Erkenntnisse vom Global Technology Forum – mit Scott Hale, Leiter des Oxford Internet Institute und Professor für Sozialdatenwissenschaft an der Universität Oxford
Beim diesjährigen Global Technology Forum am TUM Campus Heilbronn begegnen wir einem Forscher, der seit Jahren die gesellschaftlichen Folgen digitaler Technologien untersucht: Prof. Scott Hale.
„Es gab nie einen klaren Masterplan.“ So beschreibt der Hale seinen Werdegang. Vielleicht ist das typisches britische Understatement. Fest steht jedoch: Als Direktor des Oxford Internet Institute forscht der Wissenschaftler an zentralen Fragen rund um Bilingualität, Informationszugang und Künstliche Intelligenz.
Schon als Kind war Scott Hale von Computern fasziniert. In der Grundschule schrieb er erste Programme und erlebte, wie befriedigend es sein kann, etwas zu entwickeln, das man dann auch nutzen kann. Mit Begeisterung blieb er diesem Feld treu, obwohl sein Vater, Mitarbeiter in der IT-Branche, ihn dazu ermutigt hatte, sich anderen Interessen zuzuwenden.
Als Technologie Menschen ausschloss
Doch als Scott als junger Mann nach Florida ging, um am Eckerd College Informatik, Mathematik und Spanisch zu studieren, folgte er seiner eigenen Intuition. Dort arbeitete er an einem Projekt, das Informatik mit Delfinen verband: Die Meeressäuger wurden anhand von Fotos individuell identifiziert. Als Meeresbiologen von Film- auf Digitalfotografie umstellten, bot sich aus Sicht der Informatiker eine ideale Gelegenheit, den Abgleich der Fotos zu automatisieren.
Dabei entstand jedoch ein unerwarteter Effekt: Den freiwilligen Helfern des Projekts, die aus der Mitte der Gesellschaft kamen, wurde durch die Automatisierung die Teilhabe an Wissenschaft und Forschung genommen. Eine wichtige Erkenntnis für den jungen Scott Hale, die später dazu führte, dass sich seine Forschung mit sozialen Auswirkungen digitaler Technologien befasst.
Forschung zwischen Sprachgrenzen und künstlicher Intelligenz
Nach Zwischenstopps in Mexiko, Peru, Argentinien und Japan landete Scott Hale schließlich 2009 in Oxford. „Es war das erste Jahr, in dem das Oxford Internet Institute einen Masterstudiengang anbot. Ich wollte nur für ein Jahr bleiben und anschließend zurück in die Industrie“, sagt der Professor und lacht. Aber in Oxford erwachte seine Liebe zur Forschung. Seine Doktorarbeit schrieb der mehrsprachige Hale über globale Vernetzung, Informationsverbreitung und die Rolle multilingualer Nutzer auf Plattformen wie Wikipedia und Twitter. Hales Forschung zeigte, wie mehrsprachige Nutzer Informationen über Sprachgrenzen hinweg verbreiten und damit als Brückenbauer zwischen digitalen Gemeinschaften wirken.
Für eine Studie aus dem Jahr 2024 ließen er und sein Team 1500 Personen aus 75 Ländern 21 verschiedene generative KI-Modelle bewerten. Es war nicht überraschend, dass es Unterschiede gab, doch Hale war von den großen Variationen auf individueller Ebene beeindruckt. „Die Vorstellung, ein einziges Modell zu entwickeln, das für alle optimal funktioniert, ist unrealistisch“, schlussfolgerte er. „Tatsächlich stellten wir die größten Unterschiede im Nutzerverhalten auf individueller Ebene fest, nicht auf regionaler Ebene.“
Ein Jahr, das bis heute andauert
Wenn Scott Hale vom Oxford Internet Institute erzählt, leuchten seine Augen. „Unsere gemeinsame Frage lautet: Wie beeinflusst Technologie die Gesellschaft?“
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kommen aus unterschiedlichen Fachrichtungen, arbeiten mit verschiedenen Methoden und Datenquellen. Die internationale und vielfältige Gemeinschaft am Institut empfindet der Professor als enorm bereichernd.
Ähnlich geht es ihm beim Global Technology Forum in Heilbronn. Besonders die Forschung zu Mehrsprachigkeit und Natural Language Processing bietet für ihn Anknüpfungspunkte. Scott Hale genießt seinen zweiten Besuch am TUM Campus Heilbronn und den Austausch mit internationalen Forschenden. Eine engere Kooperation könnte bald Realität werden.
Hätte er sich mit 18 Jahren, auf dem Weg nach Florida, vorstellen können, dass er eines Tages in Oxford landen würde? Und sich mit Forschenden aus aller Welt in Heilbronn zu vernetzen?