Von Redaktion, Fotos: Stadt Heilbronn
Mehr Grün, mehr Aufenthaltsqualität, weniger Verkehr: Der Gemeinderat hat der Entwurfsplanung für die Umgestaltung der nördlichen Innenstadt zugestimmt. Im Frühjahr 2027, wenn Heilbronn Grüne Hauptstadt Europas ist, soll der Umbau beginnen. Das Investitionsvolumen liegt bei rund 8,3 Millionen Euro.
Wer heute durch die Turmstraße geht, sieht vor allem eins: Verkehr. Autos, die sich zwischen schmalen Mittelstreifen mit ein paar Bäumen hindurchschieben. Die Straße verbindet den Neckar mit der Fußgängerzone in der Sülmerstraße, zusammen mit der benachbarten Zehentgasse. Beide sollen sich in den kommenden Jahren grundlegend verändern. Der Heilbronner Gemeinderat hat der Entwurfsplanung samt Kostenberechnung zugestimmt.

Musterbaustelle für klimaangepassten Stadtumbau
Der Startschuss für den Umbau der Turmstraße fällt im Frühjahr 2027. Das ist kein Zufall: Heilbronn trägt dann den Titel »Grüne Hauptstadt Europas«, und das Projekt soll als Musterbaustelle für einen nachhaltigen und klimaangepassten Stadtumbau dienen. Gleichzeitig ist die Umgestaltung Bestandteil des vom Gemeinderat beschlossenen Sofortprogramms zur Aufwertung der Innenstadt.
Kern der Planung ist die Verwandlung beider Straßen in sogenannte blau-grüne Achsen. Breite, geschwungene Grünflächen mit Rasen, Stauden, Gräsern und Sträuchern sollen sich mit Verdunstungsmulden abwechseln. Überschüssiges Regenwasser wird gesammelt und in ein unterirdisches Speichersystem geleitet, das die Pflanzen versorgt und gleichzeitig die Kanalisation entlastet. Für Kühlung an heißen Tagen sorgen sogenannte Cooling Spots mit Sprühnebeldüsen sowie schattenspendende Sonnensegel. Ein Trinkbrunnen ist ebenfalls vorgesehen.
Spielangebote, Hängematten und kein Konsumzwang
Ein besonderes Augenmerk liegt laut der Mitteilung der Stadt auf den Bedürfnissen von Kindern. Geplant sind ein Klettertunnel in der Zehentgasse, Schaukeln und ein Kletternetz in der Turmstraße. Hängematten und Sitzmöglichkeiten entlang der Grünflächen laden zum Verweilen ein, ohne Konsumzwang. Ergänzend entstehen Flächen für Außengastronomie. Während die Turmstraße als lebendige Aktivitätszone gestaltet wird, soll die Zehentgasse zu einem ruhigen grünen Wohnzimmer werden.

Verkehrsberuhigung und neue Radwege
Auch das Verkehrskonzept wird neu ausgerichtet. Beide Straßen werden deutlich verkehrsberuhigt. Anlieferung, Rettungswege und Stellplätze für Kurzzeitparker, Menschen mit Behinderung und Carsharing bleiben gewährleistet. Der Fuß- und Radverkehr wird gestärkt, Blindenleitsysteme geben Menschen mit Sehbeeinträchtigungen Orientierung. Der Verkehr aus der Lammgasse fährt wie bisher durch die westliche Turmstraße zur Gerberstraße und Mannheimer Straße.
8,3 Millionen Euro, Fördermittel erwartet
Die Investitionen für die Turmstraße liegen nach aktuellen Berechnungen bei rund 4,7 Millionen Euro, für die Zehentgasse bei rund 3,6 Millionen Euro. Für beide Projekte rechnet die Stadt mit Fördermitteln aus dem Bund-Länder-Programm »Sozialer Zusammenhalt«. Die Planungen stammen von der Arbeitsgemeinschaft BlauGrün mit den Landschaftsarchitekturbüros Cornelia Biegert und Hink, die 2023 den freiraumplanerischen Wettbewerb gewonnen haben.
Voraussetzung für den Baubeginn ist der Abschluss der aktuell laufenden Fernwärmeausbauarbeiten durch die Heilbronner Versorgungs GmbH. Nach rund eineinhalb Jahren Bauzeit an der Turmstraße folgt anschließend die Umgestaltung der Zehentgasse. In mehreren Beteiligungsformaten konnten Bürgerinnen und Bürger bereits ihre Ideen und Wünsche einbringen.