ARD-Programmdirektorin & Wahlheilbronnerin Christine Strobl – Mehr als nur »Tochter oder Gattin von«

Text: Kathrin Stärk, Foto: ARD

Medienmanagerin mit gutem Händchen

Ob das irgendwann mal vorbeigeht? Anfang August ist Christine Strobl 50 Jahre alt geworden. Und obwohl sich die Volljuristin seit ihrem Einstieg ins Berufsleben stetig nach oben gearbeitet hat, wurde jede Sprosse auf ihrer Karriereleiter kritisch hinterfragt. Strobls Berufsweg startete 1999 mit einem Trainee beim Südwestrundfunk (SWR), heute verantwortet sie als neue ARD-Programmdirektorin und Nachfolgerin von Volker Herres das Erste Deutsche Fernsehen und die Mediathek.

Nachdem die ARD-Intendanten Christine Strobl im September 2020 zur Programmchefin ernannten, ging es – wie so oft – erst einmal um ihren familiären Background: Als Tochter des Bundestagspräsidenten und CDU-Politikers Wolfgang Schäuble und Ehefrau von Thomas Strobl, ebenfalls CDU-Politiker und baden-württembergischer Innenminister, musste sich Strobl immer wieder beweisen. Dabei hatte sie in ihrem Berufsleben mehrfach gezeigt, dass sie ein gutes Händchen und viel Durchhaltevermögen hat, – was in einer der mächtigsten Posten des Senders sicherlich nicht schaden kann. 

Nach Stationen bei SWR4 und bei der SWR-Intendanz in Stuttgart wurde sie erst Personal- und Etatreferentin und 2007 Leiterin der Abteilung »Kinder- und Familienprogramm Fernsehen«. Sie gilt als die Modernisiererin des Tigerenten-Clubs. Aber egal, welchen Job sie antrat, für die Medien war die erfolgreiche Medienmanagerin immer die Tochter ihres Vaters oder die Gattin ihres Mannes. Einzig der Spiegel traute ihr Großes zu und titelte im Frühjahr 2021: »Kann diese Frau die ARD retten?« (Link).

Nachdem ihre Wahl im September 2020 bekanntgegeben wurde, fragte ZAPP – Das Medienmagazin des NDR: »Neue ARD-Programmdirektorin Strobl: zu große CDU-Nähe?« 

Dabei betonte Christine Strobl immer wieder: »Wessen Frau oder Tochter ich bin, spielt für meinen Beruf keine Rolle.« Im Sommer 2012  – kurz bevor sie als Geschäftsführerin der ARD-Tochter Degeto antrat – ergänzte sie im Spiegel-Interview: »Die einzige Überschneidung von Familie und Job ist, dass in meinem Büro ein Foto meiner Großeltern steht.« Die Eckdaten ihres Lebens (ältestes von vier Kindern, seit 1996 verheiratet, Ende der 1980er-Jahre in die Junge Union (JU) eingetreten, langjähriges CDU-Mitglied) kann man auch getrost auf Wikipedia (Link) nachlesen.

Die Medienfrau weiß selbst, wie schwierig ihre Nähe zur CDU ist und in welcher Position sie das verantworten kann. So war sie 2019 als SWR-Intendantin im Gespräch, doch Strobl lehnte ab. Mit ihrem Mann als stellvertretendem Ministerpräsidenten ließe sich diese Funktion nicht vereinbaren, sagte sie damals der »Heilbronner Stimme«. Sicherlich eine kluge Entscheidung, auch wenn der Intendantinnen-Job eine Riesenchance gewesen wäre. 

Ein weiterer Grund war auch der Schutz des Senders, denn dem SWR fühlt sich Strobl bis heute eng verbunden. »Das ist immer wieder wie Heimkommen«, sagte sie im Juli 2020 im SWR1-Leute-Interview (Link). Damals hatte sie bereits acht Jahre die Degeto als Geschäftsführerin geleitet. Doch auch hier sah sie sich mit der üblichen Fragen-Palette konfrontiert. Ganz entspannt parierte sie vermeintlich kritische Fragen – und zeigte, wie schlagfertig und trotzdem charmant sie sein kann. 

Auf eine Suggestiv-Frage nach dem 400-Millionen-Euro-Jahresbudget der ARD-Tochter antwortete sie lächelnd: »Richtig abgelesen.« Um dann kurzerhand aufzuzeigen, wie breit gefächert das Repertoire mittlerweile war – von besonderen Kinofilmen, die erstmals im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu sehen waren, bis hin zu Serien wie »Sturm der Liebe« oder »Rote Rosen«. Gerade seichte Stoffe hatten der Degeto den Ruf einer Süßstoffabrik eingebracht. Doch das war sicherlich das kleinere Problem, als Strobl 2012 in die Bresche sprang und der schlingernden Firma einen strengen Sparkurs verordnete. Ihr Vorgänger hatte das Budget über Jahre hinweg verplant, was damals ein riesiger Skandal war. Man unkte, sie werde nicht lange durchhalten, an den Aufgaben könne man nur scheitern. Doch Strobl bewies Durchhaltevermögen, stellte die Degeto finanziell neu auf und erweiterte das thematische Repertoire. 

Sie bewies, dass sie ein Händchen für gute, kreative Leute hat und fädelte auch die Beteiligung am Seriengroßprojekt »Babylon Berlin« ein. Der Deal mit Sky schmeckte sicher nicht allen. »Wir haben damals Neuland betreten«, betont sie. Nach der Ausstrahlung der ersten drei Folgen in der ARD sei sie mehr als zufrieden gewesen: »Das gab laute Jubelschreie.« Die Messlatte zur Primetime am Sonntag im Ersten legte natürlich der Tatort. Und dieses Niveau hatte »Babylon Berlin« locker erreicht.  

Nicht zuletzt mit diesem Erfolg konnte sie das Image der ARD-Tochter aufpolieren. Die Serie wurde weltweit in über 100 Länder verkauft. Eines ihrer wichtigsten Projekte ist die ARD-Mediathek, die Strobls Meinung nach »mit Netflix und Co. konkurrieren kann. Dafür muss man aber Geld in die Hand nehmen«. Nahezu prophetisch, wenn man diese Worte rückblickend betrachtet, denn seit Mai 2021 fällt eben diese etwas angestaubte Mediathek in Strobls Zuständigkeitsbereich.

Überhaupt gab es immer viel Lob für Strobls Arbeit, sie gilt als Hoffnungsträgerin mit hoher fachlicher Kompetenz und als absolut integer. Trotzdem, so RBB-Intendantin Patricia Schlesinger im Gespräch mit ZAPP, sei der Posten als Programmchefin keine »One-Woman-Show«. Zweiflern, denen ihre Nähe zur CDU immer noch suspekt ist, erteilte sie dann auch noch mal explizit eine Absage: »Das eine ist eine private und persönliche Haltung und die hat im Job nichts zu suchen. Genauso werde ich das auch in der Zukunft handhaben.«

Die Trennung von Beruflichem und Privatem zieht Christine Strobl knallhart durch. Es ist nicht nur ein frecher Spruch, wenn sie klarstellt, dass sie keinesfalls als »die Frau von« aufzutreten gedenke. In einem Interview mit der BUNTE (Link) verriet sie, dass ihr Mann sie zu Fernsehveranstaltungen nicht begleiten dürfe. Und der ergänzte: »Stimmt. Wenn ich doch mal irgendwo auftauche, ist Tine das unangenehm.«

In dem Gespräch wird es auch mal privater, einen Tag pro Woche verbringen die Strobls gemeinsam: Joggen, Abendessen und dann gibts Tatort. »Zumindest sonntags sind wir eine ganz typische Familie«, sagt Christine Strobl. Und mit einem Augenzwinkern ergänzt sie, sie habe einen Mann, »der zu Hause nicht stört«. Über Politik wird natürlich auch gesprochen. Doch dieses Interesse ist rein privat, ein Amt wollte die 50-Jährige nie bekleiden. »Ich beobachte Politik gerne, habe viele Gedanken dazu, möchte aber nicht selbst gestalten.«

Das Paar steht natürlich im Rampenlicht und somit auch immer wieder in der Kritik. In den sozialen Medien zieht ein Shitstorm schneller auf, als man Innenminister buchstabieren kann. Das sind die nicht so schönen Momente eines Lebens in der Öffentlichkeit, räumt sie im SWR1-Gespräch ein. »Wenn ich mit meinem Mann auf den Markt gehe, dann gibt es da aber durchaus schöne Reaktionen«, berichtet sie. Ihr sei eine offene Diskussionskultur wichtig, ein »Austausch ohne Anschreien«. Egal, ob das nun ums Filmemachen oder aktuelle Diskurse geht. Und dazu hat sie schon so einiges beigetragen. Als Fernsehmacherin, als Programmmacherin, als Frau.