Von Redaktion, Fotos: TUM Campus Heilbronn
Dr. Johannes Teyssen war zu Gast bei der CEO Leadership Series am TUM Campus Heilbronn. Der frisch gewählte Aufsichtsratschef der Lufthansa Group sprach mit Prof. Chengguang Li. Themen waren Ambition, Krisen und das Treffen mutiger Entscheidungen. Eine seiner Kernaussagen: Einen Karriereplan habe er nie gehabt.
»Ich hatte keinen Karriereplan«, sagt einer der einflussreichsten Manager Deutschlands. Der Satz stammt von Dr. Johannes Teyssen, dem frisch gewählten Aufsichtsratschef der Lufthansa Group. Mit 66 Jahren blickt er auf eine außergewöhnliche Berufslaufbahn zurück. Teyssen war Vorstandsvorsitzender bei E.ON und ist seit 2022 Verwaltungsratspräsident des Schweizer Energiekonzerns Alpiq Holding. Bei der CEO Leadership Series am TUM Campus Heilbronn sprach er über Ambition, Krisen und mutige Entscheidungen.

Vom Jurastudium ins Energieunternehmen
Teyssen kommt aus Hildesheim. Sein Vater Hans Teyssen war Richter. Von ihm habe Johannes Teyssen nach eigenen Worten das Argumentieren und das kritische Denken gelernt. Er studierte Jura in Freiburg und Göttingen und promovierte später. Parallel belegte er Volkswirtschaftslehre. Als Jurist sah er sich zunächst auf einen Pfad in der Rechtswissenschaft festgelegt.
Ein Anruf zur rechten Zeit
Dann kam ein Anruf zur rechten Zeit. Bei PreussenElektra lernte Teyssen die Atmosphäre der Wirtschaftsbranche kennen. Aus seiner heutigen Sicht braucht es zwar Ehrgeiz, aber manchmal auch einfach Glück. Was ihn in der Anfangszeit beim Energieversorger zusätzlich voranbrachte, war seine Neugier. Andere Mitarbeitende freundlich um Erklärungen zu bitten, ermögliche ein tieferes Verständnis komplexer Zusammenhänge. Ebenso wichtig sei Feedback von Vertrauenspersonen.
Krise und der Wert klarer Prioritäten
2001 wechselte Teyssen als Vorstandsmitglied der E.ON Energie AG nach München. Er übernahm dort das Finanzressort. Der Start in dieser Position fiel ihm laut eigener Aussage schwer. Aus seiner Sicht müsse man sich in einer Krise auf das Wesentliche besinnen. Geschäftslage analysieren, Ziele festlegen, Entscheidungen treffen. Angst vor Entscheidungen sei das Rezept für eine Katastrophe, formulierte er pointiert.
Eine Faustregel zum Zuhören
Teyssen rät jungen Führungskräften zum aufmerksamen Zuhören. Eine seiner Faustregeln sei, spät und am besten zuletzt zu sprechen. Sozialkompetenz habe er sich erst erarbeiten müssen. Auch das Privatleben einer Führungskraft sei nicht von Krisen unberührt. Teyssen berichtet von schlaflosen Nächten. Work-Life-Balance ergibt für ihn jedoch keinen Sinn. In Krisenzeiten sei es Pflicht, dem Unternehmen jede Minute zu geben.
Talente fördern, Nachfolge regeln
Auf die Frage nach den wichtigsten Eigenschaften eines CEO nennt Teyssen Charakter, Resilienz und die Fähigkeit, Szenarien zu entwickeln. Als Pflicht sieht er es zudem, die eigene Nachfolge vorzubereiten und Talente zu fördern. Ein Konzern sei größer als die Person an seiner Spitze. Sein Anspruch ist es, das Unternehmen in besserem Zustand weiterzugeben, als er es übernommen habe.
»Kämpft. Und habt Spaß.«
Auf die Frage eines Studenten, ob er etwas anders machen würde, hat Teyssen eine klare Antwort. Er würde nichts ändern. Manches sei besser, manches schlechter gewesen. Gestrige Entscheidungen infrage zu stellen, halte er für demotivierend. Den Studierenden am TUM Campus Heilbronn gab er einen knappen Rat mit auf den Weg. Das Leben sei kein leichtes Segeln. Es verlange Kampfgeist und Spaß zugleich.