Von Redaktion, Fotos: ChatGPT / Robert Mucha
Die Akademie für Innovative Bildung und Management (aim) und der Arbeitskreis Leben Heilbronn (AKL) bauen ihre Präventionsarbeit für junge Menschen gemeinsam aus. In praxisnahen Seminaren lernen pädagogische Fachkräfte, wie sie suizidale Krisen einordnen und Gespräche mit gefährdeten Jugendlichen führen. 2025 verzeichnete der AKL bei den unter 30-Jährigen einen Höchststand an Begleitungen.
In einem Jahr während der Corona-Pandemie war Marco Haaf häufiger mit Suizidthemen konfrontiert als in den zwanzig Jahren als Schulleiter davor. Heute ist Haaf Geschäftsführer der Akademie für Innovative Bildung und Management, kurz aim. Was er in der Schule erlebt hat, prägt eine Entscheidung, die seine Einrichtung jetzt gemeinsam mit dem Arbeitskreis Leben Heilbronn trifft. Pädagogische Fachkräfte sollen sicherer werden im Umgang mit suizidgefährdeten Jugendlichen. Im gemeinsamen Präventionsprojekt mit dem Titel »Gestärkt durch die Krise« weitet die aim die Arbeit des AKL aus.
Warum das Thema drängt
Die Zahlen, auf die sich die Mitteilung der aim stützt, zeichnen ein eindringliches Bild. Suizid war laut Statistischem Bundesamt im Jahr 2023 die häufigste Todesursache bei den Zehn- bis 25-Jährigen in Deutschland. Das Deutsche Ärzteblatt verweist auf Schulbefragungen, in denen rund ein Drittel der Jugendlichen suizidale Gedanken angibt. Der Kinder- und Jugendreport 2025 der DAK nennt als verstärkende Faktoren die Folgen der Corona-Pandemie, den Klimawandel, den Krieg in der Ukraine und die Inflation. Für pädagogische Fachkräfte heißt das: mehr Gespräche, mehr Grenzsituationen, ein wachsender Bedarf an Handlungssicherheit.
Eine pädagogische Fachkraft wird in der Mitteilung anonym mit einem Satz zitiert, der das Dilemma trifft: »Die Angst, etwas Falsches zu sagen oder die Lage zu verschlimmern, ist enorm.« Wer aus Unsicherheit zögert, ist im Ernstfall kein verlässlicher Gesprächspartner. Genau dort setzt das Seminarangebot an.

Was die Seminare leisten
In den Fortbildungen lernen pädagogische Fachkräfte, suizidale Krisen einzuordnen, Gespräche auch in heiklen Momenten ruhig und klar zu führen, ihre eigene Haltung zu reflektieren und reale Fallbeispiele aus dem pädagogischen Alltag zu bearbeiten. Ziel sei nicht, therapeutische Arbeit zu ersetzen, schreibt die aim. Es gehe um Sicherheit im Handeln und um Klarheit darüber, wo die eigene Rolle endet. Eine erste Fortbildung fand im April statt. Im kommenden Schuljahr sind weitere Kurse geplant. Nach dem ersten Seminar berichteten Teilnehmende laut aim, dass ihre Angst vor dem »falschen Satz« deutlich gesunken sei. Besonders geschätzt würden die konkreten Gesprächstechniken und der fachliche Austausch in der Gruppe.
Steigende Nachfrage in Heilbronn
Der AKL Heilbronn ist eine Fachberatungsstelle, die seit Jahren Menschen mit Suizidgedanken und deren Angehörige begleitet. Die Gespräche sind zeitnah, niederschwellig und kostenlos zugänglich. Im Jahr 2022 zählte der AKL über alle Altersgruppen 248 Begleitungen, 2024 waren es 368, und 2025 lag die Zahl bei 358. Bei den unter 30-Jährigen erreichte der AKL 2025 mit 70 Personen einen Höchststand. Durch die Kooperation mit der aim kann der Verein seine Beratungskapazitäten um eine 50-Prozent-Stelle erweitern. Caroline Hornberger vom AKL fasst die Wirkung so zusammen: »Diese Kooperation ist eine enorme Entlastung für uns und ermöglicht gleichzeitig den Ausbau von Präventionsangeboten für junge Menschen, die davon besonders profitieren.« Marco Haaf seinerseits sagt aus seiner pädagogischen Erfahrung heraus: »Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass die Arbeit des AKL Heilbronn hochwirksam ist.«

Vier Bausteine für junge Menschen und Erwachsene
Der Ausbau der Präventionsarbeit umfasst laut aim vier Bausteine: Workshops zur Krisenbewältigung und Suizidprävention ab Klasse 8, Beratungsangebote für pädagogische Fachkräfte, Fortbildungen für ganze Schulteams sowie Einzelberatungen für betroffene Jugendliche und deren Angehörige. Damit deckt das Angebot beide Seiten ab. Die Erwachsenen, die Verantwortung tragen, ebenso wie die Jugendlichen, die Hilfe brauchen. Zur Finanzierung seiner Arbeit ist der AKL weiterhin darauf angewiesen, öffentliche und kirchliche Zuschüsse durch Spenden aufzustocken.
Für die aim, eine von der Dieter Schwarz Stiftung getragene Weiterbildungseinrichtung, ist die Kooperation eine inhaltliche Erweiterung. Bekannt für Sprachförderung, Lehrkräftefortbildungen und Programme zur frühkindlichen Bildung, rückt mit dem Thema Suizidprävention eine Frage in den Fokus, die jede Schule im Land betrifft.
Hilfsangebote bei Suizidgedanken und in Krisen:
- Arbeitskreis Leben Heilbronn e. V., kostenlos und niederschwellig, www.akl-heilbronn.de
- Telefonseelsorge bundesweit, kostenfrei und rund um die Uhr: 0800 / 111 0 111 oder 0800 / 111 0 222
- Nummer gegen Kummer für Kinder und Jugendliche: 116 111