapier zur Spezifikation des HTTP-Protokolls von Tim Berners-Lee.
Big Bang Café und die Frage nach der Karriere
Zum Abschluss ging es um die berufliche Zukunft. Bei einem Mittagessen im ›Big Bang Café‹ folgte ein Vortrag aus dem Personalbereich. Dabei erfuhren die Studierenden mehr über Praktika, Abschlussarbeiten, Summer Schools und Karrierewege am CERN.
Dann trat die Gruppe die Rückreise an, diesmal deutlich besser gekühlt als auf dem Hinweg. Gegen die Hitze hatte sie sich mit improvisierten Ventilatoren beholfen. So verband die Exkursion wissenschaftliche Einblicke, praktische Informatik und ein paar Lehren in Sachen Reiselogistik.