Wie die Sportwagen der Marke Porsche, für die er fast 30 Jahre lang arbeitete, startete die Karriere von Dr. Frank-Steffen Walliser in kürzester Zeit von null auf hundert. Inzwischen ist der gebürtige Schwabe CEO bei Bentley und beliefert mit seiner Edelmarke die britische Königsfamilie. Anfang Dezember absolvierte Walliser einen Boxenstopp bei der „CEO Leadership Series” am TUM-Campus in Heilbronn. Im Gespräch mit dem Gastgeber, Prof. Chengguang Li, Lehrstuhlinhaber für Strategisches Management am TUM Campus Heilbronn, gab er Einblicke in seinen abwechslungsreichen Weg in die Führungsebene.
Der Vorlesungsaal war bis auf den letzten Platz besetzt, selbst die Ausweichfläche reichte kaum aus. Auch für Chengguang Li erfüllte sich mit dem Besuch des Bentley-CEO ein langgehegter Traum. In dem kurzweiligen Gespräch nahm der Chairman die Zuhörer mit auf seine Reise. Zunächst in seine Kindheit: Er wuchs in Reutlingen auf und unterstützte seine Eltern in ihrem Elektrik-Fachgeschäft. „Mein Lieblingsfach war schon damals Physik, da es Lösungen bietet und nicht so abstrakt ist wie Mathe“, blickte Walliser zurück. Nach seiner Zeit bei der Bundeswehr und an der Universität Stuttgart startete er seine Karriere bei Porsche. 29 Jahre lang war er im Unternehmen in diversen Führungspositionen.
Ein Sprung ins kalte Wasser
„Nachdem ich Doktorand Nummer eins bei Porsche war, bekam ich gleich die Position eines Supervisors – ich habe also nie wirklich gearbeitet“, sagt er und lacht. Zunächst lagen seine Aufgaben in der Technologiebeobachtung und Wettbewerbsanalyse. Dabei musste er sich unter anderem der Frage stellen, warum die Windgeräusche im Mercedes Cabrio leiser war als beim 911 Cabrio. Kurz darauf wurde er technischer Assistent eines Vorstandsmitglieds. In dieser Position konnte er sein Netzwerk enorm erweitern „und ich habe verstanden, wie das Management funktioniert.“
Anschließend bekam Walliser die Verantwortung für die Motorsport-Strategie. Ein Sprung ins kalte Wasser: „Am Anfang hatte ich ehrlich gesagt keinen Plan. Die Regeln des Motorsportverbands FIA habe ich – zum Unmut meiner Frau – im Urlaub gelesen.“ Risikobereitschaft ist eine von drei Grundvoraussetzungen für Erfolg, die er den Studierenden mit auf den Weg gibt: „Seid mutig und trefft Entscheidungen, behaltet den Überblick und definiert Meilensteine.“ Gleichzeitig lernte er an den Rennstrecken, wie wichtig Respekt gegenüber der Konkurrenz und Durchhaltewille sind: „Nur voller Einsatz bringt auch gute Ergebnisse.“
Das Jahr der grauen Haare
Und diesen Durchhaltewillen benötigte er besonders im Jahr 2018: Der Dieselskandal zog seine Kreise, am Wochenende zählte der Motorsport, montags dann die Überarbeitung der GT3-Serie und der Wechsel zu Hybridmotoren beim 911. „Das war das härteste Jahr meines Lebens – danach war ich reif für die Rente.“
So war es auch bei seinem wohl wichtigsten Projekt in seiner Karriere: „Für das gesamte Unternehmen war der Erfolg des Supersportwagens Porsche 918 Spyder sehr wichtig. Porsche wurde damals von VW übernommen – die Zukunft war ungewiss.“ Zudem waren Zeit und Geld knapp. Gleichzeitig galt es, interne Widerstände und Unsicherheiten zu überwinden – am Ende mit Erfolg, wenn auch mit „vielen grauen Haaren“.
Statt sich langsam auf die Rente vorzubereiten, nahm Walliser im vergangenen Jahr eine weitere Herausforderung an: CEO bei Bentley. „Ich bekam das Angebot sonntagnachmittags und hatte zwei Minuten Zeit, um mich zu entscheiden.“ Also ging es ins Vereinigte Königreich. Hier kam ihm seine Management Erfahrung zugute: „Am Anfang gilt es immer, zuzuhören und die Sprache des Unternehmens zu lernen.“ Auch in der Luxusmobilität steht ein Wandel an: 2027 soll das erste vollelektrische Modell auf den Markt kommen. Zusätzlich sieht Walliser bei einer Kundengruppe großes Potenzial: Frauen. Paris Hilton wünscht sich beispielsweise zu Weihnachten einen pinken Bentley.
Private Einblicke
In der anschließenden Schnell-Fragerunde entlockte Moderator Chengguang Li dem CEO noch einige private Einblicke: In seiner Freizeit fährt er gerne Ski und arbeitet an seinem Golf-Handicap. Auf Reisen mit der Familie möchte er möglichst viel sehen und bleibt selten lange an einem Ort. In der Küche ist er für das Weihnachtsessen zuständig. Bei Rechts- oder Linksverkehr benötigt er keine lange Adaption. Abschließend hatte er noch einen augenzwinkernden Geschenktipp für die Studierenden parat: „Wenn ihr ein Weihnachtsgeschenk sucht, kann ich den Bentley-Champagnerkorb für 12.000 Pfund empfehlen.“