Wo Führungskräfte und KI aufeinandertreffen

Von Robert Mucha, Foto: Bildungscampus

Ein Julitag in Heilbronn, und die Stadt hat wieder einmal Grund zum Feiern. Diesmal geht es nicht um Wein oder Käthchen, sondern um etwas, das man nicht anfassen kann: Führung. Das German Leadership Center (GLC) ist in die Stadt gezogen, von München hierher, wo die Neckarbögen sich sanft durch die Landschaft schlängeln..

Ein Umzug, der mehr ist als nur ein Wechsel der Postleitzahl. Es ist ein Statement. Heilbronn, einst verschrien als Provinznest, mausert sich zum Silicon Valley des Neckar-Odenwalds. Zumindest, wenn es nach den Visionären geht, die hier Milliarden in die Zukunft pumpen.

Das GLC bringt nicht nur einen schicken Namen mit, sondern auch den German Leadership Award. Eine Trophäe, die Führungskräfte magisch anziehen soll wie Motten das Licht. Der erste Preisträger in Heilbronn: Hartmut Jenner von Kärcher. Ja, die mit den gelben Hochdruckreinigern. Passt irgendwie, denn Heilbronn poliert gerade kräftig an seinem Image.

Aber es geht um mehr als nur Preise und Selfies. Das GLC hat große Pläne. Eine Summerschool für junge Ingenieure und Wissenschaftler. Ein Think Tank, der über die soziale Verantwortung von Unternehmen brütet. Und natürlich: Künstliche Intelligenz. Denn KI ist hier das neue Zauberwort, das neue Gold, nach dem alle schürfen.

Hans-Peter Mengele, der GLC-Chef, kann sein Grinsen kaum verbergen, wenn er von der Zukunft spricht. KI werde alles verändern, schwärmt er. Die Unternehmensführung, die Jobs, die Menschen. Es klingt ein bisschen wie Science-Fiction, aber hier in Heilbronn wird die Zukunft offenbar schon gebaut.

Nebenan, im KI-Park Ipai, tüfteln die klügsten Köpfe der Republik an Algorithmen, die vielleicht eines Tages die Welt regieren werden. Oder zumindest die Unternehmen. Mengele sieht darin eine riesige Chance für Heilbronn. Die Stadt als Brutkasten für die Führungskräfte von morgen.

Die Technische Universität München, die hier einen Ableger hat, ist begeistert. Daniel Gottschald, der TUM-Chef in Heilbronn, spricht von einem weiteren Puzzleteil. Dabei hat die Uni selbst schon eine „CEO Leadership Series“ am Start. Aber von Konkurrenz will hier niemand etwas wissen. Man versteht sich als große, glückliche Familie. Eine Familie, die gemeinsam die Welt erobern will.

Gottschald träumt schon von Kooperationen mit der Weltgesundheitsorganisation. Von Ideen, die im GLC-Think Tank weitergesponnen werden. Von einer Zukunft, in der Heilbronn nicht mehr nur für Wein und Käthchen bekannt ist, sondern für bahnbrechende Innovationen.

Es ist eine große Vision, die hier an den Ufern des Neckars entsteht. Eine Vision von einer Stadt, die sich neu erfindet. Die ihre Vergangenheit nicht leugnet, aber mutig in die Zukunft blickt. Wo Führungskräfte und KI aufeinandertreffen, wo alte Hierarchien auf neue Ideen prallen.

Ob das alles aufgeht? Wer weiß. Aber eines ist sicher: Langweilig wird es in Heilbronn in den nächsten Jahren nicht. Die Stadt hat Großes vor. Und wenn am Ende nur die Hälfte davon Wirklichkeit wird, dann hat sich der Umzug des GLC von München hierher schon gelohnt. Denn manchmal braucht es eben mehr als nur Hochdruckreiniger, um eine Stadt auf Hochglanz zu polieren. Manchmal braucht es Visionen. Und davon hat Heilbronn gerade mehr als genug.