Von Redaktion, Foto: aim
Ein Netzwerkprojekt der aim und der LMU München will Schulentwicklung neu denken – mit Robotern, Waldpädagogik und einem roten Salon
200 Augenpaare in der winterlichen Aula des Bildungscampus. Es sind die Schulleitungen aller Heilbronner Grundschulen, die einem Vortrag folgen. Professorin Dr. Uta Hauck-Thum von der Ludwig-Maximilians-Universität München präsentiert CoTransform Heilbronn – ein Netzwerkprojekt für zukunftsfähige Schulentwicklung.
So beschreiben Leonie Lübben von der aim Akademie und Sarah Puchta von der LMU München in ihrem Gastbeitrag die Geburtsstunde des Projekts. Die beiden bezeichnen sich als „echtes Dream-Team“ und entwickeln gemeinsam CoTransform Heilbronn.
Die Kernbotschaft des Projekts ist laut den Autorinnen klar: „Es braucht dringend eine neue Lehr-, Lern- und Prüfungskultur.“ Der Weg dorthin führe über „übergreifende Kooperationen – innerhalb von Schulen und über bestehende Rollen- und Hierarchiegrenzen hinweg.“
Der Hackathon als Startschuss
Acht Heilbronner Grundschulen folgten der Einladung. Bei einem Hackathon in der aim trafen sich Schulleitungen, Lehrkräfte, Schulrätinnen und -räte mit dem CoTransform-Team. Die zentrale Frage: „Wie sieht für mich eine Schule der Zukunft aus?“
„Es wird geträumt, diskutiert, geplant“, schreiben Lübben und Puchta. Manche Beiträge erinnerten „an den unverdorbenen Idealismus junger Lehramtsstudierender kurz vor dem Referendariat“. Die Autorinnen konstatieren: „Schul- und Unterrichtsentwicklung neu zu denken ist sowohl Zumutung als auch Verheißung.“
Nach dem Hackathon wurden in Einzelgesprächen individuelle Bedarfe und Ziele definiert. Daraus entwickelte sich laut Gastbeitrag „eine Begleit- und Unterstützungsstruktur mit passgenauen Projekt-, Fortbildungs- und Entwicklungsangeboten.“
Fünf konkrete Projekte
Was in den acht Schulen entsteht, zeigt die Bandbreite des Ansatzes:
Lernen im Lebensraum Wald: Wöchentliche Unterrichtsgänge in den Wald kombiniert mit selbst produzierten Erklärfilmen über Pflanzen und Tiere für eine gemeinsame Webseite.
Nachhaltigkeit durch Schulgestaltung: Der Schulgarten wird zum Lernobjekt im Rahmen von Bildung für nachhaltige Entwicklung.
Erzählen mit Robotern: Ein humanoider Roboter unterstützt ein Sprachförderprojekt und wird in ein Projekt zum mündlichen Erzählen von Geschichten integriert.
Demokratie im roten Salon: Ein Format zur partizipativen Schulentwicklung, „das vom Schulleiter Micha Pallesche aus Karlsruhe entwickelt und erprobt wurde“, wie die Autorinnen schreiben.
Schule als Quartier: Schule öffnet sich über die Einbindung von lokalen Organisationen, Vereinen und „transgenerationalen Strukturen“.
Die Wissenschaft schaut zu
Eine wissenschaftliche Evaluation begleitet das Projekt mit Fragebögen, Interviews und Gruppendiskussionen. Im Zentrum stehe die Frage: „Was bewegt die Beteiligten während ihres Schulentwicklungsprozesses? Und was ermöglicht echte Transformation?“
Die ersten Erkenntnisse fassten Lübben und Puchta so zusammen: „Es braucht Mut und Offenheit, neue, vielleicht unbekannte Wege zu gehen.“ Ressourcen, Bedürfnisse und Zugänge der Schulen wichen stark voneinander ab. Die Projektbegleitung müsse „immer individuell, flexibel und anpassungsfähig sein.“
Das gemeinsame Ziel formulieren die Autorinnen so: „Mit den Kindern eine möglichst bildungsgerechte, demokratische, digitale, sichere und lebenswerte Zukunft zu gestalten.“
CoTransform Heilbronn steht erst am Anfang. Aber die acht Grundschulen haben sich auf den Weg gemacht. Mit Robotern und Waldspaziergängen, mit Schulgärten und roten Salons. Es ist ein Experiment, dessen Ausgang offen ist. Aber allein der Versuch zeigt: In Heilbronns Grundschulen bewegt sich etwas.