Von der Backstube auf das Siegertreppchen: DHBW-Studentin ist beste Konditorjunggesellin Deutschlands

Von Redaktion, Foto: DHBW Heilbronn

Mit Zucker, Präzision und viel Herzblut hat sich Jasmin Berroth zur besten Konditorjunggesellin 2025 gekämpft. Die 20-Jährige studiert heute Food Management an der DHBW Heilbronn bei der Landbäckerei Baader. Im Interview erklärt sie, warum ein 75 Zentimeter hohes Zuckerschaustück sie emotional anders gefordert hat als alles zuvor.

Die Anspannung war greifbar. Jasmin Berroth stand beim Bundesentscheid, alle Augen auf ihr Zuckerschaustück gerichtet. 75 Zentimeter hoch, jederzeit konnte es zusammenfallen. „Allein deswegen, weil die Luftfeuchtigkeit zu hoch ist, hat mich das emotional noch einmal ganz anders gefordert“, erinnert sich die junge Konditorin. Doch die größte Herausforderung ihres Lebens sollte sie meistern.

Familientradition mit eigenem Kopf

Dass Jasmin Berroth überhaupt zur Konditorin wurde, hat mit ihrer Familie zu tun. „Mein Opa, mein Papa und mein Bruder haben alle eine Ausbildung im Bäckerhandwerk gemacht“, erzählt sie. Schon als Kind faszinierte sie, was man mit den Händen erschaffen kann. Nach dem Abitur suchte sie etwas Praxisnahes. „Seitdem ich denken kann, backe ich super gerne und habe Spaß daran, meiner Kreativität freien Lauf zu lassen.“

Das Handwerk schien ihr ein guter Weg. „Konditorin bin ich deshalb geworden, weil es mir Spaß macht, auf jedes Detail zu achten, neue Kreationen zu entwickeln und Menschen ein tolles Geschmackserlebnis zu bieten“, sagt Berroth. Die Ausbildung schloss sie ab, doch damit war für sie noch nicht Schluss.

Vom Handwerk zur Betriebswirtschaft

„Nach der Ausbildung wollte ich mich noch weiterbilden“, erklärt die 20-Jährige. Das Studium Food Management an der DHBW Heilbronn war für sie die logische Konsequenz. „Da ich mit meiner Ausbildung schon im Lebensmittelhandwerk tätig war, war dieses Studium perfekt für mich, um sowohl die nötigen BWL-Grundkenntnisse zu erlangen, als auch mich noch mehr mit dem Thema Lebensmittel, Ernährung und Nachhaltigkeit zu beschäftigen.“

Gerade weil in der Konditorei traditionell mit vielen ungesunden Rohstoffen gearbeitet wird, findet sie es spannend zu sehen, was dies mit der Gesundheit macht. „Daraus kann man sich durchaus auch wesentlich gesündere Kreationen und auch Innovationen für die Konditorei überlegen“, sagt sie. Die Studienzeit beschreibt sie als bereichernd. „Super spannend, da man jeden Tag etwas Neues fürs Leben und für sich mitnehmen kann.“

Vom Landesentscheid zum Triumph

Der Weg zum Titel begann beim Landesentscheid. Noch überschaubar, noch kontrollierbarer. „Beim Landesentscheid war es definitiv der Moment, als man realisiert hat, dass alles wunderbar geklappt hat und man sein Bestes abliefern konnte“, erinnert sie sich. Der Sieg reichte für den Bundesentscheid, wo es ernst wurde.

Die große Medienaufmerksamkeit, die vielen Menschen, die gespannten Blicke der Fachjury. „Beim Bundesentscheid stand ich noch einmal mehr unter Druck vor und während dem Wettbewerb“, sagt Berroth. Und mittendrin das Zuckerschaustück, das jeden Moment hätte zusammenbrechen können.

Wenn ein Kindheitsheld zum Schaustück wird

Das Thema der Wettbewerbe war Landleben. Für Jasmin Berroth stand sofort fest, was sie gestalten würde. „Da musste ich einfach sofort an ‚Shawn das Schaf‘ denken, was ich als Kind immer super gerne geschaut habe.“

Die Anforderungen waren präzise. „Es gab genaue Anforderungen, was und in welcher Stückzahl zu welchem Zeitpunkt fertiggestellt sein sollte für die Fachjury zum Probieren“, erklärt Berroth. Die Bewertungskriterien waren umfassend. „Die Fachjury bewertet alle Werke nach vielen verschiedenen Kriterien: Da müssen Haptik, Mundgefühl, Geschmack, Handwerklichkeit, Aussehen und die Arbeitsweise stimmen.“

Für den Wettbewerb entwickelte sie alle Rezepte selbst. „Durch das Wissen, wie sich Lebensmittel zueinander verhalten, habe ich alle meine Rezepte selbst entwickelt und mir neue Geschmackskombinationen überlegt.“ Inspirationen findet sie heute auf Social Media, etwa bei berühmten Patisserien wie Cedric Grolet.

Gemeinsam zum Erfolg

Trotz der Wettkampfatmosphäre herrschte beim Bundesentscheid ein guter Geist unter den Teilnehmern. „Und allein, dass man so kurz davor ist, die beste Konditorjunggesellin 2025 zu werden, dann wachsen auch die Ansprüche an sich selbst“, beschreibt Berroth den Druck. „Trotzdem haben wir als Teilnehmer uns alle super verstanden und dadurch haben wir es alle als Team zusammen gemeistert.“

Als die Anspannung abfiel, war die Erleichterung groß. Sie hatte es geschafft.

Genuss statt schneller Konsum

Das Studium an der DHBW hat ihren Blick auf das Essen verändert. „Mitgenommen habe ich, dass man viel bewusster essen und vor allem auch genießen sollte“, sagt Berroth. „Essen kann so viel mehr sein, als nur den Hunger zu stillen und nebenbei Filme zu schauen.“

Manchmal vermisst sie zwar die Backstube. „Aber wenn ich dann im Labor bin oder wir gemeinschaftlich als Kurs Plätzchen backen, freue ich mich darauf umso mehr.“

Nach dem Studium will Jasmin Berroth erst einmal ihren Meister als Konditorin machen. „Um danach mit meinem Wissen aus Ausbildung und Studium den Menschen leckere und neue Kreationen anzubieten, besondere Genussmomente zu schaffen und so in die Familientradition einzusteigen.“

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