Digitales Wunder in der Provinz: Wie Heilbronn in der Champions League der Tech-Bildung mitspielt

Von Robert Mucha, Foto: Ideogram/Robert Mucha

Zwischen Weinbergen und Neckarauen entwickelt die TUM digitale Weltmeister. Im globalen Ranking der besten Unis für die Digitalwirtschaft landet München auf Platz 7 – als einziger EU-Vertreter in den Top 10. Ein kleines Wunder, zu dem auch der junge Campus in Heilbronn seinen Teil beiträgt.

Es gibt diese Tage, an denen die deutsche Bildungslandschaft plötzlich mit den Schultern zuckt und sich fragt, ob sie vielleicht doch besser ist als ihr Ruf. Kürzlich war so ein Tag. Da veröffentlichte das Beratungsunternehmen Emerging sein Ranking „Digital Leaders in Higher Education“ – eine Art Bundesliga-Tabelle für Universitäten, die die Führungskräfte der Digitalwirtschaft ausbilden. Bemerkenswert: Die Technische Universität München (TUM) erreicht Platz 7, als einzige Universität aus der Europäischen Union in den Top 10.

Für das Ranking haben die Analysten die Universitätsabschlüsse von 150.000 Digitalprofis in den innovativsten Unternehmen weltweit durchleuchtet und 2.000 Fach- und Führungskräfte sowie Startup-Gründer befragt. Es ist eine Art digitaler Adelstitel – wer hier oben steht, dessen Absolventen prägen die Wirtschaft von morgen.

Während man diese Zahlen liest, fragt man sich, ob in den nüchternen Seminarräumen des TUM Campus Heilbronn, wo Studierende über Tastaturen gebeugt Code schreiben und Geschäftsmodelle entwickeln, überhaupt jemand aufgeschaut hat, als die Nachricht eintraf. Denn während deutsche Bildungspolitiker in Berlin noch darüber diskutieren, wie man den digitalen Anschluss schaffen könnte, wird in Heilbronn schon längst geliefert.

Die Stadt am Neckar hat sich in den letzten Jahren heimlich, still und leise zu einem Zentrum für digitale Bildung entwickelt. Der Campus der TUM ist dabei ein Leuchtturm, der weit über die Region hinaus strahlt.

In den Studienfeldern Computer Science und Digital Entrepreneurship – zwei Kernbereiche am Heilbronner Campus – steht die TUM sogar auf Rang 4 weltweit und hält damit Schritt mit illustren Namen wie der University of Cambridge, der Harvard University sowie der University of Oxford beziehungsweise dem MIT. Es ist, als würde plötzlich ein Fußballclub aus der deutschen Provinz im Halbfinale der Champions League stehen.

Man muss sich das einmal vorstellen: Da gibt es Orte wie das Silicon Valley, wo die Luft förmlich vor Innovationsgeist vibriert, wo jeder zweite Barista nebenbei an einem Startup arbeitet und wo Risikokapital so reichlich fließt wie der Nektar in den Weinbergen des Neckartals. Und dann kommt eine deutsche Universität mit einem Campus in Heilbronn daher und mischt einfach mit. Es ist eine Art akademisches Wirtschaftswunder, das hier stattfindet.

Die School of Computation, Information and Technology (CIT) am Campus in Heilbronn ist dabei ein wesentlicher Baustein des Erfolgs. Sie verbindet traditionelle Informatik mit unternehmerischem Denken – eine Kombination, die offenbar den Nerv der Zeit trifft. Nicht umsonst erreicht die TUM im Studienfeld Digital Transformation Management auch noch Platz 9 weltweit.

Was hier passiert, ist mehr als nur eine lokale Erfolgsgeschichte. Es ist ein Modell dafür, wie Deutschland seinen Platz in der digitalen Weltwirtschaft finden könnte. Nicht durch hektischen Aktionismus oder politische Grundsatzdebatten, sondern durch systematischen Aufbau von Exzellenz in der Bildung.

Die Geschichte des TUM Campus Heilbronn ist dabei exemplarisch für den deutschen Weg der Digitalisierung: Nicht die großen Metropolen sind die Treiber, sondern oft mittelgroße Städte mit starken Wirtschaftsakteuren im Hintergrund. Es ist eine Form des digitalen Föderalismus, der vielleicht unterschätzt wird, aber hier in Heilbronn funktioniert.

Während man an amerikanischen Elite-Unis manchmal das Gefühl hat, dass der nächste Mark Zuckerberg schon im Wohnheimflur wartet, geht es in Heilbronn etwas bescheidener zu. Hier wird nicht laut von der nächsten Weltrevolution geträumt, sondern konzentriert an konkreten Lösungen gearbeitet. Es ist ein Ansatz, der offenbar Früchte trägt – zumindest laut dem Ranking von Emerging.

Am Ende bleibt die Frage, ob aus dem Heilbronner Campus eines Tages tatsächlich die Digital Leaders von morgen hervorgehen werden. Ob hier die nächsten großen Innovationen entstehen, die unsere Wirtschaft und Gesellschaft verändern. Das Potenzial ist jedenfalls da.

Bis dahin bleibt Heilbronn, was es immer war: eine Stadt, die sich nicht in den Vordergrund drängt, aber im Hintergrund beharrlich an ihrer Zukunft arbeitet. Eine Stadt, die beweist, dass man nicht im Silicon Valley oder in Boston sitzen muss, um digital relevant zu sein. Manchmal reicht auch ein Campus zwischen Weinbergen und Neckarauen – wenn man die richtigen Leute zusammenbringt und ihnen Raum gibt, zu wachsen.

In diesem Sinne ist das Ranking mehr als nur eine statistische Randnotiz. Es ist ein Beleg dafür, dass der deutsche Weg der Digitalisierung – weniger laut, weniger spektakulär, aber dafür solide und nachhaltig – durchaus seine Berechtigung hat. Und vielleicht werden wir eines Tages sagen können: Es begann in Heilbronn.

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