Von Redaktion, Fotos: aim
Wie erkennt man verlässliche Nachrichten, und warum braucht eine Demokratie freie Presse? Mit solchen Fragen bringt »Journalismus macht Schule« Journalistinnen und Journalisten in den Unterricht. Emily Marković koordiniert das Projekt seit März 2026 für Baden-Württemberg an der aim. Im Interview erklärt sie, was Schülerinnen und Schüler dabei mitnehmen und warum Nachrichtenkompetenz heute wichtiger denn je ist.
Karla Kolumna, die rasende Reporterin aus Benjamin Blümchen, ist mit ihrem Roller ständig unterwegs, immer auf der Suche nach der nächsten Geschichte. Genau diese Neugier fasziniert Emily Marković. Man grabe Geschichten aus, spreche mit den unterschiedlichsten Menschen und arbeite sich in Themen ein, sagt sie über das, was sie am Journalismus reizt.
Für die aim koordiniert Marković das Projekt »Journalismus macht Schule« in Baden-Württemberg. Die Idee dahinter ist einfach. Journalistinnen und Journalisten kommen in den Unterricht und erzählen, wie ihre Arbeit funktioniert. Schülerinnen und Schüler lernen, wie Nachrichten entstehen, wie sich verlässliche Informationen erkennen lassen und warum eine freie Presse zur Demokratie gehört.

Journalismus macht Schule kommt nach Baden-Württemberg
Ihre Stelle bei der aim ist neu, ihre Aufgaben entwickeln sich nach eigenen Worten noch. Marković tauscht sich mit anderen Akteuren der Medienbildung im Land aus und steht im Kontakt mit dem Team in Berlin. Langfristig will sie Journalisten für Schulbesuche gewinnen und Lehrkräfte dafür, das Angebot anzufragen. Gerade in Zeiten von KI brauche es Menschen, die kritisch recherchieren und verschiedene Perspektiven auf ein Thema beleuchten, so ihre Überzeugung.
Zur aim kam Marković über ein Studienprojekt. An der Universität Tübingen interviewte sie einen Forscher, der Beitrag erschien anschließend im Vorgängermagazin von evido., dem Schulmanagement-Magazin der aim. Aus dieser ersten Verbindung wurde später eine Bewerbung.
Warum Nachrichtenkompetenz heute zählt
Kinder wüchsen heute mit Social Media und in einer von Krisen geprägten Zeit auf, gibt Marković zu bedenken. Dort stießen sie auf Fake News, Desinformation und extremistisches Gedankengut. Angebote wie »Journalismus macht Schule« sollten sie darin schulen, sich ausgewogen und faktenbasiert zu informieren. Sie sollten verstehen, wie Journalisten recherchieren und warum eine freie Presse für die Demokratie unerlässlich sei.
Für die Unterrichtsbesuche wünscht sich Marković, dass die Jugendlichen den Journalismus kennenlernen und die Mechanismen von Desinformation, Fake News und Social Media besser durchschauen. Manche entdeckten dabei vielleicht Lust auf den Beruf, andere läsen Nachrichten aufmerksamer oder hinterfragten Postings kritischer. Auf den Punkt gebracht habe das die Fernsehmoderatorin Clarissa Corrêa da Silva, die bei dem Projekt mitwirkt: »Journalismus und Pressefreiheit sind keine Selbstverständlichkeit.«
Wer mitmachen kann
An alle Unentschlossenen, ob Lehrkraft oder Journalist, richtet Marković eine knappe Aufforderung. »Wer nicht wagt, versagt«, sagt sie. Lehrkräfte holten sich Praxiserfahrung in den Unterricht, Journalisten trügen zum Erhalt der demokratischen Gesellschaft bei und erführen zugleich, was junge Menschen lesen wollen. So profitierten beide Seiten.
Das Projekt startete 2019 in Bayern, zunächst als Alumni-Idee. Journalisten kehrten an ihre alten Schulen zurück und sprachen dort über ihren Beruf. Seit 2022 ist »Journalismus macht Schule« ein eingetragener gemeinnütziger Verein mit einem bundesweiten Netzwerk. Mitmachen können hauptberufliche Journalistinnen und Journalisten mit mindestens drei Jahren Berufserfahrung, ob im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, bei privaten Medienhäusern oder freischaffend. Didaktische Erfahrung ist nicht nötig, zwei Referenzen zur journalistischen Tätigkeit genügen. In Baden-Württemberg gibt es dafür noch Bedarf. Es braucht mehr Mitwirkende, und das Angebot soll an den Schulen bekannter werden.