Von Redaktion, Fotos: FSTI, bzw. Christian Gleichauf – wortCraft
Das Ferdinand-Steinbeis-Institut hat gemeinsam mit der Bosch Engineering GmbH das Projekt EDCAR vorgestellt. Der EDCAR des Ferdinand-Steinbeis-Instituts ist ein NSU Sport-Prinz von 1960, der zum Schulungsfahrzeug für softwaredefinierte Fahrzeuge umgebaut wurde. Er gehört zur digital.auto-Initiative mit inzwischen 15 Partnern. Entwickelt wird er in Abstatt.
Fahrzeuge, die über Software statt über Hardware definiert werden, gelten als Zukunft der Branche. Das Anschauungsobjekt dafür stammt in diesem Fall aus dem Jahr 1960. Es ist ein knallrot lackierter NSU Sport-Prinz.
Gebaut wurde der Wagen einst in den Karosseriewerken Drauz in Heilbronn. Heute steht er in einer Garage im Bosch-Entwicklungszentrum in Abstatt. Fahren muss er dafür nicht mehr.

EDCAR des Ferdinand-Steinbeis-Instituts: vom Oldtimer zum Schulungsfahrzeug
Das Ferdinand-Steinbeis-Institut (FSTI) hat den Wagen zum Education-Car umgewidmet, kurz EDCAR. Entwickelt wird das Fahrzeug gemeinsam mit der Bosch Engineering GmbH und mit Unterstützung der Audi Akademie Neckarsulm.
Trotz seines Alters steckt der Wagen voller moderner Technik und Sensorik. Er dient als digitaler Playground für Mechatronikerinnen und Mechatroniker, für Fachinformatikerinnen und Fachinformatiker sowie für Entwicklung, Programmierung und Produktdesign.
Der Fachbegriff dahinter lautet Software Defined Vehicle, abgekürzt SDV. Solche Fahrzeuge liefern ihren Nutzen nicht allein über PS. Vielmehr entscheiden Software und die Einbindung externer Dienste und Geräte über das Erlebnis.

Warum ausgerechnet ein Auto ohne Schnittstelle
Die Wahl des Fahrzeugs hat einen praktischen Grund. Der NSU hatte nie eine digitale Schnittstelle. Genau deshalb eignet er sich als Versuchs- und Schulungsobjekt.
Statt lange über Standards zu diskutieren, entschied sich das Team für den umgekehrten Weg. »Wir haben stattdessen ein Auto in die Garage gestellt und angefangen«, sagte Heiner Lasi, akademischer Leiter des FSTI. Man hätte auch drei Jahre über Schnittstellen und Standards reden können, ergänzte er.
Seit Juni 2025 statten die Beteiligten den Wagen mit digitalen Anwendungen aus. Vorgeführt wird unter anderem eine Begrüßungssequenz. Dabei projiziert der Scheinwerfer einen Schriftzug an die Wand. Die Fahrertür öffnet sich, sobald das Auto die Person erkennt. Zudem schaltet sich das Ambiente-Licht zu.
Im Innenraum befinden sich außerdem eine Espressomaschine und ein Lufterfrischer. Solche Funktionen seien in China längst Standard, betonte Dirk Slama laut der Heilbronner Stimme. Ohne umfassende Software und Infotainment lasse sich dort kaum noch ein Auto verkaufen.
Eine offene Plattform für alle
Slama ist Initiator der digital.auto-Initiative und Professor am FSTI. Er beschreibt die Entwicklung mit einem Bild. »Das Auto wird immer mehr zum Smartphone auf Rädern«, sagte er der Heilbronner Stimme.
Die Idee hinter der Initiative geht über das eine Fahrzeug hinaus. Autos sollen künftig auf einer gemeinsamen, offenen und herstellerneutralen Plattform aufgebaut werden. Entwicklerinnen und Entwickler könnten neue Anwendungen dann ähnlich einfach ergänzen wie Apps auf einem Smartphone.
Über den digital.auto-Playground kann sich laut FSTI jede und jeder beteiligen. Dort entstünden offene Standards, die alle nutzen und weiterentwickeln könnten, so Slama. Mit EDCAR lässt sich erstmals der vollständige Weg simulieren, von der Idee im Playground bis zur Ausführung im Fahrzeug.
Das Netzwerk hinter dem Projekt
Das FSTI ist Mitgründer der digital.auto-Initiative und tritt darin als neutraler Moderator auf. Gegründet wurde die Initiative 2022, seitdem ist das Netzwerk gewachsen.
Zum Kreis gehören Bosch, Audi, ams OSRAM, Edscha Gestamp und OP Mobility. Daneben zählen junge Technologieunternehmen wie APPRISIFY und Start-ups aus Asien dazu. Nach Angaben der Heilbronner Stimme umfasst die Initiative inzwischen 15 Partner und kooperiert zudem mit Google und Alibaba.
Präsentiert wurde EDCAR bereits auf der IAA in München und auf der Automesse in Schanghai. Weitere Partner sind willkommen. Als Vorteil der Region nennen die Initiatoren die enge Zusammenarbeit von Forschungseinrichtungen, Mittelstand, Konzernen und Start-ups in Heilbronn.