Von Redaktion, Foto: aim
Die aim veranstaltet am 6. Oktober in Tauberbischofsheim einen Fachtag zu herausforderndem Verhalten in der Kita. Der Fachtag zu herausforderndem Verhalten war trotz mehrfacher Aufstockung schnell ausgebucht. Konzipiert hat ihn Nico Neubauer aus dem Team frühe Bildung. Im Interview erklärt er, warum Elternarbeit dabei entscheidend ist.
Geplant war der Fachtag ursprünglich für 120 Teilnehmende. Dann wurde auf 140 erhöht, schließlich auf 150. Trotzdem war die Veranstaltung sehr schnell voll.
Diese Zahlen sagen etwas über den Bedarf aus. Auch bei den Bewerbungen für die Teamqualifizierungen der aim hatten viele Anfragen mit herausforderndem Verhalten zu tun. Für Nico Neubauer war damit klar, dass das Thema Fachkräfte in der ganzen Region beschäftigt.

Fachtag zu herausforderndem Verhalten: Beobachten statt bewerten
Neubauer arbeitete mehrere Jahre in der Kita-Praxis, davon vier Jahre als Leitung. Herausforderndes Verhalten sei in dieser Zeit immer wieder Thema gewesen, berichtet er.
Es habe Kinder gegeben, die in bestimmten Situationen sehr stark reagierten. Zunächst sei es darum gegangen zu verstehen, was gerade der Auslöser war. Ebenso stellte sich die Frage, was dieses Kind braucht.
Entscheidend war für ihn, das Kind dabei nicht sofort einzuordnen. »Jedes Verhalten eines Kindes hat eine Botschaft«, sagt Neubauer im Interview mit der aim. Diese Botschaft müsse man erkennen lernen.
Der Erste-Hilfe-Koffer als Bild
Fachkräfte brauchten einen Werkzeugkasten, so Neubauer. Er selbst nutzt dafür das Bild eines Erste-Hilfe-Koffers. Bei einer Platzwunde wisse man, was zu tun sei, etwa Wundauflage, Druckverband und Kühlung.
Dieselbe Sicherheit brauche es im Umgang mit herausforderndem Verhalten. Konkret gehe es um vier Fragen. Was tue ich akut und was sind die nächsten Schritte? Wann hole ich die Eltern dazu, und wann braucht die Einrichtung externe Unterstützung?
Elterngespräche gehören nicht zwischen Tür und Angel
Ein wichtiger Teil davon ist für Neubauer die Elternarbeit. Diese dürfe allerdings nicht nebenbei stattfinden. Beim Abholen sei ein Satz über das Verhalten des Kindes nicht der richtige Weg.
Stattdessen brauche es ein ruhiges Gespräch außerhalb des laufenden Kita-Betriebs. Dort lasse sich ansprechen, dass es einem Kind gerade nicht gutgehe und dass es sich anders verhalte als sonst.
In solchen Gesprächen erfahre er dann die Hintergründe. Manchmal hätten sich die Eltern getrennt, manchmal bekomme das Kind ein Geschwisterchen, manchmal sei die Großmutter gestorben. Wer diese Zusammenhänge kenne, könne das Verhalten des Kindes einordnen.
Warum kleine Workshops gefragt sind
Besonders schnell ausgebucht war der Workshop »Von der Ohnmacht zur Handlungskompetenz«. Überrascht hat Neubauer das nicht. Gerade Angebote mit konkreten Handlungsmöglichkeiten seien besonders gefragt gewesen.
Fachkräfte wollten nicht noch einen Vortrag hören. Denn am nächsten Morgen stünden sie in der Gruppe sonst wieder vor derselben Frage. Deshalb hat die aim die Workshops bewusst klein gehalten, mit jeweils 25 Teilnehmenden.
Wichtig sei ihm, dass jemand nach einem Workshop sagen könne, zu Wort gekommen zu sein. Ebenso solle das eigene Problem ernst genommen worden sein. Und schließlich solle etwas dabei sein, das sich am nächsten Tag ausprobieren lässt.
Was am Ende bleiben soll
Für Neubauer ist der Fachtag dann ein Erfolg, wenn die Teilnehmenden zwei Gedanken mitnehmen. Der erste lautet, zuerst darauf zu schauen, was hinter dem Verhalten eines Kindes steckt. Der zweite lautet, konkrete Möglichkeiten zum Handeln zu haben.
Er wünsche sich außerdem, dass sich die Fachkräfte wahrgenommen und ernst genommen fühlten. Im besten Fall hinterfragten sie Verhalten häufiger, bevor sie es bewerten. Denn Kinder und ihre Lebenswelten hätten sich verändert.