Von Redaktion, Fotos: ChatGPT / Robert Mucha
Wie lassen sich Risiken für einen Studienabbruch früher erkennen? Darüber diskutierten rund 50 Teilnehmende bei einer Online-Veranstaltung der DHBW. Organisiert haben sie die Studienakademien Heilbronn und Karlsruhe. Im Fokus stand, wie Studierende, Lehrende und Duale Partner gemeinsam passende Unterstützung anbieten können.
Ein Studienabbruch ist selten eine spontane Entscheidung. Meist geht ihm ein längerer Prozess voraus, in dem sich Probleme summieren. Genau deshalb lohnt der frühe Blick auf mögliche Warnsignale. Um diesen Blick ging es bei der 13. Ausgabe der Reihe »DHBW Live: Let’s talk about …«.
Unter dem Titel #studienabbruchvermeiden widmete sich die Online-Veranstaltung der Frage, wie sich Hürden im dualen Studium meistern lassen. Durchgeführt hat sie die Duale Hochschule Baden-Württemberg, organisiert von den Studienakademien Heilbronn und Karlsruhe. Prof. Dr. Tomás Bayón, Prorektor der DHBW Heilbronn, begrüßte die knapp 50 Teilnehmenden. Anschließend gab Isabelle Pelz vom Education Support Center Einblicke in die statistische Datenlage. Sie stellte Evaluationsergebnisse von Erstsemesterstudierenden der DHBW Karlsruhe vor sowie eine Übersicht der erfassten Gründe für eine Beendigung des Studiums an der DHBW Heilbronn.
Was die Forschung zum Studienabbruch zeigt
Die wissenschaftliche Perspektive steuerten Dr. Stefen Müller und Julia Kleine von der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau bei. In ihrer Keynote »Studienabbruch im Hochschulkontext« stellten sie Ursachen, Modelle und Ergebnisse ihrer Studienabbruchbefragung vor. Damit ergänzten sie die standortbezogenen Erfahrungen der DHBW um theoretische Modelle und empirische Befunde.
Besonders häufig passieren Studienabbrüche laut Müller in den ersten beiden Semestern des Bachelorstudiums. Zur Einordnung verwies er auf Zahlen des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung. Demnach liegt die Abbruchquote der Bachelor-Studienanfängerinnen und -anfänger des Jahrgangs 2020 an Universitäten bei 35 Prozent. An Hochschulen für angewandte Wissenschaften beträgt sie 20 Prozent.
Relevant ist das Thema jedoch nicht nur für Hochschulen. Teilnehmende berichteten von einer zunehmenden Zahl an Ausbildungsabbrüchen und nannten einen Wert von 25 Prozent. Diese Praxiserfahrung deckt sich weitgehend mit dem Ausbildungsreport 2025 des Deutschen Gewerkschaftsbunds, der von knapp 30 Prozent berichtet. Für Duale Partner und Ausbildungsunternehmen stellt sich die Frage also ebenso.
Wo Studierende an Grenzen kommen
Als mögliche Ursachen nannte Müller Leistungsprobleme, falsche Erwartungen und hohen Zeitaufwand. Hinzu kommen Überforderung sowie mangelnde Studienzufriedenheit und Motivation. Auch institutionelle Aspekte spielten eine Rolle, etwa unpassende Studienbedingungen und unklare Anforderungen.
Gegen falsche Erwartungen hat die RPTU bereits Maßnahmen entwickelt. Dazu zählt studentisches Mentoring, das beispielsweise auch an der DHBW Karlsruhe zum Einsatz kommt. Ihr Frühwarnsystem greift zudem, wenn nach zwei Semestern zu wenige ECTS-Punkte vorliegen. Danach folgt eine gemeinsame Reflexion mit der Fachstudienberatung.
Anlaufstellen und Angebote der DHBW
Zum Abschluss gaben Annika Link aus dem Prüfungsamt der DHBW Karlsruhe und Ina Daum vom Education Support Center der DHBW Heilbronn einen Überblick über die Unterstützungsangebote. Wer einen Abbruch erwägt, findet an der DHBW ein enges Netz aus Beratung und Hilfestellung. Dazu gehören die Studiengangsleitung und das Prüfungsamt, das etwa bei Beurlaubungen rechtlich berät. Auch das zuständige Studierendenwerk hilft weiter, beispielsweise mit psychosozialer Beratung. Die zentrale Botschaft: Ein möglicher Studienabbruch muss nicht allein entschieden werden.
Darüber hinaus bietet die DHBW ein Online-Studienvorbereitungsprogramm zu Mathematik, Selbstmanagement und wissenschaftlichem Arbeiten. Es richtet sich besonders an Studienanfängerinnen und Studienanfänger. Ergänzend steht allen Studierenden die standortübergreifende Resilienz-Plattform RESI kostenfrei offen. Sie umfasst unter anderem digitale Sport- und Entspannungskurse als Ausgleich zum Studium.
Ein kontinuierlicher Prozess
Vollständig vermeiden lassen sich Studienabbrüche nicht, unabwendbar sind sie aber ebenso wenig. Entscheidend sind laut Fazit der Veranstaltung Bereitstellung, Sichtbarkeit und Kommunikation passgenauer Maßnahmen. Angebote müssten deshalb früh bekannt sein, niedrigschwellig erreichbar bleiben und regelmäßig kommuniziert werden. So verstehen die Beteiligten #studienabbruchvermeiden nicht als einmalige Aufgabe, sondern als fortlaufenden Prozess.