Safa Omri – Wissenschaftliche Mitarbeiterin für angewandte KI am KODIS des Fraunhofer IAO

Lernen Sie Safa Omri kennen, die engagierte Wissenschaftlerin für angewandte KI am KODIS des Fraunhofer IAO in Heilbronn.

Von Robert Mucha, Foto: Fraunhofer IAO

Mit ihrer Forschung in den Bereichen Mathematik, Theoretische Informatik und Künstliche Intelligenz trägt sie maßgeblich zur Entwicklung innovativer Technologien bei. Ihre Leidenschaft für digitale Innovationen und ihr Engagement für die Gleichstellung von Frauen in der Wissenschaft machen sie zu einer inspirierenden Persönlichkeit in Heilbronn.

Steckbrief:

Name: Safa Omri

Alter: 34

Akademischer Grad: Dr. rer. Nat (Doktorin der Naturwissenschaften)

Aktuelle berufliche Position: Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Forschungs- und Innovationszentrum Kognitive Dienstleistungssysteme (KODIS) des Fraunhofer IAO

Branche oder Fachbereich: Mathematik/Theoretische Informatik/Künstliche Intelligenz (KI)

Arbeitserfahrung (insgesamt und in der aktuellen Position): Insgesamt mehr als fünf Jahre, davon ein Jahr in der aktuellen Position

Veröffentlichungen und Forschungsschwerpunkte: Angewandte KI-Forschung

Liste der Veröffentlichungen:

  • „Static analysis and code complexity metrics as early indicators of software defects“, in Journal of Software Engineering and Applications, 2018
  • „An Enhanced Fault Prediction Model for Embedded Software based on Code Churn, Complexity Metrics, and Static Analysis Results“, in The Fourteenth Inter- national Conference on Software Engineering Advances ICSEA, 2019
  • „Deep Learning for Software Defect Prediction: A Survey“, in the prestigious ICSE’20 IEEE/ACM 42nd International Conference on Software Engineering in the Intl. Workshop on Testing for Deep Learning and Deep Learning for Testing, 2020
  • „Learning to Rank for Test Case Prioritization“, in the prestigious ICSE’22 IEEE/ACM 44nd International Conference on Software Engineering in the 15th Intl. Workshop on Search-Based Software Testing, 2022

Liste der Veröffentlichungen, die noch nicht offiziell online veröffentlicht wurden:

  • Whitepaper Im auftrag des IPAI: „KI-Zertifizierung und Absicherung im Kontext des EU AI Acts: Herausforderungen und Bedürfnisse aus Sicht von Unternehmen“
  • „Leveraging Computer Vision for Sustainable Manufacturing: Potentials, Challenges and Future Perspectives“ in The AHFE 2023 International Conference will be held December 4-6, 2023, Honolulu, Hawaii, USA
  • „Developing a constraint model for using artificial intelligence on existing, limited hardware in manufacturing machines“ in 5th International Conference on Industry 4.0 and Smart Manufacturing will be held November 23-24, 2023, Lisbon, Portugal.

Mitgliedschaft in wissenschaftlichen Vereinigungen oder Organisationen: Women in AI and Robotics (WAIR), Tunesische Wissenschaftliche Gesellschaft (TWG)

Familiärer Hintergrund (verheiratet, Kinder): ledig

Freizeitinteressen: Lesen 

Hobbys und Leidenschaften: Musik mixen, Kochen, Reisen

Lieblingsbuch: „The Art of War“ von Sun Tzu

Buchempfehlung: „The Art of War“ von Sun Tzu

Lieblingsfilm oder -serie: „The Founder“

Musikalischer Geschmack: Ich höre fast alles.

Lieblingsort oder -stadt: Ich bin ein sehr flexibler Mensch, ich bevorzuge Städte, die sich ständig dynamisch entwickeln. Ich finde, Heilbronn ist ein Vorbild für eine dynamische Wissensstadt. Insbesondere in den Bereichen Künstliche Intelligenz (KI) und digitale Innovation ist Heilbronn zu einem Vorreiter geworden. Die Stadt hat sich zu einem Zentrum für KI-Forschung und -Anwendung entwickelt. Durch die Ansiedlung von Unternehmen und Forschungseinrichtungen im Bereich KI hat Heilbronn ein starkes Ökosystem geschaffen, das Innovationen und wirtschaftliches Wachstum fördert. 

Lieblingsgericht oder -restaurant: Mediterrane Restaurants, vor allem Fish-Restaurants

Inspirierende Personen oder Vorbilder: Mein Bruder (Dr. Fouad Omri), da er meistens mein Mentor in meiner Karriere war.

Ein Zitat fürs Leben: „Be the change you want to see in the world“ Mahatma Gandhi

Meine Vision für die Wissensstadt Heilbronn: Ein Zentrum für technologische Innovationen, das in der Anwendung von KI in verschiedenen Branchen führend ist und junge Talente aus der ganzen Welt anzieht.

Fragebogen:

Bitte beschreibe dich kurz in eigenen Worten.

Ich bin eine engagierte Forscherin mit einer Leidenschaft für Künstliche Intelligenz und deren Anwendung in den verschiedenen Bereichen. Meine akademische und berufliche Reise hat mich von der Grundlagenforschung in der Mathematik bis hin zur angewandten Forschung und Unternehmertum in der KI-Technologie geführt.

Was ist dein akademischer/beruflicher Hintergrund?

Ich habe meinen Bachelor- und Masterabschluss in Mathematik am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) absolviert und meine Doktorarbeit (Ph. D.) in Zusammenarbeit mit der Daimler AG (Research & Development) und KIT durchgeführt, in der ich mich auf die Anwendung von KI-Techniken zur Verbesserung der Sicherheitsanalyse von selbstfahrenden Autos konzentrierte. Ich bin auch Mitgründerin der Predapp GmbH, wo ich maßgeblich an der Gestaltung der KI-Initiativen des Unternehmens beteiligt war.

Was hat dich motiviert, dich für eine Karriere in der Wissenschaft/Forschung/Wirtschaft/Bildung zu entscheiden?

Ich wurde immer von der Herausforderung und den Möglichkeiten, die die Mathematik und KI bieten, angezogen. Zudem stamme ich aus einer Familie von Wissenschaftlern und Ingenieuren, was zweifellos meinen Wunsch, in die Wissenschaft einzusteigen, geprägt hat. Die Möglichkeit, an vorderster Front der Technologie zu stehen und innovative Lösungen für reale Herausforderungen zu entwickeln, war eine starke Motivation für mich, in Wissenschaft und Unternehmertum tätig zu werden. 

Wie hast du die Gleichstellung von Frauen in deinem Fachbereich erlebt?

Ich habe in meiner Karriere diverse Umgebungen erlebt – einige, die aktive Schritte zur Förderung der Gleichstellung unternommen haben, und andere, die dies noch nicht in gleichem Maße tun. Es ist ein fortwährender Kampf, und ich versuche, durch meine Arbeit Veränderungen zu bewirken.

Wurden dir aufgrund deines Geschlechts Hindernisse oder Herausforderungen in deiner Karriere gestellt?

Es gab sicherlich Herausforderungen und Momente, in denen ich das Gefühl hatte, dass mein Geschlecht eine Rolle bei der Wahrnehmung meiner Fähigkeiten spielte. Ich habe jedoch versucht, meine Arbeit und Ergebnisse für sich sprechen zu lassen.

Was ist dein größter Karriere-Erfolg bisher?

Die erfolgreiche Umsetzung meiner Forschung in der Praxis, insbesondere in der Anwendung von KI zur Sicherheitsanalyse autonomer Fahrzeuge, und die Mitbegründung der Predapp GmbH.

Wie gehst du mit den gängigen Karriereklischees zwischen Männern und Frauen um?

Ich habe stets versucht, Klischees und Stereotypen durch mein Engagement, meine Fähigkeiten und meinen Beitrag zur Wissenschaft und zum unternehmerischen Bereich zu entkräften. Es geht darum, Exzellenz zu demonstrieren und gleichzeitig aktiv an der Unterstützung und Förderung anderer Frauen in STEM-Bereichen zu arbeiten.

Welche Rolle spielt die Work-Life-Balance in deiner Karriere?

Die Work-Life-Balance ist essenziell für meine Kreativität und Produktivität, ist jedoch gleichzeitig eine echte Herausforderung, insbesondere in der hochdynamischen Welt von Forschung und Technologieentwicklung. Es ist essenziell, immer auf dem neuesten Stand zu bleiben, was oft bedeutet, dass die Arbeit niemals wirklich endet und ständig Flexibilität gefordert ist. Es gibt immer etwas zu lesen, zu lernen oder zu entwickeln. Trotzdem es ist wichtig, Zeiten für Ruhe und Erholung einzuplanen. 

Welche Tipps hast du für junge Frauen, die eine Karriere in der Wissenschaft/Forschung/Wirtschaft/Bildung anstreben?

Seid neugierig, seid resolut und glaubt an euch. Sucht aktiv nach Mentoren und Unterstützungsnetzwerken, die euch auf eurer Reise begleiten können. Und vor allem: Scheut euch nicht, Fragen zu stellen, Risiken einzugehen und eure Stimme in Räumen zu erheben, in denen sie am meisten gebraucht wird.

Welche Hürden musstest du überwinden, um deine aktuelle Position zu erreichen?

Vom Navigieren durch die akademische Welt bis hin zum Mitgründen eines Start-ups, jede Phase meiner Karriere war mit eigenen Herausforderungen verbunden. Ich musste mich sowohl technisch als auch in Führungs- und Geschäftsfähigkeiten weiterentwickeln, und habe gelernt, Resilienz und Anpassungsfähigkeit zu entwickeln, um in einem sich schnell verändernden Umfeld erfolgreich zu sein.

Wie hast du dich gegen diskriminierende Verhaltensweisen und sexistische Bemerkungen gewehrt?

Ich habe versucht, solche Bemerkungen und Verhaltensweisen durch meine Kompetenz und mein professionelles Verhalten zu entkräften und bin ein Verfechter von Gleichstellungsinitiativen geworden, um ein breiteres Bewusstsein und Veränderungen herbeizuführen.

Was sind deine Zukunftspläne für deine Karriere?

Ich möchte weiterhin an der Schnittstelle von Forschung und Anwendung arbeiten, um transformative Technologien zu entwickeln, und dabei die nächste Generation von Wissenschaftlerinnen und Innovatorinnen fördern.

Was würdest du ändern, wenn du die Chance hättest, die Geschichte der Frauen in der Wissenschaft/Forschung/Wirtschaft/Bildung neu zu schreiben?

Ich würde Geschichten von unzähligen Frauen hervorheben, die in ihren Fachgebieten Pionierarbeit geleistet haben, aber oft übersehen oder nicht anerkannt wurden. 

Was inspiriert dich, in deinem Fachbereich zu bleiben und weiterzumachen?

Das unglaubliche Potenzial von KI, das Leben der Menschen zu verbessern und reale Herausforderungen in verschiedenen Bereichen (z. B. Medizin) in der Welt zu lösen, treibt mich an. Jeder Tag bringt neue Entdeckungen und Möglichkeiten mit sich.

Wie schätzt du die Zukunft für Frauen in der Wissenschaft/Forschung/Wirtschaft/Bildung ein?

Ich bin optimistisch, dass, obwohl Herausforderungen bestehen, die Zukunft mehr Gleichstellung und Chancen für Frauen in allen Bereichen bieten wird. Wir bewegen uns in eine Richtung, in der Vielfalt und Inklusion immer mehr Wertschätzung erfahren. Während es sicherlich noch viele Barrieren zu überwinden gibt, sehe ich eine wachsende Zahl von Frauen, die in ihren jeweiligen Fachgebieten führend sind, was hoffnungsvoll stimmt.

Wie wichtig ist es für dich, als Vorbild für junge Frauen zu fungieren?

Es ist von entscheidender Bedeutung. Als Mitglied der Tunesischen Wissenschaftlichen Gesellschaft engagiere ich mich beispielsweise als Mentorin und Coach für junge Studierende. Es ist meine Überzeugung, dass das Vorhandensein von Role Models und Mentoren für junge Frauen im STEM-Bereich enorm wichtig ist, um sie zu inspirieren und zu ermutigen, ihre Karrierepfade zu verfolgen.

Was ist dein Rat an Frauen, die mit dem Gedanken spielen, eine Karriere in der Wissenschaft/Wirtschaft zu beginnen?

Seid mutig, traut euch, und umgebt euch mit einem starken Netzwerk von Unterstützern und Mentoren. Der Weg mag nicht immer leicht sein, aber er ist lohnend. Und erinnert euch immer daran, dass eure Stimme, eure Perspektive und eure Talente notwendig und wertvoll sind.

Was würdest du gerne anderen Frauen mit auf den Weg geben, die sich in der gleichen Situation befinden wie du?

Glaubt an eure Fähigkeiten und eure Stärke. Sucht aktiv nach Chancen und Möglichkeiten und scheut euch nicht, diese zu ergreifen. Und denkt daran, dass ihr nicht allein seid. Es gibt eine Gemeinschaft von Frauen, die euren Weg gegangen sind und die bereit sind, Unterstützung und Ratschläge zu bieten.

Welche Fähigkeiten sind für dich besonders wichtig in deiner Karriere?

Neben meinen technischen Fähigkeiten waren es die Fähigkeiten zur Zusammenarbeit, Kommunikationsstärke und Problemlösungskompetenz, die mir in meiner Karriere besonders geholfen haben. Resilienz und die Fähigkeit zur Selbstreflexion sind ebenfalls entscheidend.

Wie hast du dich weitergebildet und dich auf neue Herausforderungen vorbereitet?

Ich habe stets versucht, auf dem neuesten Stand der Forschung in meinem Bereich zu bleiben, sei es durch den Besuch von Konferenzen, das Lesen aktueller Publikationen oder den Austausch mit Kollegen. Zudem habe ich Wert auf interdisziplinäre Zusammenarbeit gelegt, um meine Perspektive zu erweitern. Außerdem, die dynamischen Start-up Umwelt, deren Teil ich bin. Die Mitgründung der Predapp GmbH hat mir viel geholfen, mich sehr intensiv weiterzubilden.

Hast du in deiner Karriere eine Mentorin oder jemanden, der dich unterstützt hat?

Ja mein Bruder vor allem, er ist auch der Gründer von Predapp GmbH. Und auch der Rest meiner Familie. Meine Eltern sind in den Naturwissenschaften und Ingenieurwissenschaften tätig, und meine beiden Geschwister haben ebenfalls promoviert und sind in Forschung und Wissenschaft aktiv. Daher hatte ich eine gute Unterstützung gehabt.

Wie hast du dich gegenüber Konkurrenten behauptet, insbesondere gegenüber männlichen Kollegen?

Ich habe mich darauf konzentriert, erstklassige Arbeit zu leisten, kollaborative Beziehungen zu pflegen und sicherzustellen, dass meine Ergebnisse sichtbar und anerkannt werden.

Was denkst du, ist das größte Missverständnis über Frauen in der Wissenschaft/Forschung/Wirtschaft/Bildung?

Das Missverständnis, dass Frauen nicht so kompetent, innovativ oder fähig sind, wie ihre männlichen Kollegen. Dies ist nicht nur falsch, sondern es untergräbt auch die enormen Beiträge, die Frauen in diesen Bereichen leisten können und leisten.

Wie fühlst du dich, wenn du als „weiblicher Wissenschaftler/Forscher/Wirtschaftsführer/Pädagoge“ bezeichnet wirst, anstatt einfach nur als „Wissenschaftler/Forscher/Wirtschaftsführer/Pädagoge“?

Während ich stolz darauf bin, eine Frau in der Wissenschaft zu sein, finde ich solche Bezeichnungen manchmal unnötig geschlechtsspezifisch. Mein Geschlecht sollte nicht der Hauptfaktor sein, durch den meine berufliche Identität definiert wird. Ich bevorzuge es, basierend auf meinen Leistungen und meinem Fachwissen anerkannt zu werden. Ich würde es bevorzugen, dass unsere Berufsbezeichnungen geschlechtsneutral sind und unsere Arbeit für sich selbst spricht. Dennoch erkenne ich auch die Notwendigkeit an, weibliche Role Models in diesen Bereichen zu betonen, um jüngere Generationen zu inspirieren.

Hast du irgendwelche „schlechten“ Gewohnheiten, die sich als überraschend nützlich in deiner Karriere erwiesen haben?

Ich neige dazu, manchmal zu viel zu analysieren oder über Details zu grübeln. Aber in vielen Fällen hat diese Tiefe der Analyse mir geholfen, Probleme oder Herausforderungen in meiner Forschung zu identifizieren, die anderen vielleicht entgangen wären.

Was möchtest du jungen Frauen sagen, die sich Sorgen machen, dass eine Karriere in der Wissenschaft/Forschung/Wirtschaft/Bildung ihr persönliches Leben beeinträchtigen könnte?

Es ist möglich, eine erfüllende Karriere und ein bereicherndes persönliches Leben zu haben. Es geht darum, Prioritäten zu setzen, Unterstützungsnetzwerke zu schaffen und sich Zeit für sich selbst und die eigenen Bedürfnisse zu nehmen. Es wird natürlich Zeiten geben, in denen man Kompromisse eingehen muss, aber das gilt für jede Karriere und jeden Lebensweg.

Was ist eine Fähigkeit oder Eigenschaft, die du erst spät in deiner Karriere erkannt hast und die du für wichtig hältst?

Die Fähigkeit zur Empathie und zum aktiven Zuhören. Die Fähigkeit, selbstfürsorglich zu sein und klare Grenzen zu setzen.