Von Redaktion, Foto: HHN
Von der Produktmanagerin zur Informatikprofessorin, vom Iran nach Deutschland, und jetzt zur Gleichstellungsbeauftragten: Mahsa Fischer hat Erfahrung mit Veränderung und Hürden. Ab August setzt sie sich an der Hochschule Heilbronn dafür ein, dass mehr Frauen den Weg in die Wissenschaft finden – besonders in MINT-Fächern.
Der Senat der Hochschule Heilbronn hat entschieden: Seit dem 1. August 2025 trägt Professorin Mahsa Fischer das Amt der Gleichstellungsbeauftragten. Sie folgt auf Professorin Saskia-Nicole Reinfuss, die diese Position seit dem Sommersemester 2021 für zwei Amtsperioden innehatte.
„Häufig wissen Frauen gar nicht, wie toll der Beruf Professorin ist und dass sie alles mitbringen, was man dafür braucht“, erklärt Fischer, die seit 2019 als Professorin für Wirtschaftsinformatik an der HHN tätig ist. Ihr Fachgebiet – die Entwicklung mobiler und webbasierter Unternehmensanwendungen – mag technisch klingen, doch ihre Mission ist zutiefst menschlich: Frauen ermutigen, Netzwerke aufbauen, Hürden abbauen.
Fischer kennt diese Hürden aus eigener Erfahrung. Als gebürtige Iranerin hat sie ihren Bachelor noch im Heimatland absolviert, bevor sie für den Master in Informatik nach Deutschland kam. Vor ihrer Berufung an die Hochschule Heilbronn arbeitete sie als Produktmanagerin bei SAP. „Sie weiß aus eigener Erfahrung, was es heißt, als Frau im MINT-Bereich, Mutter und zudem Nicht-Muttersprachlerin im deutschen Wissenschaftssystem Fuß zu fassen“, heißt es in der Mitteilung der Hochschule.
Ihr Hauptanliegen als Gleichstellungsbeauftragte ist klar umrissen: Sie möchte den Anteil von Frauen unter den Professorinnen und Promovierenden erhöhen – besonders im MINT-Bereich. „Wir müssen Netzwerke und Strukturen schaffen, die positive Rollenvorbilder und Fördermöglichkeiten für Wissenschaftlerinnen hervorbringen. Denn Talent und die Voraussetzungen bringen sie oft mit – nur die Rahmenbedingungen hindern sie noch immer“, betont Fischer.
Ihre Strategie setzt auf mehreren Ebenen an: Mentoring-Programme sollen Orientierung geben, mehr Transparenz für Prozesse Klarheit schaffen, und aktives Recruiting gezielt Frauen mit dem Berufswunsch Professorin ansprechen und unterstützen. Diese Ansätze sind ihr nicht fremd – bereits bei SAP und an der HHN engagierte sie sich in Mentoring-Programmen wie WIN-IT und beim jährlich stattfindenden Girls‘ Day.
Auch in der akademischen Landschaft hat sich Fischer bereits positioniert. Im Promotionsverbund der Hochschulen für angewandte Wissenschaften Baden-Württemberg fungiert sie als stellvertretende Sprecherin in der Forschungseinheit Informatik und Elektrotechnik und verfügt über das Promotionsrecht.
In ihrer neuen Rolle wird Fischer nicht allein agieren. Die Professorinnen Katja Mannschreck, Franziska Drescher und Carola Schulz stehen ihr als Stellvertreterinnen zur Seite. Zudem arbeitet die Gleichstellungsbeauftragte traditionell eng mit dem Prorektorat Internationales und Diversität sowie dem Referat für Gleichstellung und Diversität der HHN zusammen.
Die Hochschule Heilbronn hat in Fischers Augen bereits gute Grundlagen geschaffen. „Die HHN hält Fischer bereits für sehr familienfreundlich“, heißt es. Dennoch sieht sie Potenzial für Verbesserungen und möchte ihre neue Position nutzen, um für Themen wie Gleichstellung und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu sensibilisieren.
Als eine der größten Hochschulen für Angewandte Wissenschaften in Baden-Württemberg mit Standorten in Heilbronn, Heilbronn-Sontheim, Künzelsau und Schwäbisch Hall steht die HHN vor der Herausforderung, in ihren technisch geprägten Studiengängen mehr Geschlechterausgewogenheit zu erreichen – eine Aufgabe, der sich Fischer mit Erfahrung und Engagement stellen wird.