Von Redaktion, Foto: DHBW Heilbronn
Nur jede vierte Professur an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg ist mit einer Frau besetzt. Zwei Professorinnen aus Mannheim und Heilbronn wollen das ändern. Ihr Werkzeug: eine Kamera, 46 Kolleginnen und eine Einladung, bei der niemand wusste, was passiert.
An der Dualen Hochschule Baden-Württemberg lehren 221 Professorinnen. Klingt nach viel. Ist es aber nicht, gemessen an insgesamt rund 859 Professuren. Ein Viertel, mehr nicht. Bundesweit liegt der Anteil bei einem Drittel, auch das ist kein Grund zum Feiern. Aber immerhin ein Stück weiter.
Zwei DHBW-Professorinnen, Prof. Kathrin Kölbl aus Mannheim und Prof. Dr. Yvonne Zajontz aus Heilbronn, haben sich diesen Zahlen gestellt und daraus ein Filmprojekt entwickelt, das Ende Februar auf einer Pressekonferenz im Stuttgarter Ratskeller vorgestellt wurde. Der Titel: „Dein Platz ist hier. Werde Professorin!“ Das Ziel: promovierte Frauen mit Berufserfahrung ermutigen, den Schritt an die Hochschule zu wagen.

46 Professorinnen, ein Drehtag, keine Regieanweisungen
Für den knapp sieben Minuten langen Film luden Kölbl und Zajontz rund 200 Kolleginnen an allen DHBW-Standorten ein. 46 kamen, wie die Stuttgarter Zeitung berichtete, ohne genau zu wissen, was sie erwartet. Der Dreh fand an einem einzigen Tag im Oktober 2024 statt, produziert von der Heilbronner Filmproduktion HNYwood um Regisseur Andreas Kröneck.

Das Konzept lebt vom Überraschungsmoment. Eine Stimme aus dem Off stellt Fragen: Wer von Ihnen dachte einst, Professur sei nichts für sie? Wer glaubt, dass Frauen eine Hochschule besser machen? Die Professorinnen antworten, indem sie sich auf ein Ja-Feld stellen oder stehen bleiben. Was dabei entsteht, ist kein Imagevideo im klassischen Sinn, sondern etwas Nahbares: Frauen, die von Vorurteilen erzählen, von Hühnerkommünen und Videospielen, von der Probevorlesung im achten Monat und dem Satz einer Professorin, der im Film eine eigene Schwere entwickelt: „Frau mit drei Kindern gehört nach Hause.“
Rund 30.000 promovierte Frauen als Zielgruppe
Die Kampagne hat einen nüchternen Hintergrund. Laut DHBW sind in Deutschland rund 30.000 promovierte Frauen mit Berufserfahrung außerhalb der Hochschule formal für eine Professur qualifiziert. Viele von ihnen werden bislang nicht gezielt angesprochen. Wie die Stuttgarter Zeitung aus der Filmvorstellung im Stuttgarter Ratskeller berichtete, sehen Expertinnen einen Teil der Gründe auch bei den Frauen selbst. Die Sozialbürgermeisterin der Stadt Stuttgart, Alexandra Sußmann, wird dort mit den Worten zitiert, manchmal sei das Zutrauen in das eigene Können nicht da.

Laut Pressemitteilung der DHBW betont Yvonne Zajontz: „Mehr Professorinnen bedeuten mehr Perspektiven, mehr Innovation und ein Wissenschaftssystem, das unsere Gesellschaft realistisch widerspiegelt.“ Und Kathrin Kölbl formuliert das Ziel so: „Unser Ziel ist, dass sich promovierte Frauen in diesen Bildern wiederfinden und sagen: Das könnte mein Weg sein, ich kann mir diese Rolle für mich vorstellen.“
Ein Heilbronner Projekt mit landesweiter Reichweite
Der Film wird über die Standortkampagne „The LÄND“ des Landes Baden-Württemberg verbreitet, die laut Staatsministerium jährlich mehrere Millionen Menschen erreicht. Gleichzeitig nutzt die DHBW ihre eigenen Kanäle: über drei Millionen Website-Aufrufe pro Jahr und eine Social-Media-Reichweite von mehr als 290.000 Followern. Die DHBW ist mit über 34.000 Studierenden an zwölf Standorten die größte Hochschule des Landes. Einer dieser Standorte ist Heilbronn, wo Zajontz lehrt und wo auch die Filmproduktion HNYwood ihren Sitz hat. Kölbl ist Professorin am DHBW-Standort Mannheim.
DHBW-Präsidentin Martina Klärle unterstreicht laut Pressemitteilung der DHBW die persönliche Dimension: „Ich selbst bin diesen Weg gegangen und weiß: Eine Professur beginnt mit dem Mut, sich dort zu sehen.“ Bis 2030 will die DHBW einen Professorinnenanteil von 32 Prozent erreichen. Langfristig wird Parität angestrebt.
Die Maßnahme wird im Rahmen des Professorinnenprogramms 2030 des Bundes und der Länder mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung gefördert.