Von Redaktion, Fotos: HHN
Seit Anfang März steht im Innenhof des D-Baus am TechCampus der Hochschule Heilbronn ein ungewöhnliches Lernobjekt. Der FarmBot am TechCampus verbindet Robotik mit Gartenarbeit. Der Open-Source-Roboter sät, bewässert und erkennt sogar Unkraut. Studierende erproben an ihm Programmierung, Steuerung und Fehlersuche.
An Wochenenden und in der vorlesungsfreien Zeit blieben die Hochbeete am TechCampus oft sich selbst überlassen. Aus diesem Alltagsproblem ist ein Lernlabor geworden. Seit Anfang März steht im Innenhof des renovierten D-Baus ein FarmBot. Der Roboter kümmert sich um das Beet und dient den Studierenden zugleich als Übungsobjekt.
Georg Wörle sah in der ungepflegten Fläche eine Chance. Gemeinsam mit Fabian Finkbeiner betreut er das Projekt, beide sind wissenschaftliche Mitarbeiter im Industrieroboterlabor der HHN. Ihre Idee: Technik und Lernen mit Gartenarbeit verbinden. Ziel ist es, den Studierenden das Gärtnern mithilfe digitaler Technologien näherzubringen, auch jenen ohne grünen Daumen.

Der FarmBot am TechCampus als Lernobjekt
Der FarmBot ist mehr als eine Spielerei. An ihm erproben Studierende Programmierung, Steuerung und Fehlersuche direkt an einem realen System. Weil es sich um ein Open-Source-Projekt handelt, dürfen sie den Quellcode verändern und Komponenten austauschen. Funktioniert etwas nicht, analysieren und beheben sie die Ursache selbst.
Zwei Studierende des sechsten Semesters haben ihre Seminararbeiten zu dem Projekt verfasst. Beide studieren Mechatronik und Robotik: Ben Krauss und Mattia Musardo. Die Seminararbeit ist das erste größere Projekt vor der Bachelorthesis und führt an das wissenschaftliche Arbeiten heran. »Wichtig ist, dass die Studierenden lernen, wissenschaftlich zu arbeiten, Probleme systematisch zu analysieren und ihre Ergebnisse nachvollziehbar zu präsentieren«, sagt Georg Wörle. Das Thema sei dabei bewusst offen gehalten.
Ein Roboter mit drei Achsen
Technisch ist der FarmBot ein kartesischer Roboter. Er bewegt sich nur entlang der drei Achsen X, Y und Z, also vorwärts und rückwärts, links und rechts sowie hoch und runter. Entwickelt haben ihn die kalifornischen Ingenieure Rory Aronson, Rick Carlino und Tim Evers. Geliefert wird er als vorgefertigter Bausatz samt Software. Die Studierenden bauten und verkabelten ihr Modell mit dem Namen »Genesis« selbst.
Im Beet übernimmt der Roboter inzwischen viele Aufgaben. Er sät Samen präzise, misst die Bodenfeuchtigkeit und bewässert Pflanzen individuell. Sogar Unkraut erkennt und entfernt er. Aktuell wachsen dort unter anderem Brokkoli, Porree und Karotten. Bisher kommt der FarmBot im Studiengang Mechatronik und Robotik zum Einsatz, grundsätzlich steht er aber allen Interessierten offen.
Vorbild Landwirtschaft
Ersetzt der Roboter den Menschen eines Tages im Garten? Wörle verweist auf die Landwirtschaft, wo die Entwicklung bereits sichtbar sei. Bauern würden zunehmend von intelligenten Maschinen unterstützt, um Effizienz, Präzision und Nachhaltigkeit zu steigern. GPS-gesteuerte Traktoren mit Sensoren könnten Pflanzenschutz und Dünger bedarfsgerecht ausbringen und so die Umweltbelastung geringhalten. Ziel sei es, die Arbeit zu erleichtern und den Landwirt zu unterstützen.