Von Redaktion, Foto: HHN
Kiara Dos Santos Cerqueira studiert International Business & Intercultural Studies an der Hochschule Heilbronn. Daneben tanzt sie Hip-Hop in einer reinen Frauencrew und startet in diesem Jahr erneut bei der Weltmeisterschaft. Das Spitzensport-Stipendium der HHN hilft ihr dabei, beides zu verbinden. Bewerbungen sind noch bis zum 15. September möglich.
Kurz vor dem Auftritt beißt jede Tänzerin in eine Zitronenscheibe. Das gehört zum Ritual der Crew. Danach geht es raus auf die Bühne.
Kiara Dos Santos Cerqueira kennt diesen Moment gut. Sie tanzt Hip-Hop in einer Meisterschaftscrew und studiert zugleich International Business & Intercultural Studies an der Hochschule Heilbronn (HHN).

Von der Zuschauerin zur Meisterschaftscrew
Angefangen hat sie mit acht Jahren. Ihre ältere Schwester habe getanzt, und sie selbst sei immer bei deren Trainings dabei gewesen.
Zwischen etwa zwölf und sechzehn gehörte sie einer festen Gruppe an. Damals trat sie bei Street-Dance-Contests in Jugendhäusern auf und wirkte in Musicals ihrer damaligen Tanzlehrerin mit.
Dann kam Corona. Weil die Studios schlossen, hörte sie auf. Nach der Rückkehr aus den USA habe sie gemerkt, wie sehr ihr das Tanzen gefehlt habe.
Im Oktober 2024 begann sie wieder, diesmal in einer Tanzschule in Stuttgart. Dort lud man sie zum Probetraining der Meisterschaftsgruppe »Raw Messenger« ein.
Fünf Stile und eine reine Frauencrew
Bei »Raw Messenger« tanzt sie bis heute. Zwei Wochen vor dem Interview startete die Crew bei der Deutschen Meisterschaft.
In ihrer Crew tanzt sie heute Hip-Hop, Krump, Waacking, Popping und Funkstyles. Alle gehören zu den New-Style-Richtungen.
Bei der Meisterschaft »Hip Hop International« sei Hip Hop Pflicht, erklärt sie. Die weiteren Stile könne jede Crew frei wählen. Für Krump habe sich die Gruppe entschieden, weil ein früherer Trainer darauf spezialisiert gewesen sei.
Krump werde normalerweise eher von Männern getanzt. Genau das mache ihre reine Frauencrew besonders. Waacking und Popping seien dagegen typische Meisterschaftsstile.
Was das Tanzen ihr gibt
Acht Tänzerinnen gehören zur Crew, jede mit eigenem Stil. Als Meisterschaftscrew sei Synchronität aber extrem wichtig, und im Formationstraining arbeite die Gruppe präzise daran.
Beim Tanzen könne sie komplett abschalten, sagt Dos Santos Cerqueira. Außerdem lerne man dabei viele Menschen kennen.
»Die Tanz-Community ist unbeschreiblich offen und herzlich«, sagte sie im Interview mit der HHN. Inspiration findet sie unter anderem bei Chris Brown sowie bei Parris Goebel aus Neuseeland. Deren Kreativität sei atemberaubend, so die Studentin.
Zwischen Stuttgart und Heilbronn
Die größte Herausforderung liege im Zeitmanagement. Sie studiere in Vollzeit, pendle zwischen Stuttgart und Heilbronn und arbeite nebenher. Dazu kommt jedes Wochenende Training.
Vor Meisterschaften trainiere die Crew fast täglich. Am Freitag oder Samstag stehen zwei Stunden an, sonntags vier. Die Gruppe wärmt sich gemeinsam auf und macht Drills für die einzelnen Stile.
Zu Saisonbeginn zeigt der Captain neue Choreografien und Formationen. Unter der Woche kommen einzelne Kurse der Tanzschule dazu.
Hinzu kommt die körperliche Belastung, denn im Training stoße man oft an seine Grenzen. Vor Auftritten schieße zudem das Adrenalin durch den Körper.
Spitzensport-Stipendium an der HHN: Entlastung für eine kaum geförderte Sportart
Bislang habe sie kaum Überschneidungen zwischen Studium und Meisterschaften gehabt. Ihr Ansprechpartner Jan unterstütze sie jedoch, wenn es nötig werde. Im Vorjahr lag die Weltmeisterschaft in Arizona mitten in der Prüfungsphase.
Finanziell helfe das Stipendium sehr, weil Tanzen kaum gefördert werde. Reisen zu Wettkämpfen ins Ausland, Outfits und Trainingsstunden müssten die Tänzerinnen komplett selbst tragen. An dieser Stelle sei das Stipendium eine große Entlastung.
Dos Santos Cerqueira tanzt für den Verein DanceYourMessage e. V. in Fellbach. Zu ihren größten Erfolgen zählt die Teilnahme an der Hip-Hop-International-Weltmeisterschaft 2025 in Arizona.
Warum International Business an der HHN
Nach dem Abitur stand die Frage im Raum, wie es weitergeht. Sprachen hätten sie interessiert, deshalb informierte sie sich deutschlandweit. Freunde, die an der HHN studieren, empfahlen ihr den Studiengang.
Im ersten Semester belegte sie Spanisch und Arabisch. Arabisch musste sie wegen Zeitmangel wieder abwählen, Spanisch führt sie weiter. Bei Sonne sitzt sie am Bildungscampus draußen beim Brunnen, sonst zieht es sie ins N-Gebäude.
Der Moment, auf den sie stolz ist
Im Vorjahr stand ihre erste Meisterschaft nach viereinhalb Jahren Pause an. In der Crew tanzten viele seit der Kindheit ohne Unterbrechung. Trotzdem habe sie mithalten können, und darauf sei sie sehr stolz.
Danach fuhr die Crew gemeinsam zur Weltmeisterschaft in die USA. In diesem Jahr geht es erneut dorthin. Für das Spitzensport-Stipendium der HHN können sich Studierende noch bis zum 15. September bewerben.