Von Redaktion, Foto: Hochschule Heilbronn
Ein partizipativer Kraftakt über zwei Jahre – die HHN legt ihr Klimaschutzkonzept vor und zeigt, wie schwer der Weg zur CO2-Neutralität wirklich ist
60 Maßnahmen, das klingt nach viel und wenig zugleich. Nach einem ambitionierten Plan und nach Stückwerk. Die Hochschule Heilbronn hat zwei Jahre lang an ihrem Klimaschutzkonzept gearbeitet, Workshops veranstaltet, ein Ideenportal eingerichtet, Infoveranstaltungen abgehalten. Jetzt liegt das Ergebnis vor – ein Katalog, der von der Dekarbonisierung der Heizzentralen bis zur intelligenten Beleuchtungssteuerung reicht.
„Mit dem Klimaschutzkonzept haben wir nun einen strukturierten Plan, wie wir das Landesziel der netto-treibhausgasneutralen Hochschule 2030 angehen möchten“, wird Tobias Held, Klimaschutzmanager der HHN, in der Mitteilung zitiert. Er war maßgeblich für die Erstellung verantwortlich und wird die Umsetzung begleiten. „Durch die detaillierten Analysen sind wir in der Lage unsere Ressourcen zielgerichtet einzusetzen und Maßnahmen mit hohem Impact besonders zu priorisieren.“
Kanzler Christoph Schwerdtfeger hat den Prozess geleitet. Zwei Jahre partizipative Arbeit – das bedeutet: Professoren, Mitarbeitende und Studierende an einen Tisch bringen, mit dem Amt für Vermögen und Bau Heilbronn abstimmen, mit den Eigentümern der Liegenschaften verhandeln, die Städte Schwäbisch Hall und Künzelsau einbeziehen. Über den WIR-Pakt arbeitet die Hochschule mit der Stadt Heilbronn zusammen.
Der dicke Brocken: die Heizung
Der größte Hebel liegt laut HHN-Mitteilung bei der „Wärme- und Energieversorgung der Gebäude“. Dekarbonisierung der Heizzentralen heißt das im Behördendeutsch – gemeint ist der Umbau von Gas auf alternative Wärmeerzeuger. Dazu kommen Photovoltaikanlagen für mehr erneuerbare Energie und Sanierungen für bessere Energieeffizienz. Jede Maßnahme individuell für jeden Standort entwickelt, „in Absprache mit den jeweiligen Eigentümerinnen und Akteurinnen“, wie es in der Mitteilung heißt.
Das klingt technisch, ist aber hochpolitisch. Denn die Hochschule ist nicht Herrin über alle ihre Gebäude. Sie muss verhandeln, überzeugen, Kompromisse finden. Und das alles bis 2030 – in fünf Jahren.
Weitere Maßnahmen betreffen die Mobilität der Mitarbeitenden, das Recycling, die Beleuchtung. Insgesamt 60 Einzelmaßnahmen, alle als Steckbriefe ausformuliert. Es ist der Versuch, das große Ziel in machbare Schritte zu zerlegen.
Nicht bei null angefangen
„Als Hochschule für Angewandte Wissenschaften schaffen wir nicht nur Wissen, sondern tragen auch Verantwortung – für unsere Gesellschaft und die Zukunft unseres Planeten“, wird Kanzler Schwerdtfeger zitiert. „Das Klimaschutzkonzept ist ein Schritt in eine nachhaltige Gegenwart.“
Die HHN betont, dass Nachhaltigkeit „seit langem ein Anliegen der Hochschule“ sei und „fest in ihrem Selbstverständnis verankert“. Als Beispiele nennt sie das Klimawäldchen am TechCampus und die Teilnahme an Aktionen wie STADTRADELN oder PendlerRatD. Projekte in Lehre und Forschung kämen dazu.
Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie hat die Erstellung des Konzepts gefördert, über die Nationale Klimaschutzinitiative. Auch für die Umsetzung gibt es Bundesfördermittel. Ohne diese Unterstützung wäre das Projekt wohl kaum zu stemmen.
Der Realitätscheck
2030 ist nicht mehr weit. Fünf Jahre für 60 Maßnahmen, für den Umbau von Heizungen, für neue Photovoltaikanlagen, für ein anderes Mobilitätsverhalten. Das ist sportlich, um es vorsichtig zu sagen.
Die HHN ist keine Ausnahme. Alle Hochschulen im Land müssen bis 2030 klimaneutral werden – so will es die Landesregierung. Es ist ein gigantisches Experiment: Können öffentliche Institutionen, gebunden an Haushaltsrecht und Vergabeordnungen, schnell genug umsteuern?