Die Zukunft des Profifußballs: Wie sich der globale Wandel auf Europa auswirken wird

Europa sieht sich mit einer beispiellosen Herausforderung konfrontiert, da sich das Zentrum des Profifußballs immer mehr in Richtung Osten verschiebt. Eine Betrachtung von Prof. Dr. Ludwig Hierl, Professor für Accounting, Controlling und Finance am DHBW CAS und der DHBW Heilbronn, zu den ökonomischen und kulturellen Implikationen dieser Entwicklung.

Von Robert Mucha, Foto: DHBW CAS

In einer Welt, in der die Fußballkultur keine Grenzen kennt, beobachten wir eine beunruhigende Entwicklung, die Europa möglicherweise ins Abseits stellen könnte. Prof. Dr. Ludwig Hierl, eine Koryphäe auf dem Gebiet des Sportfinanzwesens an der DHBW CAS, skizziert eine Zukunft, in der die europäische Dominanz im Profifußball ins Wanken gerät.

Seit dem rekordbrechenden Transfer von Neymar zu Paris Saint-Germain im Jahre 2017, der die Fußballwelt mit einer Ablösesumme von über 220 Millionen Euro erschütterte, scheinen die finanziellen Dämme gebrochen zu sein. „Diese Entwicklung hat nicht nur die Transfermärkte revolutioniert, sondern auch die strategische Ausrichtung vieler Clubs beeinflusst“, erklärt Hierl. Er sieht in der Öffnung des europäischen Fußballs gegenüber dem arabisch-asiatischen Raum nicht nur eine ökonomische Notwendigkeit, sondern auch eine kulturelle Chance.

Der Trend, junge talentierte Spieler in Ligen außerhalb Europas zu sehen, nimmt zu. Hierl prognostiziert, dass in naher Zukunft viele der Top-Spieler nicht mehr in der Champions League, sondern möglicherweise in der AFC Champions League zu sehen sein werden. „Das könnte zu einem schleichenden Bedeutungsverlust der UEFA Champions League führen“, warnt der Wirtschaftsexperte.

In Reaktion auf diese Verschiebungen unterstützt Hierl die Idee einer globaleren Champions League oder gar einer Super League. Er verweist auf die Notwendigkeit, europäische Wettbewerbe neu zu denken, um mit der finanziellen Anziehungskraft anderer Regionen mithalten zu können. „Die Dynamik des Geldes ist unaufhaltsam. Die größten finanziellen Ressourcen befinden sich derzeit außerhalb Europas“, fügt er hinzu.

Ein weiterer kritischer Punkt in Hierls Analyse ist das Financial Fairplay der UEFA, das seiner Meinung nach eine Überarbeitung benötigt, um den neuen globalen Realitäten gerecht zu werden. „Wir müssen unsere eurozentristische Sichtweise überdenken und anerkennen, dass andere Kulturen ebenfalls berechtigte Ambitionen im Profifußball haben“, erklärt Hierl. Diese Öffnung könne Europa neue kreative und sportliche Impulse bringen.

Die zunehmende Kommerzialisierung des Fußballs, so Hierl, bedeute auch eine Chance zur Neuerfindung des europäischen Fußballs, die es ermöglicht, neue Märkte zu erschließen und internationale Partnerschaften zu stärken. „Europa steht am Scheideweg. Es kann seine führende Rolle behalten, wenn es bereit ist, sich anzupassen und innovativ zu sein“, schließt Hierl seine Ausführungen.

Mit diesem prägnanten Blick auf die Zukunft des Fußballs fordert Prof. Dr. Ludwig Hierl alle Beteiligten auf, nicht nur den kommerziellen Aspekt im Auge zu behalten, sondern auch die integrative Kraft des Sports zu nutzen, um Brücken zwischen unterschiedlichen Kulturen zu bauen.