Von Redaktion, Fotos: TUM
Der CEO von Deutschlands größter Autovermietung war zu Gast in Heilbronn. In der CEO Leadership Series der TUM School of Management sprach Alexander Sixt über seinen Weg an die Konzernspitze. Sein Schlüssel für langfristigen Erfolg: antizyklische Investitionen in Krisenzeiten. Der Vorlesungssaal auf dem Bildungscampus war bis auf den letzten Platz gefüllt.
In vielen Familienunternehmen ist die Nachfolge eine Frage der Geburt. Die Kinder rücken nach, der Betrieb geht über. Bei SIXT lief es anders. Wie Alexander Sixt über Umwege an die Spitze des Mobilitätsdienstleisters kam, schilderte er in Heilbronn.

Volles Haus für die CEO Leadership Series
Eingeladen hatte ihn die CEO Leadership Series der TUM School of Management. Chengguang Li, Professor für Strategic Management am TUM Campus Heilbronn, führte durch das Gespräch. Der Vorlesungssaal auf dem Bildungscampus war bis auf den letzten Platz gefüllt. »Es ist mir eine unsagbar große Freude, Alexander Sixt heute hier zu begrüßen«, sagte Li, der selbst zufriedener Kunde des Unternehmens ist.
Der Auftritt lohnte sich. Seit seinem Einstieg 2009 hat das Unternehmen seinen Umsatz mehr als vervierfacht. Zuletzt lag er bei knapp 4,3 Milliarden Euro im Jahr 2025.
Ein Weg über Umwege
Dass Sixt einmal in das Familienunternehmen eintreten würde, war lange nicht ausgemacht. Sein Vater Erich Sixt habe ihm und seinem Bruder früh Freiheit und Verantwortung vermittelt, berichtete er. Beide hätten ihren eigenen Weg finden sollen, ohne Verpflichtung zur Nachfolge. Aufgewachsen sei er in einer ländlichen Region bei München, viele Wochenenden habe er auf dem Bauernhof der Großeltern verbracht. Nach dem Abitur studierte er an der ESCP in Paris, London und Berlin, mit den Schwerpunkten Corporate Finance und Accounting.
Seine ersten Stationen führten ihn ins Investment Banking der Deutschen Bank und in die Restrukturierung bei Roland Berger. Erst 2009, mitten in der Finanzkrise, entschied er sich für den Schritt ins Unternehmen. Dort verantwortete er zunächst ein Kosten- und Effizienzprogramm bei SIXT Leasing. Es folgten Konzernstrategie, Konzerneinkauf, der globale Technologiebereich und das Personalressort. 2015 wurde er in den Vorstand berufen.
Antizyklisch durch die Krise
Krisen versteht Sixt als Chancen. »Wir haben aus jeder Krise etwas gemacht, sind stets gestärkt daraus hervorgegangen und haben auch genau während dieser Krisen antizyklische Investitionen getätigt«, sagte er. Ein Beispiel lieferte die Corona-Krise. Als das Vermietgeschäft nahezu stillstand, übernahm SIXT in den USA entscheidende Flughafenkonzessionen eines Wettbewerbers aus einem Insolvenzverfahren. Heute trägt dieses Geschäft maßgeblich zum US-Umsatz bei. Seit der Pandemie hat SIXT ihn auf 1,5 Milliarden US-Dollar mehr als verdreifacht. Das ist mehr als ein Drittel des Konzernumsatzes.
Software als Teil der DNA
Zum Erfolg gehört für Sixt auch der richtige Umgang mit Technologie. Den Großteil der Software entwickle das Unternehmen seit jeher selbst, erklärte er. Schon sein Vater habe in den 1960er-Jahren die ersten Mietvertragsprogramme geschrieben. Heute seien Cloud-Systeme und Künstliche Intelligenz fest etabliert. Von den Möglichkeiten der KI zeigte sich Sixt fasziniert. Sie erlaube es Managern, ohne Umwege in die Analyse von Problemen einzusteigen und diese in großer Detailtiefe selbst zu lösen.
Auch die Automobilbranche stehe vor Umwälzungen. Die Mobilität werde elektrisch sein, offen seien aber der Weg dorthin und die dafür nötige Zeit. Eine Voraussetzung sei eine leistungsfähige Ladeinfrastruktur, die vielerorts noch fehle. Das autonome Fahren werde weiter an Bedeutung gewinnen, auch in Deutschland. Das Geschäftsmodell von SIXT sieht er dadurch nicht gefährdet, sondern eher beschleunigt.
Recruiting und Demut
Ein Thema interessierte die Studierenden besonders: das Recruiting. In Bewerbungsgesprächen wolle er zuerst den Menschen kennenlernen und verstehen, was ihn geprägt habe, sagte Sixt. Dazu gebe er sich zuweilen bewusst provokant, um die Bewerber aus der Reserve zu locken. Mitbringen sollten Kandidatinnen und Kandidaten vor allem Neugier, Veränderungsbereitschaft und einen klaren Fokus.
Ebenso wichtig sei die Entwicklung von Führungskräften aus dem Unternehmen heraus. So habe etwa Nico Gabriel, heute Vorstandsmitglied und COO, 2004 als Trainee begonnen. Bei allem Erfolg mahnte Sixt zur Demut. Funktionen, Titel und Erfolge seien bei jedem, ihn selbst eingeschlossen, nur geliehen. Wichtig sei, sich stets der Sache zu verschreiben.
Prägend sind für Sixt zudem die Werte des Sports. Ein Großteil der Führungskräfte im Unternehmen treibe oder trieb Leistungs- oder Vereinssport. Daraus lasse sich viel für den Arbeitsalltag lernen, etwa Disziplin, Teamgeist und der Umgang mit Niederlagen. Sein Rat an die Studierenden fiel entsprechend aus: neugierig bleiben, sich von Rückschlägen nicht entmutigen lassen und Verantwortung übernehmen. Die CEO Leadership Series wird im Wintersemester fortgesetzt.