Von Redaktion, Foto: experimenta
Von Tesla-Spulen bis zum Blick auf den Pluto – während die meisten Ferienkinder in Baden-Württemberg ihre Langeweile bekämpfen, verwandelt sich Deutschlands größtes Science Center in einen Abenteuerspielplatz der Wissenschaft. Ein Streifzug durch ein Programm, das nicht nur Kinderaugen zum Leuchten bringt.
Ab heute werden die Klassenräume leer und die Köpfe frei. Ausgerechnet zum Start der Sommerferien zeigt sich der Sommer von seiner zurückhaltenden Seite: Regentropfen statt Sonnenstrahlen, Frühlingsfrische statt Hitzewelle. Der Himmel über Heilbronn hat sich für eine Weile auf „Waschgang“ eingestellt. In solchen Zeiten offenbart sich der wahre Wert der experimenta. Während draußen die Regenschirme aufgespannt werden, entfaltet sich im Inneren eine Welt der Wunder – wetterunabhängig und garantiert staunenswert. Hier muss niemand dem Regen trotzen, um Naturphänomene zu erleben. In der Live-Show „Blitzgescheit“ zucken gewaltige Entladungen aus Tesla-Spulen über die Bühne des Science Domes, und die einzige Nässe kommt von den offenen Mündern des begeisterten Publikums. Wenn sich das Wetter in den kommenden Ferienwochen dann doch noch besinnt, bleibt die experimenta trotzdem die perfekte Abwechslung zwischen Freibadbesuchen und Eisdielen-Touren.
Schon der Eingang zur experimenta ist ein Statement. Die imposante Glaskonstruktion, die sich über dem ehemaligen Hagenbucher Speicher erhebt, macht deutlich: Hier geht es um Großes. Das Science Center ist nicht nur ein Museum, es ist ein Erlebnisraum, in dem Naturwissenschaft und Technik zu einem faszinierenden Abenteuer werden. Und in den Sommerferien haben die Macher noch einmal eine Schippe draufgelegt.
„Wie fühlt es sich im Auge des Sturms an?“ Diese und ähnliche Fragen beantworten sich in der Dauerausstellung mit ihren über 270 Mitmachstationen von selbst. Hier kann jeder, ob sieben oder siebzig, experimentieren, ausprobieren und staunen. Ob es stimmt, dass ein Brot immer auf der Butterseite landet? Ein kleiner Junge testet es wieder und wieder, mit der gleichen konzentrierten Miene, die auch ein Wissenschaftler im Labor tragen würde. Das Ergebnis seiner Forschung bleibt sein Geheimnis, aber sein Grinsen danach spricht Bände.
Für alle, die sich nach Naturphänomenen sehnen, ist die aktuelle Sonderausstellung „Natur.Schau.Spiele.“ ein Muss. Hier verschmelzen Wissenschaft und Kunst zu einem faszinierenden Gesamterlebnis. Besonders beeindruckend: eine Lichtinstallation, die an schimmernde Polarlichter erinnert. Wer schon immer wissen wollte, wie es sich anfühlt, im hohen Norden unter einem Himmel voller tanzender Lichter zu stehen, bekommt hier einen Vorgeschmack – ganz ohne frostige Temperaturen.
Im Science Dome, dieser einzigartigen Mischung aus Kino, Planetarium und Theater, reist das Publikum durch Raum und Zeit. Der neue 3D-Film „Die große Abenteuerreise durchs Sonnensystem“ nimmt Besucher ab acht Jahren mit auf eine Expedition, die von der glühenden Oberfläche des Merkurs bis zu den eisigen Weiten des Plutos führt. Der charismatische Entertainer Schiaparelli führt durch die Tour mit einem Enthusiasmus, der selbst Jugendliche von ihren Smartphones aufblicken lässt.
Für die Kleinsten gibt es im Experimentaltheater kindgerechte Stücke wie „König Schall und seine Welt“ oder das Live-Hörspiel „Edison“, das die Geschichte der Glühbirne erzählt. In „Lumina“ erleben sie, wie ein Fantasiewesen mit Nebel, Seifenblasen und singenden Gläsern seine Welt zum Leuchten bringt. Täglich finden mehrere Vorstellungen statt, montags bis freitags um 10:30, 12:30 und 14:30 Uhr, am Wochenende um 11:00, 13:00 und 15:00 Uhr – alle im Eintrittspreis inbegriffen.
Wer selbst aktiv werden möchte, kann an einem der beliebten Ferienworkshops teilnehmen. Im Kurs „An die Töpfe – fertig – los!“ lernen 8- bis 10-Jährige die Grundlagen des Kochens. Sie schneiden, schälen, reiben und bereiten im Team ihr eigenes Essen zu – eine wichtige Lebensfähigkeit, die hier spielerisch vermittelt wird. Der Familien-Workshop „Kunterbunte Experimente für die ganze Familie“ richtet sich an Familien mit Kindern ab drei Jahren und verspricht farbenfrohe Erlebnisse vom Regenbogenexperiment bis zum eigenen Farbenmischen.
Und weil Bildung nicht immer teuer sein muss, gibt es zwei kostenfreie Angebote: Im KI-Pavillon können Besucher mehr über Künstliche Intelligenz erfahren und an Mitmachstationen verschiedene Anwendungen ausprobieren. Die Pop-up-Ausstellung „Insekten in Gefahr“ im Erdgeschoss des Hagenbucher Speichers zeigt Makroaufnahmen des britischen Fotografen Levon Biss, die Bienen, Käfer und Schmetterlinge in 300-facher Vergrößerung präsentieren – und damit eine Welt sichtbar machen, die uns sonst verborgen bleibt.
Für Sparfüchse gibt es einen besonderen Tipp: Freitags kostet der Eintritt in die experimenta und den Science Dome nur die Hälfte. Ein günstiger Weg, um dem Sommerloch zu entfliehen und gleichzeitig den Horizont zu erweitern.
Die experimenta ist mehr als ein Ausflugsziel für Regentage. Sie ist ein Ort, an dem Wissen lebendig wird und Neugier keine Grenzen kennt. Ein Ort, an dem Kinder nicht nur unterhalten, sondern auch inspiriert werden. Und vielleicht ist das in Zeiten von endlosen digitalen Ablenkungen das größte Geschenk: die Erfahrung, dass die reale Welt mit ihren Naturphänomenen, physikalischen Gesetzen und technischen Möglichkeiten mindestens genauso faszinierend sein kann wie jede virtuelle Realität.
Wer in diesen Sommerferien nach Heilbronn kommt und die experimenta besucht, wird mit Sicherheit eines mitnehmen: Die Erkenntnis, dass Wissenschaft alles andere als langweilig ist. Sie ist bunt, laut, interaktiv und manchmal sogar ein bisschen verrückt – genau wie die Ferien sein sollten.
Das komplette Ferienprogramm ist auf der Website www.experimenta.science abrufbar. Dort finden sich auch detaillierte Beschreibungen zu den Angeboten, Informationen zu den Teilnahmegebühren sowie die Links zur Anmeldung.