Von Robert Mucha, Foto:Tanja Würthner
Nachwuchsforschende erhalten Traumkulisse für den digitalen Tiefenblick: Die neue „Graduate School Digital Transformation“ verbindet Ulmer Universitäts-Expertise mit Heilbronner Anwendungswissen. Mit bis zu 20 Promovierenden und Rückenwind der Dieter Schwarz Stiftung entsteht ein Forschungslabor, das den digitalen Wandel nicht nur beobachten, sondern aktiv gestalten will.
Wenn an der Donau und am Neckar gleichzeitig die Köpfe rauchen, hat das neuerdings System. Ein frisch gegründetes Graduiertenkolleg verbindet jetzt, was geografisch getrennt liegt: die Universität Ulm und das Ferdinand-Steinbeis-Institut Heilbronn. Gemeinsam wollen sie den digitalen Wandel erforschen, verstehen und mitgestalten. Die „Graduate School Digital Transformation Heilbronn/Ulm“ – kurz GSDT – versammelt dafür künftig bis zu 20 Promovierende unter einem konzeptionellen Dach.
Was zunächst nach klassischer Wissenschaftskooperation klingt, ist bei näherem Hinsehen ein strategischer Schachzug. Die Universität Ulm bringt Expertise zu Digitalen Plattformen, Nachhaltiger Transformation und (Erklärbarer) Künstlicher Intelligenz mit. Das Ferdinand-Steinbeis-Institut steuert praxisnahes Know-how in Bereichen wie Digitalen Zwillingen und kooperativen Datenräumen bei. Besonders mittelständische Unternehmen sollen von den Forschungsergebnissen profitieren.
Es geht also um mehr als akademische Fingerübungen. Die ersten Promotionsvorhaben laufen bereits und beschäftigen sich beispielsweise mit dem Einsatz Erklärbarer KI in der Industrie. „Unsere Zusammenarbeit, die besonders in der Wirtschaftsinformatik sehr eng ist, entwickelt sich zu einem Vorzeigeprojekt in Baden-Württemberg“, erklärt Professor Michael Weber, Präsident der Universität Ulm, gegenüber der Pressestelle seiner Hochschule. „Gemeinsam erforschen wir, wie die digitale Zukunft von Wirtschaft und Gesellschaft gestaltet werden kann.“
Wissenschaft mit „Real-World-Impact“
Hinter den Kulissen steckt einmal mehr die Dieter Schwarz Stiftung, die das ambitionierte Vorhaben finanziert. Deren Geschäftsführer Professor Reinhold R. Geilsdörfer freut sich besonders über die praktische Ausrichtung: „Durch interdisziplinäre Promotionsvorhaben werden neben wissenschaftlichen Innovationsimpulsen auch insbesondere nutzbare Erkenntnisse für Wirtschaft und Gesellschaft im Sinne eines Real-World-Impacts geschaffen“, ließ er verlauten.
Real-World-Impact – das klingt zwar nach PowerPoint-Floskel, trifft aber den Kern dessen, was auf dem Heilbronner Bildungscampus längst Programm ist: Forschung, die nicht im Elfenbeinturm bleibt, sondern greifbare Ergebnisse liefert. Dieses Prinzip soll auch in der Graduate School gelten. Die Promovierenden werden jeweils von Wissenschaftler*innen beider Institutionen betreut und präsentieren ihre Fortschritte regelmäßig im Heilbronner Forschungscolloquium.
Die Kooperation ist ein weiterer Meilenstein für den Wissenschaftsstandort Heilbronn, der in den vergangenen Jahren rasant gewachsen ist. Mit dem Innovationspark Künstliche Intelligenz, dem Bildungscampus und zahlreichen Forschungseinrichtungen hat sich die einstige Industrie- und Weinstadt zu einem Hotspot für angewandte Wissenschaft entwickelt. Die strategische Verbindung zum traditionsreichen Forschungsstandort Ulm mit seiner Expertise im Bereich „From Data to Knowledge“ könnte diesen Kurs weiter beschleunigen.
Die Geschäftsstelle der Graduate School ist in Heilbronn angesiedelt. Von hier aus werden die Fäden zusammenlaufen, wenn die ersten Doktorandinnen den wissenschaftlichen Tiefenblick auf die digitale Transformation wagen. Zehn Promovierende machen den Anfang, perspektivisch soll die Zahl auf 20 steigen. Ein Wissenstransfer, der nicht nur die Donau mit dem Neckar verbindet, sondern auch Theorie mit Praxis. Für Professor Heiner Lasi, Akademischer Leiter des FSTI und Co-Sprecher der Graduate School, ein Beispiel für „vertrauensvolle Zusammenarbeit“ – ein Wert, der in der digitalen Transformation vielleicht wichtiger ist als all die Algorithmen und Datenmodelle, an denen seine Doktorandinnen nun forschen werden.