Vom Ruderboot ins Klassenzimmer: Marco Haaf und die Zukunft der Bildung

Von Redaktion, Foto: aim

Der Geschäftsführer der aim erzählt im Originalteile-Podcast von olympischen Träumen, Corona-Abiturfeiern und warum er glaubt, dass wir das Schulsystem neu erfinden müssen.

Ein Besprechungsraum in der aim auf dem Bildungscampus, irgendwo zwischen Strategie-Meetings und der nächsten Fortbildung. Marco Haaf, 50, sitzt entspannt am Tisch, Brille, waches Lächeln, die Ruhe eines Mannes, der weiß, dass echte Veränderung Zeit braucht. Als er später über seine Kindheit in Offenau spricht, über Rudertraining im Morgengrauen und die erste Silbermedaille als 24-jähriger Trainer, wird klar: Hier ist einer, der Bildung nicht als Verwaltungsakt versteht, sondern als Lebensaufgabe.

Es ist die Geschichte eines Heilbronners, der eigentlich Gebirgsjäger werden wollte und dann doch beim Ulmer Ruderclub landete. Sohn eines Südzucker-Betriebswirts und einer Arzthelferin, aufgewachsen in Bad Friedrichshall, zur Schule gegangen am Hohenstaufen-Gymnasium in Bad Wimpfen. Dort war er Schülersprecher, organisierte Partys und lernte nebenbei, wie demokratische Gremien funktionieren.

Von der Silbermedaille zur Schulleitung

Der Weg dorthin war alles andere als vorgezeichnet. Während andere schon wussten, dass sie Lehrer werden wollen, trainierte Haaf Ruderinnen für die U23-Weltmeisterschaft, holte 1999 Silber im leichten Doppelzweier und wurde in Kanada zum Coach of the Year gewählt.

Am Hohenstaufen-Gymnasium entdeckte er später ein Talent, das ihm bis heute besonders am Herzen liegt: Carina Bär. Als junger Teenager kam sie 2005 zu ihm in die Ruder-AG, und Haaf erkannte sofort das Potenzial. Jahre später, 2016 in Rio, wurde aus der Prophezeiung Wirklichkeit. Bär holte Gold im Doppelvierer.

Die Abiturfeier als Demonstration

Was folgte, war ein klassischer Lehrerweg mit unklassischen Umwegen. Vom Referendariat am Albert-Schweitzer-Gymnasium in Neckarsulm über die Schulleitung bis zum geschäftsführenden Schulleiter aller Neckarsulmer Schulen. Besonders prägend: Die Corona-Jahre, in denen er als einziger Schulleiter Baden-Württembergs eine Abiturfeier durchsetzte. Als Demonstration. Auf dem Schulhof. Mit 500 Menschen im 1,5-Meter-Abstand, rotem Teppich und Musik.

An keinem einzigen Tag der Pandemie schloss er die Schulmensa. Weil es Kinder gab, die auch im Homeschooling ein warmes Mittagessen brauchten. Eine Haltung, die sich durch sein ganzes Leben zieht.

KI-Roboter und digitale Zwillinge

Heute, als Geschäftsführer der aim, will Haaf innovative Bildung nicht nur im Namen tragen, sondern leben. Seine Akademie bringt gerade KI-Roboter in Heilbronner Schulen, entwickelt digitale Zwillinge für Mitarbeitende und positioniert sich als Impulsgeberin für ein Bildungssystem im Umbruch.

Wenn er am Ende des Gesprächs Heilbronn 2036 als seine Perspektive nennt und sagt, er wolle bis über den Ruhestand hinaus auf dem Bildungscampus bleiben, wird klar: Der Weg des ehemaligen Ruderers ist noch lange nicht zu Ende. Aber die Richtung stimmt.

Die vollständige Podcast-Folge #86 mit Marco Haaf ist ab sofort überall wo es Podcasts gibt verfügbar.

Melden Sie sich für unseren Newsletter an!