Bürger-Uni in Heilbronn: Warum Vorsorge für kritische Infrastrukturen zählt

Von Redaktion, Fotos: TUM Campus Heilbronn

Wie gut ist Deutschland auf Katastrophen und Angriffe auf kritische Infrastrukturen vorbereitet? Bei einer Bürger-Uni in Heilbronn machte Risikoforscher Alexander Fekete deutlich, dass Vorsorge und Bevölkerungsschutz vielerorts hinterherhinken. Er appellierte zugleich an die Eigenverantwortung jedes Einzelnen. Zu dem Abend luden die Dieter Schwarz Stiftung, die Heilbronner Stimme und der TUM Campus Heilbronn ein.

»Wer hat einen gepackten Notfallrucksack griffbereit an der Haustür?« Auf diese Frage von Moderator Tobias Wieland ging im Saal keine einzige Hand nach oben. Der Moment fasste zusammen, worum es an diesem Abend ging. Bei der Bürger-Uni auf dem Bildungscampus in Heilbronn stand die Vorsorge für kritische Infrastrukturen im Mittelpunkt.

Als Referent sprach Alexander Fekete, studierter Geologe und Professor für Risiko und Krisenmanagement an der TH Köln. Gastgeberin war Luise Pufahl, Professorin für Information Systems am TUM Campus Heilbronn. Sie stimmte das gut besuchte Publikum auf das Thema ein. Wie wichtig kritische Infrastrukturen seien, merke man oft erst, wenn sie fehlten.

Pufahl konnte dabei aus dem direkten Umfeld berichten. Als im Januar ein Angriff auf die Stromversorgung Teile Berlins lahmlegte, erlebten Freunde von ihr die Folgen. »Man hat gemerkt, dass Polizei und Feuerwehr nicht ideal vorbereitet waren«, sagte die gebürtige Berlinerin.

Gefahren, die näher rücken

Fekete gab zu, dass sein Vortragstitel sperrig klinge. Dahinter stünden jedoch sehr konkrete Themen. Er nannte Starkregen, Hitzewellen und Flächenbrände, dazu Sabotage, Cyberangriffe, Desinformation und die Beeinflussung von Wahlen. Wie nah solche Gefahren sind, verdeutlichte Moderator Wieland mit einer eigenen Erinnerung. Als Redakteur der Heilbronner Stimme erlebte er die Sturzflut von Braunsbach im Mai 2016. Vom Morgen danach berichtete er von verheerenden Zuständen an den Engstellen des Kochertals.

Warum die Vorsorge hinterherhinkt

Die Neigung, Gefahren zu verdrängen, bestätigte Fekete. Er nannte Menschen, die Nachrichten meiden, und Verwaltungen, deren Server noch im Keller stehen. Zugleich verwies er auf die Folgen realer Katastrophen. Von rund 9.000 betroffenen Häusern im Ahrtal seien nur etwa 40 nicht wieder bezogen worden. Sein Fazit: Im Alltag könne jederzeit etwas passieren, wirklich vorbereitet sei man aber nicht.

Einen Grund sieht Fekete in den Zuständigkeiten. Der Bund dürfe nur im Verteidigungsfall tätig werden, bei Katastrophen seien die Länder zuständig. Im Ahrtal hätten die Einsatzkräfte einen großartigen Job geleistet, zugleich habe es finanzielle Hürden gegeben. Auf die Frage, warum mancherorts kein Katastrophenalarm ausgelöst wurde, habe eine Kommune eingeräumt, sie habe die alleinigen Kosten gefürchtet.

Der Wille jedes Einzelnen

Vor diesem Hintergrund ordnete Fekete politische Weichenstellungen ein. Das im März vom Bundestag beschlossene KRITIS-Dachgesetz zur Stärkung der physischen Resilienz sei keine Panikmache. Auch die Vorbereitung auf einen möglichen Konfliktfall an der Nato-Grenze hält er nicht für Schwarzmalerei, sondern für eine Frage der Sicherheit.

Zugleich appellierte der Wissenschaftler an jeden Einzelnen, Szenarien vorauszudenken. Statt bei Hochwasser das Auto aus der Tiefgarage zu retten, solle man früher an hilfsbedürftige Nachbarn denken. Seinen Wunsch brachte Fekete zum Schluss auf den Punkt. »Wenn im Nachgang mindestens zehn Zuhörer ihre Dokumententasche an der Haustür hängen haben, dann war diese Bürger-Uni ein Erfolg«, sagte er.

Die nächste Bürger-Uni in Heilbronn

Die Reihe geht am 11. November weiter. Dann spricht Hartwig Anzt vom TUM Campus Heilbronn darüber, wie Supercomputer unser Leben verändern, mit Blick auf Gesundheit und Klima.

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