Top-Wissenschaftler treffen Roboter Oscar bei Schunk

Mehr als 100 Partnerschaften pflegt die Hebrew University of Jerusalem mit anderen Universitäten weltweit. „Aber maximal zwei oder drei sind so bedeutsam wie das hier“, sagt Guy Harpaz, Vice President for International Affairs der israelischen Universität. Was er meint, lässt sich am Donnerstagnachmittag beim Besuch des Greiftechnikspezialisten Schunk in Brackenheim-Hausen beobachten: Hier wird „begreifbar“, worum es beim Global Technology Forum des TUM Campus Heilbronn eigentlich geht: eine Plattform für die Zukunft von Künstlicher Intelligenz zu schaffen.

Der Weltmarktführer hat einiges zu bieten: Beim Rundgang durch das Unternehmen präsentiert Schunk-CTO Timo Gessmann Technologien, die ohne enge Zusammenarbeit mit Universitäten nicht denkbar wären. „Wir freuen uns, dass wir mit Veranstaltungen wie dem GTF neue Bande in die Wissenschaft knüpfen können“, sagt Gessmann.

Automatisierung mithilfe von KI und Robotik ist hier nicht nur Geschäftsmodell, sondern wird auch intern genutzt. Beim Rundgang durch die Werkhallen fährt plötzlich „Oscar“ an der Besuchergruppe vorbei. Bei Schunk haben viele Roboter einen Namen – ein Zeichen dafür, dass man sich mit der neuen Technik identifiziert.

Kollaborationen als Innovationstreiber

Was man bei Schunk unter „Greifer“ versteht, lässt sich nicht in einem Satz zusammenfassen. Menschlich anmutende Hände kommen hier ebenso zum Einsatz wie ein Stempel mit einer weichen Oberfläche, ein sogenannter Adhäsionsgreifer. Er kann dank feinster Härchen Werkstücke mit reiner Oberflächenenergie anheben. „Der Trick ist dann nicht mehr das Greifen, sondern das Loslassen“, erläutert Martin May, der hier für Forschung und Entwicklung verantwortlich ist. Für die Fünf-Finger-Greifer war die Zusammenarbeit mit der Universität Stanford essenziell. So wird man zum Weltmarktführer.

Wie schnell die Transformation vorangeschritten ist, macht Uwe Weil klar. Als er bei Schunk angefangen habe vor 26 Jahren, sei eine CNC-Maschine so ziemlich das einzige an Automatisierung gewesen im Unternehmen. Kein Vergleich zu dem, was und wie Schunk heute produziert und seine Warenströme organisiert. Die Logistik etwa läuft in Teilen vollautomatisch über ein Autostore-Kleinteilelager. In der Produktion werkeln Roboter – häufig ausgerüstet mit der hauseigenen Greiftechnik – selbstständig vor sich hin. „Dieser hier wird einmal am Morgen eingerichtet und mit Material versorgt“, erzählt Uwe Weil. „Dann arbeitet er drei Schichten durch, und am nächsten Morgen sind die fertigen Teile säuberlich aufgereiht.“

Ein Think Tank für Spitzenkräfte

Professor Ali Sunyaev, Vizepräsident am TUM Campus Heilbronn, betont die strategische Bedeutung solcher Besuche: „Es sind nicht nur die Top-Einrichtungen, sondern auch die Top-Wissenschaftler zum Global Technology Forum gekommen. Es ist damit nicht nur einfach ein Treffen, sondern es entsteht ein Think Tank, der ähnlich wie das World Economic Forum in Davos die Spitzenkräfte der Tech-Entwicklung zusammenbringt.“ Ein zentrales Ziel sei es, den Mittelstand besser zu verstehen.

Dass dies gelingt, zeigt sich in den Reaktionen der internationalen Gäste an diesem Abend beim lockeren Ausklang in Heilbronn. Andrea Masini, Professor an der HEC Paris, ist beeindruckt von der Vision und der „Roadmap“, die in Heilbronn so konsequent verfolgt werde. Auch Vicky Nash, Direktorin des Oxford Internet Institute, würdigt das Engagement: Hier gebe es nicht nur eine technologische Vision, sondern auch eine soziale. Die Dieter Schwarz Stiftung und ihr Stifter wollten der Stadt offensichtlich etwas zurückgeben – „und das finde ich sehr bemerkenswert“.

Melden Sie sich für unseren Newsletter an!